Politik | Abgesagte Ukraine-Reise: Gaucks Freiheitskampf für Timoschenko

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wikna
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Re: Abgesagte Ukraine-Reise: Gaucks Freiheitskampf für Timoschenko

#26 Beitragvon wikna » Mittwoch 9. Mai 2012, 13:33

Es ist heute ja schon so etwas wie eine „eigenständige Leistung“, wenn in Fragen unterschiedlicher Auffassungen ein die jeweilige Meinung unterstützender Link (Nachdenkseiten) eifrig gesucht und „ohne Bedenken“ für –ich bleibe dabei- „Twitter-Kommentare“ als Ausgabe einer fundierten Meinung „in das Netz gestellt“ wird.
Erspart so das eigene Nachdenken, das eigene Formulieren; man „lässt also denken“!

Erspart aber nicht die Nachfrage nach dem Sinn einiger „ins Netz gestellten“ Fanfarenstöße wie
Wie zur Hölle kann man eigentlich eine Reise absagen, die man nie geplant hat?
Gauck ist und bleibt ein billiger Opportunist ...

Vor allem vor dem Hintergrund der Meldung:
Der Umgang der Ukraine mit der in der Haft erkrankten Oppositionspolitikerin Julija Timoschenko hat dazu geführt, dass mehrere mitteleuropäische Staats- und Regierungschefs ihre Teilnahme an einer Konferenz in Jalta abgesagt haben. Die Regierung von Premier Viktor Janukowitsch hat das Gipfeltreffen nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ist da was anders gelaufen als erwartet?
Wo bleibt man jetzt mit seiner Empörung über den „billigen Opportunismus“, mit all seiner Argumentation, dass ein (gesundes)
….Volk" dem ganzen Spektakel gegenüber total gleichgültig ist und die meisten zumindest bei Julia sagen, dass sie irgendwie zu Recht sitzt?
Und IRGENDWANN kommt dann IRGENDWER und holt IRGENDWEN wegen IRGENDWAS ab, der IRGENWO dann IRGENDWIE auf IRGENDWELCHER Grundlage von IRGENDJEMANDEN für IRGENDWAS zu IRGEND ETWAS IRGENDWIE abgeurteilt wird.
Dann ist das irgendwie Schicksal.

Wie die Katze um den heissen Brei:
Ja nicht über die korrupten Richter, das zerfallene Rechtsgebäude dieser juristischen Narren reden, über ein Parlament, welches einen Obersten Justizrat abnickt, Parlamentarier, die epochale Dummheiten mittels einer „Machtvertikalen“ legitimieren.
Ja nicht darüber reden, dass die jetzigen Regierung ihre moralische Berechtigung aus der Pflicht (fehlt da nicht das Wort „heilige…“?) zur Beseitigung des Orangenen Chaos bezog.
Ja nicht darüber reden, dass eine in der Präsidialbürokratie relativ hoch angesiedelte Dame aus dem Krankenhaus, erfüllt „von brennender Sorge“, pathetisch-klebrige „3 Briefe zur Verteidigung der Demokratie“ schreibt mit epochalen Geistesergüssen wie
…dass wir, die Opposition von gestern, heute, da wir so stark sind wie nie, gezwungen sind, die Demokratie in der Ukraine zu verteidigen,
gleichzeitig meint (und schreibt)
…. Ich glaube nicht, dass es ein universelles Verständnis vom Begriff „Demokratie“ gibt.
und zwei Sätze weiter die Katze aus dem Sack lässt mit einem
Die Übereinstimmung der Interessen von Macht und Volk geschieht im Kontext dessen, wie anspruchsvoll die Gesellschaft bezüglich ihres Wohlstands und ihrer Freiheiten ist und inwieweit die Machthaber bereit sind, auf die Wünsche einzugehen

Das Entscheidende: wie anspruchsvoll die Gesellschaft bezüglich…. ihrer Freiheiten ist.
Und wenn ich dem Großteil der Kommentare nach urteile, dann ist dieser Anspruch minimal, schwankend, jämmerlich ausgebildet; es reicht ein …. außerdem werde sie von der Regierung als „VIP-Gefangene“ mit Sonderrechten präsentiert und schon ist der Volkszorn in erwünschter Weise gebündelt, fokussiert.

