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Optimist
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Auswandern aus Ukraine

#1 Beitrag von Optimist » Sonntag 29. Mai 2011, 23:35

Frage: In meinem Umfeld häufen sich die Wünsche die Ukraine zu verlassen. Auch sind bereits viele Bekannte in Italien, Polen, Dänemark, Kanada, Deutschland u.s.w. Jetzt wurde ich angesprochen ich solle doch Deutsch unterrichten, es gäbe genug Ukrainer, die dies wünschen. Geht das mir allein so, oder verhält es sich in Euren Verwandten und Bekanntenkreis ähnlich? Erst gestern habe ich gehört, dass unheimlich viele junge Familien in den Startlöchern stehen um der Ukraine den Rücken zu kehren.

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Robert
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Re: Auswandern aus Ukraine

#2 Beitrag von Robert » Montag 30. Mai 2011, 00:46

Nun .... Optimist

Es ist statistisch durchaus belegbar , daß der Ukraine vor allem Junge Menschen und dort überwiegend junge Frauen abhanden kommen , daß in Summe mehr Menschen aus denn einwandern und daß die Ukraine trotz relativ hoher Sterberate in relativ niedrigem Alter dennoch gleichzeitig überaltert und schrumpft .
siehe mal hier :Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...

Rein subjektiv würde ich Dir ebenfalls zustimmen , denn Galina konnte sich nicht retten vor "Schülern" der englischen aber auch deutschen Sprache .
Auch beobachtete ich ( wenngleich das natürlich nur eine punktuelle und vermutlich bei weitem keine repräsentative Beobachtung ist ! , was ich gern einräume ) .........
daß an jenem Januar - WE in Dänemark , als auch wir beide "Ja" sagten .....
die Männer aus Schengenstaaten kamen - die Frauen , bis auf zwei Weißrussinnen und eine Kasachin , alle aus der Ukraine .

..............................................

Tatsache dürfte sein , daß ( im Bezug auf die Landflucht in einem anderem Tread von mir schonmal erwähnt ) sich vermutlich auch in der Ukraine viele Junge Menschen umsehen , ob sie andernorts bessere Zukunftsschancen finden könnten .
Die Sehnsucht nach einer guten Zukunft , nach lebenswerten und auch finanziell erträglichen Lebensbedingungen scheint größer als der Optimismus , das eigene Land betreffend .
Und ich sag mal so - wer kann es den jungen Leuten verübeln ?

Gruß ! Robert

PS:
( Ich kam ja mit Frau und Kindern Anfang 90ger Jahre aus Kasachstan nach Deutschland und damals war dort die Stimmung auch so zu spüren . )
Jetzt hat das gedreht und insbeondere gut ausgebildete junge Eltern ziehen zurück dorthin . Denn das prosperierende Kasachstan bietet weit bessere Schancen ... als god old Jörmenie

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Re: Auswandern aus Ukraine

#3 Beitrag von mbert » Montag 30. Mai 2011, 09:27

Ich finde bemerkenswert, dass sich zumindest in meinem Bekanntenkreis die Motivationen für Auswanderungs-Träumereien etwas geändert haben. Früher hatte ich das Gefühl, dass es vor allem materielle Gründe gab. Ich erinnere mich an eine befreundete Familie, die in ihrer Plattenbauwohnung richtig schick eingerichtet war (unsere eigene Wohnung war dagegen eher ärmlich), die uns aber zu überreden versuchten, für sie ein Visum für Deutschland zu "machen". Dass sie ohne Sprachkenntnisse in Deutschland kaum etwas werden würden und auch die Verdienstmöglichkeiten im Vergleich eher bescheiden sein würden, wollten die nicht so ganz zu sich durchlassen.

