Allgemeines Diskussionsforum | Auswandern aus Ukraine

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Jensinski
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Re: Auswandern aus Ukraine

#26 Beitragvon Jensinski » Montag 28. November 2011, 00:36

optimist hat geschrieben:Das war der offizielle Sprachgebrauch der Kommunisten damals, weil unsere Eltern selbstständig ( soweit man überhaupt von einer Selbstständigkeit sprechen konnte ) gearbeitet haben. Auch ich durfte damals bis zur 4.Klasse kein Pionier werden, hat mich nicht sehr gestört, aber in der 5. musste ich dann einer werden, weil sie nun unbedingt 100% Mitglieder nachweisen sollten... ja es war schon lustig, im Nachhinein frage ich mich öfters, wie bekloppt diese Zeit und deren Funktionäre waren und wie Menschen sich manipulieren liessen, mich eingeschlossen.


galizier hat geschrieben:Hör also auf zu jammern wie schlecht es Dir ging. Ich komme auch aus so Familie. Zahnarzt, Apotheker und Handwerker. Alles war vertreten. OK EOS war nicht, aber dafür Berufsausbildung mit Abi.
Studium auch kein Problem, Hausbau 1979-1982, also ich hatte eben meinen Platz gefunden.
Ich habe aber auch nicht hinter jeden Strauch geguckt ob da einer sitzt.


Jeder von uns hat seinen eigenen Weg hinter sich. Und Repressalien gab es, ohne Frage. Ich kenne viele Lebens- und Leidenswege von DDR-Bürgern und habe selbst so einiges mitgemacht. Im Nachhinein würde ich sagen, dass es immer auf 2 Sachen ankam: An was für einen "Genossen" ist man mit einem Problem geraten und ganz wichtig: "Der Ton spielte die Musik"! Also lieber Galizier, Grund zu Jammern hatten viele! Und ich finde Deinen Satz ehrlich gesagt unangebracht.

Ich hatte als Elektriker auch mit privaten Handwerkern zu tun. Aber erst in den 80er Jahren, als es wieder eine gewisse Förderung des privaten Handwerks gab. Ich habe zwar nie mitbekommen, dass diese "Kapitalisten" genannt wurden, wenn Optimist das behauptet, dann glaube ich es ihm jedoch, keine Frage! Es reichte ja, wenn er mit dem Sohn eines radikalen Genossen in die Schule ging oder einen Hardliner als Lehrer hatte. Im näheren Bekanntenkreis wurde ich im Großen und Ganzen von solchen Menschen verschont.

Mein Vater arbeitete über 20 Jahre in der Braunkohle, bevor wir ins Erzgebirge zogen. Er hat sich vom E-Lokfahrer zum Ingenieur hochgearbeitet. Im Fernstudium, natürlich mit Parteibuch. Das hatte ich auch einige Zeit. Mein Vater, Jahrgang '41 hat ungefähr bis Mitte der 80er auch geglaubt, dass es aufwärts geht und sich dafür den Arsch aufgerissen, besonders in der Zeit in der Braunkohle. Man weiß ja, dass es gerade dort 4 große Probleme gab: Frühling, Sommer, Herbst und Winter ;)
Wie gesagt, ich hatte auch eine Zeit lang dieses Büchlein. Nie aus voller Überzeugung, ich wusste einfach, dass das Leben damit leichter ist. Im Nachhinein schäme ich mich dafür, dass ich nicht mehr Rückgrat zeigte, das gebe ich ganz offen zu. Nennt es Erziehung, Gehirnwäsche... Ja, ich war mit 18 so naiv zu denken, dass man etwas bewegen kann - habe aber später eingesehen, dass da ein kleiner Genosse nichts ausrichten kann, er war nur Statistik- und Stimmvieh. Dann war ich aber auch wiederum so stark und habe die Konsequenzen gezogen und bin aus "dem Verein" wieder ausgetreten.

Als '88 meine Eltern Republikflüchtig waren, hatte ich erstmals direkt mit der Stasi zu tun. Ich war dabei nicht Kleinlaut, aber auch nicht frech. Es gab ziemlich lange Verhöre und wir mussten bei einigen Behörden antanzen. Aber da lief es doch normal ab, ohne irgendwelche persönliche Angriffe. Ich weiß nicht wieso - ich behielt meinen Arbeitsplatz und meine Schwester konnte ihre Ausbildung zu Ende bringen. Wir durften sogar weiterhin im Haus meiner Eltern wohnen bleiben. Mir waren durchaus Fälle bekannt, da endete es nicht so glimpflich.

Was die Ausbildung betrifft: Als Elektroinstallateur würde ich sagen, die war besser als im Westen. Habs ja später mitbekommen. Lehrlinge waren billige Arbeitskräfte und durften vor allem die Drecksarbeit machen. Und ganz wichtig: In der DDR lernte man "Improvisieren innerhalb der Standards", eine nicht zu unterschätzende Fertigkeit! :-D

Wie gesagt, jeder einzelne hat seine Geschichte. Meine Kindheit war sorgenfrei und gut. Klar hatten wir viele Träume und Sehnsüchte, die in der DDR unerfüllbar waren. Aber soll ich Euch was sagen? Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass Träume, die man sich zu schnell erfüllen kann nicht befriedigen, ganz im Gegenteil.

Soviel für heute, Gute N8,
Jens

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Jensinski
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Re: Auswandern aus Ukraine

#27 Beitragvon Jensinski » Montag 28. November 2011, 01:01

Sonnenblume hat geschrieben:... Wärst du damals in der Ukraine geboren, hättest du ganz andere Sorgen gehabt und der Westen hätte als Alternative nicht gestanden. Denk mal da drüber nach...

Du darfst vor allem nicht unterschätzen, dass wir in der DDR Westfernsehen empfingen und viele von uns Verwandtschaft hatte. Wie wäre es gelaufen, ohne dieses (täglich abrufbare) Wissen einer Alternative?
Optimist hat geschrieben:ja es war schon lustig, im Nachhinein frage ich mich öfters, wie bekloppt diese Zeit und deren Funktionäre waren und wie Menschen sich manipulieren liessen, mich eingeschlossen.

Das frage ich mich auch laufend! ;) Beim Honigdachs habe ich mal was passendes gelesen, was da sehr gut passt:
Man glaubte, „den Kapitalismus“, also eine sich entwickelnde Gesellschaft, „überholt zu haben“, wenn man zum Beispiel mehr Stahl oder mehr Zement als die westliche Konkurrenz produzieren werde („Tonnen-Ideologie“).
Der eigentliche Schatz, das Mehr an Freizeit, wurde nicht bemerkt und deshalb auch nicht zum Tanzen genutzt, sondern für trockene Parteiversammlungen und stupide Disziplinierungen.

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