Nicht auf die Rechtssprechung nach zersplitterndem „Rechts-Rahmen“ (eiwoisserdenn?),
nicht auf die „Filbinger-Juristen“ (wir haben doch schon alles mal gehabt),
nicht auf einen mühsam kaschierten „Sowjet-Paragraphen 58“,
nicht auf „orangene Machenschaften“, die sie doch angeblich beseitigen wollten.

Diese Verweigerung des Denkens benennt Jurij Andruchowytsch zum Fall Oksana Makar mit seinem:
Es ist eine Katastrophe des Landes, wenn seine Männer weder lieben noch beschützen können. Sie selbst werden von den Machthabenden vergewaltigt. Und dann vergewaltigen sie die Mädchen dieses Landes.

Diese Verweigerung des Denkens benennt Michail Dubinjanskij mit seinem:
Es kann kein effektives System entstehen, ohne dass man sich zunächst mit den eigenen Motiven, Prioritäten, Tugenden und Makeln auseinandersetzt.

Letzterer Satz übrigens eine gute Anwort auf das im Forum geäusserte
Beide Seiten agieren in Clans und der kleine Ukrainer denkt ebenso. Die ukrainische Gesellschaft ist so gestrickt. Die Frage wäre, wie man dieses Denken und Agieren auflösen kann und da helfen die Demokraten von Timoschenko & Co. nicht weiter…..
Die ukrainische Gesellschaft ist so gestrickt
Ein Gottesurteil also…und wir können beruhigt zur Tagesordnung übergehen, denn es ist ja (was) „angerichtet“.. (wie wahr!).

Dafür reden wir lieber darüber, dass Timoschenko auf einer „Pritsche“ liegt, die bei genauerer Betrachtung komfortabler erscheint, als die Betten vieler verarmter Ukrainer in ihren trostlosen Wohngegenden…
oder
Einen Gefängnisinsassen stellt man sich bei genauerer Betrachtung wahrscheinlich nicht mit sorg-fältig frisiertem und mit einem goldenen Reif geschmückten Haar vor, mit Brillianten-Ohrringen sowie mit ordentlich manikürten Nägeln.

Wie schön einfach doch ein „Aufbruch nach Europa“ sein kann….

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paracelsus
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Deutschland

Re: Abgesagte Ukraine-Reise: Gaucks Freiheitskampf für Timoschenko

#27 Beitragvon paracelsus » Donnerstag 10. Mai 2012, 11:13

Ich mag die Ukraine. Und wenn ich sage "ich mag die Ukraine" dann meine ich die Menschen - nicht die Staatsgewalt. Dazu kann ich nur sagen: die ist hoffnungslos verkommen.
Und dieses Gebilde ist nicht erst seit 2010 korrupt. Es war vor 2005 korrupt, während der Apfelsinen-Zeit korrupt, es war es davor und ist es auch heute noch. Die politsiche Führung ist grotesk.

Wie sieht aber das Ukraine- Bild in der deutschen Öffentlichkeit aus? Otto Normalbürger hat doch keine Ahnung, kennt in der Regel niemanden näher und hält die Ukrainer ( gilt eigentlich für alle ehemaligen Sowjetrepubliken) in D für Wirtschaftsflüchtlinge, Gangster oder Prostituierte.

Dieses negative Bild wird von den deutschen Medien lanciert. Es wird das Bild eines "Unrechtstaates" gezeichnet in dem gefoltert wird, Menschen wegen ihrer Gesinnung eingesperrt werden und Wahlen eine Farce sind.