Ich habe so etwas in der letzten Zeit kaum noch gesehen. Trotzdem ist das Thema in meinem Bekanntenkreis immer aktueller geworden, nur mehr aus politischen Themen. Ich muss dazu sagen, dass die meisten Akademiker sind und relativ gute Jobs haben. Da ist eine ziemliche Frustration, dass das Land in einen Zustand der Rechtlosigkeit und Willkür abgleitet, auch (das ist eine typisch westukrainische Perspektive) dass die Donetsker Trainingsanzuträger das Land kulturell und gesellschaftlich Richtung Osten steuern (oder zumindest zu steuern scheinen). Zitat (schon früher einmal hier gebracht): Wer eine Möglichkeit hat, sieht zu, dass er weg kommt.
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Auswandern aus Ukraine

#4 Beitrag von mbert » Montag 30. Mai 2011, 11:59

Mir fällt zu dem Thema noch folgendes ein:

[video][/video]
На твоїх джінсах американський прапор
На твоїй майці - канадське кленове листя
У твоїх очах видно тільки одне питання
Хто менi скаже - чому я тут народився
Не твоя вина - шо ти батька свого син
А твоя біда - не вміти бути ним

Не встидайся - то твоя земля
Не встидайся - то Україна
Добре там є де нас нема
Стань для батька нормальним сином

Ти знову купиш cтруйові німецькі шузи
Твої вуха давно вже звикли до чужої музики
На твоїх губах застигла гримаса болю
Чому я тут ше - я хочу давно на волю!

Не твоя вина - шо ти батька свого син
А твоя біда - не вміти бути ним

Приспів.

Щодня близько 1000 українців
подають документи на еміграцію.
Щодня близько 500 українців ступають на чужу землю
у пошуках кращого життя з метою залишитись там.
Ці люди відмовляються від своєї культури
і своїх звичаїв, своєї віри.
Більшість з них до кінця життя працює чорноробочими,
так і не діставши статусу громадянина чужої країни.
А, можливо, їхня біда полягала в тому,
що відповідь треба було шукати в собі,
а не в підручнику географії.
Ти сам собі країна! Зроби порядок в своїй голові!
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Auswandern aus Ukraine

#5 Beitrag von Sonnenblume » Montag 30. Mai 2011, 12:30

mbert hat geschrieben:...
Ти сам собі країна! Зроби порядок в своїй голові!
So ist das, die Ukrainer sollten in die Hände spucken, statt in Selbstmitleid zu zerfließen. Sie sind nichts Besonderes - sie müssen, wie jeder andere auf der Welt, nur versuchen, das Beste daraus zu machen und sich nicht immer selbst im Weg stehn und auf andere zeigen, die angeblich Schuld an ihrer Misere sind.

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Robert
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Re: Auswandern aus Ukraine

#6 Beitrag von Robert » Montag 30. Mai 2011, 16:18

Es ist was drann , Optimist - an dem was Du sagst
Es ist aber auch was drann , was jemand mal aufschrieb ( obgleich er das wohl nicht uneigennützig schrieb , vor langer Zeit ) -
"Das Sein bestimmt das Bewustsein "

Will sagen , wenn insbesondere gut , respektive sogar akademisch gebildete Menschen sich abstrammpeln , nicht oder nicht angemessen adäquat aber damit ihre Familie aufbauen/ernähren können - dann werden sie immer gucken , wo sie sowohl materiell als auch in ihrer gefühlten Freiheit "besser" leben können .
Ähnliches war in alten Zeiten zu beobachten , wo Menschen unter großer Gefahr flohen .... aus ihren Heimatländern in den Westen

Die Ärmel aufkremmpeln und alles wird gut ....... ( sorry - ich will dich nicht persönlich angreifen ! ) dürfte an den Problemen -
den echten und den gefühlten - in der Ukraine wenig ändern .
Es werden also , solange die Rahmenbedingungen nicht gebessert sind , immer wieder und oft "wertvolle" mithin solche Menschen "abhauen" , die eigendlich gerade dort fehlen wo sie wegg gehen .

Gruß ! Robert

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Re: Auswandern aus Ukraine

#7 Beitrag von Sonnenblume » Montag 30. Mai 2011, 16:35

Robert hat geschrieben:
Die Ärmel aufkremmpeln und alles wird gut ....... ( sorry - ich will dich nicht persönlich angreifen ! ) dürfte an den Problemen -
den echten und den gefühlten - in der Ukraine wenig ändern .
Es werden also , solange die Rahmenbedingungen nicht gebessert sind , immer wieder und oft "wertvolle" mithin solche Menschen "abhauen" , die eigendlich gerade dort fehlen wo sie wegg gehen .

Gruß ! Robert
Wer soll denn deiner Meinung nach die Rahmenbedingungen ändern? Das können doch nur die Ukrainer selbst! Und da hilft es eben nicht, das Land zu verlassen, sondern da muß man sich den Anforderungen stellen. Zumal ja demokratische Wahlen möglich sind. Klar geht das nicht von heute auf morgen und klar kostet das Ausdauer, Energie und unter Umständen auch Geld. Aber wer soll es denn sonst machen, wenn nicht die Besten des Landes? Aber die haben leider nichts anderes zu tun, als sich entweder bei den jeweiligen Machthabern anzubiedern, um durch das Betrügen des eigenen Volkes mitzuverdienen oder sie verlassen das Land.
Es ist ein Jammer!

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Re: Auswandern aus Ukraine

#8 Beitrag von Robert » Montag 30. Mai 2011, 17:55

Du hast völlig Recht ! Optimist
Ja es ist ein Jammer ....

Gruß ! Robert

PS:
Ironischerweise kommt mir gerade das Thema und Deine Argumente , wie ein Deschawü ( ich weis wird anders gechrieben - sorry ) vor
[...... hatte ich doch genau mit solchen Argumenten operierend , vor rund 20 Jahren teils schwierige Auseinandersetzungen mit meiner Frau . ....
Sie setzte sich durch ..... in der damals rundrumm und im Innerem explodierenden Sowjetunion . ]

Ich wage nicht mir aus zu malen , wie es uns ...vor allem den Kindern ,ergangen wäre , unter den obwaltenden Umständen .
Damals in einem vor sich hin siechendem , teils aus Erdhölen bestehendem , Dorf in der kasachischen Steppe .

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Re: Auswandern aus Ukraine

#9 Beitrag von Sonnenblume » Montag 30. Mai 2011, 19:06

Robert hat geschrieben:Du hast völlig Recht ! Optimist
Ja es ist ein Jammer ....

Gruß ! Robert
Ich bin zwar von Natur aus Optimist, hier aber unter dem Synonym "Sonnenblume" unterwegs ;)

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Robert
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Re: Auswandern aus Ukraine

#10 Beitrag von Robert » Montag 30. Mai 2011, 21:18

dann sind wir schon Zwei Optimisten , die hier incognito unterwegs sind GOOD

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Re: Auswandern aus Ukraine

#11 Beitrag von Optimist » Montag 30. Mai 2011, 23:25

Für mich ist dies hier auch eine Wiederholung der Geschichte. In Leipzig geboren habe ich Mitte der 80-iger Jahre auch gerufen: "Wir wollen raus!". Nach 3 Jahren Wartezeit durften wir ausreisen, die Rufe :"Wir sind das Volk!" habe ich nur aus dem Fernsehen mitbekommen. Bin in Hamburg gelandet, habe dort 20 Jahre gelebt und dieser Stadt und seinen Menschen viel zu verdanken, habe mir natürlich auch unheimlich viel Mühe gegeben mit all dem Neuen klar zukommen. Meine erste Ehe ist daran wohl auch zerbrochen. Meine jetzige Frau habe ich in Hamburg kennengelernt sie hat dort 15 Jahre gelebt und liebt Hamburg auch. Aber einmal hat sie mir gesagt, dass sie doch grosses Heimweh hat, die Freiheit die sie aus der Ukraine kennt, ist anders (Hab das früher nicht verstanden, jetzt ja, wir leben auf dem Dorf). Bis ihr zweiter Bruder auch noch gestorben ist war uns klar in Deutschland zu leben, aber da war noch Schwiegermutter, die alte Dame hat ihr ganzes Leben hier im Dorf verbracht, was tun? Ins Altenheim hier in Ukraine? Nie! Nach Hamburg? Sie war zweimal zu Besuch und hat gesagt, dass einzige was ihr gefällt sind die Blumen- und Obstläden. Sie wäre dort eingegangen.
Deshalb, es muss jeder selbst wissen wohin er geht. Meine Erfahrungen gebe ich hier vielen weiter, aber wenn hier die Menschen eine Weltanschauung benötigen, muss man ihnen auch die Möglichkeit geben sich die Welt anzuschauen. Viele haben blind die Ukraine verlassen und böse Erfahrungen gemacht. Wir haben von zwei Bekannten, die in Sizilien gelandet sind gehört, einfach abscheulich was mit den Menschen gemacht wird, besonders mit Frauen.
Hier etwas zu ändern wird sehr schwer... ein Beispiel frisch aus unserer Region:
Der Chef vom Altenheim geht in Rente und es muss ein Nachfolger gesucht werden, er wollte seinen Sohn, der ist es nicht geworden sondern ein anderer, der wiederum hat einen bekannten Banditen zu seinem Stellvertreter gemacht. Nun im Altenheim wohnen auch Behinderte und Invaliden, es gehört ein Fuhrpark dazu, Kühe , Schweine. Die zwei Chef´s haben nun ausgesorgt, es gibt dort alles, Essen, Trinken, Baumaterial mit diesem kann man wiederum die Kontrollen schmieren... super. Wer kann, will oder sollte dies ändern? Nein, das ist doch wieder ein Grund dieses Land zu verlassen, oder?
Keine Angst, ich bleibe!