Da unsere Medien sehr gern einfach gestrickte Geschichten mit einem gewissen Schauderfaktor erzählen, wird mittlerweile das Julia-Märchen erzählt: eine aufrechte, Selfmade-Demokratin kämpft gegen das korrupte Regime und sitzt deswegen im Gefängnis. Ein Bandscheibenvorfall wird als lebensbedrohende Erkrankung skizziert und selbstverständlich wird kein Blick auf die Vita der Heldin geworfen…….., sie hat ja eine medial wirksame Tochter……………

Das schlimme ist m.E., dass in Deutschland mittlerweile Politiker und andere Menschen der Öffentlichkeit diese Geschichte aufgreifen und kräftig dazu beitragen einen notwendigen Dialog zu zerstören. Denn wenn die Verhältnisse in der Ukraine geändert werden sollen, so ist ein Dialog in der Regel doch hilfreicher als eine lediglich zur Schau gestellte Verachtung.

Die aufkommende Isolation wird vermutlich bewirken, dass die Ukraine Putins werben nachgeben wird und der Zollunion beitritt. Auch wenn ich persönlich diesem Beitritt nicht negativ gegenüber stehe, so würde dies dem Land doch einige innenpolitische Spannungen bereiten werden.

Letztendlich können aber nur die Ukrainer selbst die "ukrainischen Verhältnisse" ändern.
Dosis sola facit venenum (Allein die Dosis macht das Gift).
Die es gut meinen, das sind die schlimmsten.
Paracelsus (Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim) 1493 - 1541

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Jensinski
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Re: Abgesagte Ukraine-Reise: Gaucks Freiheitskampf für Timoschenko

#28 Beitragvon Jensinski » Donnerstag 10. Mai 2012, 14:52

@Wikna: Dein Beitrag vom 09.05. war sehr gut. Er appelliert an das Gewissen, an 100%ige Gerechtigkeit ohne Grauzonen. Vor 20 Jahren hätte ich wohl ähnlich geantwortet, mit Power und mehr jugendlichem (und vor allem naiven) Elan. Ich würde Dir auch absolut Recht geben, wenn die Welt so einfach wäre. Ist sie aber (leider) nicht!

Wir leben in einer kapitalistischen Gesellschaft - das ist nun einmal Fakt. Hier zählen Geschäfte, Wachstum, Geld, Rohstoffe - und da zählt kein Gewissen! Wir brauchen doch gar nicht in die Ukraine zu schauen. Die Themen sind vielfältig. Akzeptierte Umweltzerstörungen (Stichwort Bohrinseln) / Überfischung der Meere / Atomenergie und Probleme der Entsorgung, usw.

Wir haben Kriege aus rein wirtschaftlichen Interessen - Menschenrechte, Demokratie für diese Länder... das sind schöne Zugmittel, um das eigene Volk ruhig zu stellen bzw. "zu überzeugen"! Und Deutschland mischt fleißig mit, akzeptiert Guantanamo auf der einen Seite und regt sich auf, weil eine ehemalige Regierungschefin misshandelt würde. Man verdreht dabei auch noch die Tatsachen. SIE, Frau Timoschenko hat sich doch geweigert, sich behandeln zu lassen. Erst später kamen dann Appelle für eine faire Behandlung der Opposition in der Ukraine. (Immer schön auf die Timeline der Berichterstattung achten!)

Und das, diese Scheinheiligkeit und das messen mit zweierlei Maß, das ins Licht rücken der Ereignisse, wenn es grad passt (es waren ja Wahlen!) - das ekelt mich einfach nur an! Was den Fall Timoschenko und das Gerichtsurteil betrifft, so wissen wir alle nur das, was uns die Medien erzählen. Und denen traue ich schon lange nicht mehr. Oder hast Du Akteneinsicht? Außerdem: JT sitzt nun schon ein paar Monate, Kritik gab es schon nach dem Urteil, das flaute dann wieder ab. Und jetzt vor der EM geht es wieder los - aber ich sagte es schon - Aufhänger war die (angeblich) verweigerte med. Behandlung! Und das war eine Lüge!

Jens

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