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Optimist
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Re: Auswandern aus Ukraine

#12 Beitrag von Optimist » Dienstag 22. November 2011, 22:51

Es ist halt nicht nur aus meinen eigenen Erfahrungen mit vielen jungen Menschen, wohl auch Statistiken sagen dazu einiges aus: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...

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Jensinski
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Re: Auswandern aus Ukraine

#13 Beitrag von Jensinski » Mittwoch 23. November 2011, 10:05

Optimist hat geschrieben:Für mich ist dies hier auch eine Wiederholung der Geschichte. In Leipzig geboren habe ich Mitte der 80-iger Jahre auch gerufen: "Wir wollen raus!". Nach 3 Jahren Wartezeit durften wir ausreisen, die Rufe :"Wir sind das Volk!" habe ich nur aus dem Fernsehen mitbekommen. Bin in Hamburg gelandet, habe dort 20 Jahre gelebt und dieser Stadt und seinen Menschen viel zu verdanken, habe mir natürlich auch unheimlich viel Mühe gegeben mit all dem Neuen klar zukommen...
Soso, lieber Optimist. Bist also ein geborener "Leipzscher" wie ich? Bist Du etwa auch gegenüber der russischen Kirche zur Welt gekommen? Das müsste dann ja was zu bedeuten haben! :-D

Scherz beiseite. Wir haben uns natürlich auch nach mehr Freiheit gesehnt. Aber wir haben auch von der Kehrseite des "goldenen Westens" gewusst! Unsere Verwandten haben uns immer Unterstützung zugesagt, für den Fall, dass wir nach Westdeutschland kommen. Aber sie waren auch ehrlich und haben von der Kehrseite berichtet. Wir wussten also, dass es im Westen auch nicht einfach ist. Und dieses Wissen fehlt vielen Osteuropäern. Dazu passend folgende Episode als ich dann im Westen arbeitete: Unser Chef stellte eines Tages einen "Elektromeister" aus Rumänien an. Er kam dann auch mit Schlips und Anzug zur Arbeit, aber "Meister" im deutschen Sinne war er garantiert nicht. Er war mit einer Wechselschaltung schon überfordert.

Und das ist das Kernproblem. Ausbildung! Handwerker aus der DDR waren gut ausgebildet, entsprechend gefragt und kamen oft schnell zurecht, zumal es keine Sprachprobleme gab (bis auf den Dialekt ;) ). Wie sieht es denn in der Ukraine aus? Der Sohn unseres Nachbarn nennt sich "Fensterbauer". Ich habe ihn mal gefragt, wie er das gelernt hat. Kurzversion: Hat Arbeit in neu gegründeter Firma gefunden, eine schriftliche Anleitung hingelegt bekommen und mit anderen "Fensterbauern" haben sie sich selbst in die Materie eingearbeitet. Er mag seine Sache gut machen, aber er kennt auch nur die Verarbeitungstechnik in seiner Firma. Ein Wechsel in eine andere Firma ist ihm kaum möglich, wenn diese nicht dieselben Materialien verarbeitet und dieselben Maschinen hat! Also fehlt schon in vielen Fällen die Konkurrenz unter den Fachkräften. Die Arbeiter sind oft auf Gedeih und Verderb an ihren Arbeitsplatz gebunden. Und durch das Fehlen dieser Konkurrenz tut sich auch nichts bei den Löhnen hier. Was wollte so ein Mensch in Deutschland?

Was nun das Grundthema dieses Threads betrifft: Ich helfe ab und zu bei der Recherche nach Autos, vor allem Kleintransporter sind ja sehr gefragt. Man will sich ein Geschäft aufbauen, aber hier! Die Nichte meiner Frau studiert, kann Russisch und Englisch und möchte jetzt auch Deutsch lernen. Für sich und ihre Chancen am Arbeitsmarkt - aber hier! Ich bewege mich nicht unter Akademikern, eher unter Handwerkern. Und die, die noch da sind, sehen schon eine Perspektive hier. Sie lechzen eher nach Maschinen und KnowHow aus Deutschland und darüber sollte man vielleicht mal reden, wie wir da helfen können!

LG,
Jens

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Re: Auswandern aus Ukraine

#14 Beitrag von Sonnenblume » Mittwoch 23. November 2011, 10:23

Jensinski hat geschrieben: Und die, die noch da sind, sehen schon eine Perspektive hier. Sie lechzen eher nach Maschinen und KnowHow aus Deutschland und darüber sollte man vielleicht mal reden, wie wir da helfen können!

LG,
Jens
Aber auch zu den Maschinen und Know how gehört eine Ausbildung! Was rauskommen kann, wenn die fehlt sieht man am umgestürzten Kran an der Brücke in Kiew!
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Jensinski
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Re: Auswandern aus Ukraine

#15 Beitrag von Jensinski » Mittwoch 23. November 2011, 11:10

Sonnenblume hat geschrieben:
Jensinski hat geschrieben: Und die, die noch da sind, sehen schon eine Perspektive hier. Sie lechzen eher nach Maschinen und KnowHow aus Deutschland und darüber sollte man vielleicht mal reden, wie wir da helfen können!

LG,
Jens
Aber auch zu den Maschinen und Know how gehört eine Ausbildung! Was rauskommen kann, wenn die fehlt sieht man am umgestürzten Kran an der Brücke in Kiew!
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Oh Bosche! Sieht schlimm aus! Aber das meine ich ja. Mit KnowHow helfen, fundierte Kenntnisse vermitteln. Wir haben uns jetzt ganz gut eingelebt und der Winter kommt. Wir (vor allem meine Frau) haben jetzt mehr Zeit und auch viele Ideen. Aber was ist machbar? Das wäre doch mal ein schönes Diskussionsthema. Oder?

LG,
Jens

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Re: Auswandern aus Ukraine

#16 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Mittwoch 23. November 2011, 11:24

Helfen ja, aber wie?

Jens ich gebe Dir recht. Perspektiven und Arbeit gibt es hier. Maschinen werden gebraucht und viele Werkzeuge, vor allem aber eine grundlegende Ausbildung und das kann und ist nicht unsere Sache. Das übersteigt alle Möglichkeiten jedes einzelnen von uns und kann wenn überhaupt nur im kleinsten und privaten erfolgen.
Hinzu kommt eine angeborene Besserwisserei und Beratungsresistenz.

Seit drei Jahren betreibe ich den Umbau meines Hauses. Gut es ist ein wenig größer als die normalen Hütten im Dorf, aber ich wollte ja auch so bauen, dass danach wir als Eltern eine Wohnung haben und jedes unserer zwei Kinder auch. Also haben wir auf das Haus ein Mansardgeschoss gesetzt und ein Treppen- und Sanitärhaus hinten über 3 Etagen angebaut.
Diese paar Worte nur, dass ihr den Zeitraum versteht. Es entstanden und entstehen also 3 Wohnungen a 110 m² und einige Nebengelasse wie Werkstatt und Stallungen, sowie Carports.

Nach verzweifelter Suche nach guten Arbeitern, die einigermaßen nach dem Zollstock und der Wasserwaage arbeiten können, die mit mit vielen schlechten Erfahrungen verbunden war, arbeite ich seit 3 Jahren allein. Ich habe nur den Bruder meiner Frau als Helfer.
Er bekam für 20 Grivna und nach 6 Unterrichtsstunden den Facharbeiterbrief als Elektriker.
Dito wurde er Traktorist.
Jetzt wo die Baustelle sich dem Ende neigt, ist er stolz, dass er bei mir gelernt hat Trockenbau, Elektroinstallation nach DIN, Wasser und Heizungsinstallation usw.
Wir haben langsam einen Werkzeugstock aufgebaut und er verwendet auch verschiedene Werkzeuge für verschiedene Arbeiten.
Nun traut er sich auch zu bei anderen Leuten seine Dienste anzubieten.

Das was ich als Beratungsresistenz bezeichnet habe ist auch eine Konsequenz aus dem System der Berufsausbildung. 3 Jahre Technikum ohne praktischen Bezug ermüden und stellen die Notwendigkeit des Lernens in Frage.
Das was in einem Artikel zu den Diplomen geschrieben war gilt für die Schule und das Berufs(un)wesen.

Und dazu kommt dann das nicht Eingestehen des Versagens in der Fremde.
Ich habe früher sehr oft mit UAs in D gearbeitet. Ich kannte ihr Dorf, sehr oft die Familien und ich kannte auch die Verdienste und die Lebenshaltungskosten in D für die Zeit des Dortseins.
Zu Hause aber wurden aus den gelegentlichen 5 Euro/Stunde 10 Euro und aus den vielleicht 50-100 Stunden im Monat wurden 200 und mehr. Das alles um nur nicht als Versager dazustehen. Mit diesen Informationen starteten dann die Nächsten ins Abenteuer "Arbeiten in Europa".

Also wie helfen?

Das ist eine Sisyphusarbeit angesichts der polnischen Visavergabepraxis, auch für Schengenvisa.

Ich sehe nur den Weg kontrollierbare Kleinprojekte in unserer Nähe zu initiieren und dann im Forum Partner und Partnerpartner für eine Unterstützung dieser Vorhaben suchen.
Das sollte dann aber im Detail in der UA-Vernetzung erfolgen.

Solange dieser Drang nach Europa vorherrscht, kann ich jede Liberalisierung des Visaregime nicht verstehen.

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Re: Auswandern aus Ukraine

#17 Beitrag von telzer » Mittwoch 23. November 2011, 17:22

Ich kann Euch nur zustimmen. Die Söhne meiner Frau, beide in der Ukraine wohnhaft, sind interessiert daran zu sehen wie was geordnet geht. Ich bin dabei unser "Kwatier" umzubauen, mittlerweile seit 6 Jahren immer im Urlaub etwas weitermachen, und immer ist einer der Beiden dabei der noch was lernen möchte, da ich auch Maschinen und Spezial-Material aus DE mitbringe , die dann da bleiben. Jeder ist irgendwie ein Spezialist oder Meister in UA, nur weil er das einige Zeit gemacht hat. Wir wollen hoffen, meine Frau und ich, dass auch der Zweite seine sinnvolle Ausbildung abschließen kann. Der Erste ist gelernter Elektriker und arbeitet bei einer Firma für Brandmelde- und Telefonanlagen.
Und Selbermachen ist besser, als darauf zu warten, dass einer der "Spezialisten" Zeit hat bzw. seine gemachten Termine auch einhält.
Vorkasse, wie eigentlich fast überall üblich ist, gibt es bei mir nicht mehr. Teilzahlung - Rest wenn fertig und abgenommen,vielleicht schreckt dass ab und macht die Runde bei den Handwerkern?!
Aus- und Weiterbildung bleibt leider Sache der Familie, und was wir machen können, und wo Unterstützung möglich ist,tun wir das.

Gruß
Andreas
Wenn erst alle glauben, dass Vereinbarungen und Absprachen nur dazu da sind um später bei der ersten Gelegenheit wieder gebrochen zu werden, wäre das gleichbedeutend mit dem Anfang vom Ende. (unbekannter Autor)
Jetzt ist diese Zeit ! слава Україні

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Optimist
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Re: Auswandern aus Ukraine

#18 Beitrag von Optimist » Freitag 25. November 2011, 22:08

Jensinski hat geschrieben:
Optimist hat geschrieben:Für mich ist dies hier auch eine Wiederholung der Geschichte. In Leipzig geboren habe ich Mitte der 80-iger Jahre auch gerufen: "Wir wollen raus!". Nach 3 Jahren Wartezeit durften wir ausreisen, die Rufe :"Wir sind das Volk!" habe ich nur aus dem Fernsehen mitbekommen. Bin in Hamburg gelandet, habe dort 20 Jahre gelebt und dieser Stadt und seinen Menschen viel zu verdanken, habe mir natürlich auch unheimlich viel Mühe gegeben mit all dem Neuen klar zukommen...
Soso, lieber Optimist. Bist also ein geborener "Leipzscher" wie ich? Bist Du etwa auch gegenüber der russischen Kirche zur Welt gekommen? Das müsste dann ja was zu bedeuten haben! :-D

Scherz beiseite. Wir haben uns natürlich auch nach mehr Freiheit gesehnt. Aber wir haben auch von der Kehrseite des "goldenen Westens" gewusst! Unsere Verwandten haben uns immer Unterstützung zugesagt, für den Fall, dass wir nach Westdeutschland kommen. Aber sie waren auch ehrlich und haben von der Kehrseite berichtet. Wir wussten also, dass es im Westen auch nicht einfach ist. Und dieses Wissen fehlt vielen Osteuropäern. Dazu passend folgende Episode als ich dann im Westen arbeitete: Unser Chef stellte eines Tages einen "Elektromeister" aus Rumänien an. Er kam dann auch mit Schlips und Anzug zur Arbeit, aber "Meister" im deutschen Sinne war er garantiert nicht. Er war mit einer Wechselschaltung schon überfordert.

Und das ist das Kernproblem. Ausbildung! Handwerker aus der DDR waren gut ausgebildet, entsprechend gefragt und kamen oft schnell zurecht, zumal es keine Sprachprobleme gab (bis auf den Dialekt ;) ). Wie sieht es denn in der Ukraine aus? Der Sohn unseres Nachbarn nennt sich "Fensterbauer". Ich habe ihn mal gefragt, wie er das gelernt hat. Kurzversion: Hat Arbeit in neu gegründeter Firma gefunden, eine schriftliche Anleitung hingelegt bekommen und mit anderen "Fensterbauern" haben sie sich selbst in die Materie eingearbeitet. Er mag seine Sache gut machen, aber er kennt auch nur die Verarbeitungstechnik in seiner Firma. Ein Wechsel in eine andere Firma ist ihm kaum möglich, wenn diese nicht dieselben Materialien verarbeitet und dieselben Maschinen hat! Also fehlt schon in vielen Fällen die Konkurrenz unter den Fachkräften. Die Arbeiter sind oft auf Gedeih und Verderb an ihren Arbeitsplatz gebunden. Und durch das Fehlen dieser Konkurrenz tut sich auch nichts bei den Löhnen hier. Was wollte so ein Mensch in Deutschland?

Was nun das Grundthema dieses Threads betrifft: Ich helfe ab und zu bei der Recherche nach Autos, vor allem Kleintransporter sind ja sehr gefragt. Man will sich ein Geschäft aufbauen, aber hier! Die Nichte meiner Frau studiert, kann Russisch und Englisch und möchte jetzt auch Deutsch lernen. Für sich und ihre Chancen am Arbeitsmarkt - aber hier! Ich bewege mich nicht unter Akademikern, eher unter Handwerkern. Und die, die noch da sind, sehen schon eine Perspektive hier. Sie lechzen eher nach Maschinen und KnowHow aus Deutschland und darüber sollte man vielleicht mal reden, wie wir da helfen können!

LG,
Jens
Also Russische Kirche in Leipzig stimmt, aber nur so weit, dass mein Grossvater Steinmetz war und an diesem Bauwerk und am Völkerschlachtdenkmal arbeiten musste.
Eine Kehrseite wurde mir zu DDR- Zeiten versucht einzureden, sie gab es aber nicht, für mich!
Die gute Ausbildung bezog sich auf die Verganenheit, jeder weiss, wieviel Jahre die DDR hinter dem Westen her hinkte, 20 und mehr Jahre...
Die Menschen, auch hier in der Ukraine sind nackt wie wir zur Welt gekommen und werden diesen Planeten verlassen wie wir, im Hemd ohne Taschen. Sie sind hier, wie alle Menschen nur das Produkt aus Propaganda, Erziehung, Religion, möglich auch fehlender Ausbildung und Information.
Auch wir konnten uns unseren Geburtsort nicht aussuchen, es gibt kein Recht dieser Welt, über andere oder deren Sprache (russisch eingeschlossen) zu stehen, die Politik eines jeweiligen Volkes darf und muss man auch verurteilen wenn nötig, aber nicht das Volk als solches!
Ich kann jeden verstehen, der sein Glück auf dieser Erde sucht! Ich halte keinem davon ab und ich rede nicht zu, das muss jeder Mensch für sich wissen, ich kann nur meine Erfahrungen weitergeben!

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Re: Auswandern aus Ukraine

#19 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Samstag 26. November 2011, 22:18

Warum so kategorisch, Optimist?

Niemand stellt sich in dieser Diskussion über einen anderen, habe ich nicht heraus lesen können.
Soweit voraus war uns der Westen in Sachen Ausbildung nicht. Wenn überhaupt?

Wenn wir hier über Defizite in der Ausbildung geschrieben haben, dann deshalb, weil ich hier keinen Zimmermann getroffen habe, der etwas von Knickzahlen wußte, der Lasten und Dimensionen für Dachstühle rechnen konnte. Ich fand im flachen Land keinen Maurer, der ein Gewölbe oder auch nur einen Sturz mauern konnte.
Wechselschaltung rangiert hier unter Ing.-Wissen. Mehr erspare ich mir.

Die guten Fachkräfte haben hier ihr Ein- und Auskommen und den Rest brauchen wir in Europa bestimmt nicht. Unqualifizierte und bildungsresistente Spätaussiedler habe ich genug in D getroffen.

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Optimist
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Re: Auswandern aus Ukraine

#20 Beitrag von Optimist » Samstag 26. November 2011, 23:14

Magst ja recht haben, ich weiss nur nicht in welcher Beziehung, aber wenn man an Computer, Telefon, Heizung u.s.w. ( ich weiss nicht ob Dir die Ruinen in Leipzig bekannt sind, in denen Menschen hausen mussten?) denkt, gibt es zum Abstand der beiden Teilen Deutschlands nichts zu deuteln. Im Bezug auf Freiheit und Demokratie war die DDR nur die schönste Baracke im sozialistischen Lager, wenn überhaupt. Weiterbildung (z.B. EOS) in der DDR war uns nicht erlaubt weil wir Kapitalistenkinder waren, einen Meisterlehrgang hätte ich nur besuchen dürfen wenn ich Mitglied der SED geworden wäre. Mein Wohnungsantrag, ich wohnte in einer Ruine, war nach 6 Jahren verschwunden, Westkontakte... bespitzelt von der Stasi und und und....
In meiner Zeit in Hamburg habe ich Menschen aus aller Herren Länder kennengelernt, hab dort meinen Meister gemacht, hab ausgebildet und unter anderem das gelernt ( auf uns Menschen bezogen),das was ich hier in meinen Beiträgen gesagt habe. Beim Sprachenstreit ging es nicht mehr um Sprache, man bekommt den Stempel "Russenfreund" und gut ist für einige nationale Hardliner. Deshalb hab ich diese meine Gedanken ins Rennen geschickt, es war nicht kategorisch gemeint!
Klar war der Sozialismus in der Propaganda immer überlegen, aber sag mal bitte wo! Meine Familie hat davon leider im Osten nicht viel davon mitbekommen, waren wir eine Ausnahme?

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Jensinski
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Re: Auswandern aus Ukraine

#21 Beitrag von Jensinski » Sonntag 27. November 2011, 13:10

Optimist hat geschrieben:... weil wir Kapitalistenkinder waren...
Ähm, jetzt steh ich ein bisschen auf dem Schlauch. Wie meinst Du das?

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Optimist
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Re: Auswandern aus Ukraine

#22 Beitrag von Optimist » Sonntag 27. November 2011, 17:20

Jensinski hat geschrieben:
Optimist hat geschrieben:... weil wir Kapitalistenkinder waren...
Ähm, jetzt steh ich ein bisschen auf dem Schlauch. Wie meinst Du das?
Das war der offizielle Sprachgebrauch der Kommunisten damals, weil unsere Eltern selbstständig ( soweit man überhaupt von einer Selbstständigkeit sprechen konnte ) gearbeitet haben. Auch ich durfte damals bis zur 4.Klasse kein Pionier werden, hat mich nicht sehr gestört, aber in der 5. musste ich dann einer werden, weil sie nun unbedingt 100% Mitglieder nachweisen sollten... ja es war schon lustig, im Nachhinein frage ich mich öfters, wie bekloppt diese Zeit und deren Funktionäre waren und wie Menschen sich manipulieren liessen, mich eingeschlossen.

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Re: Auswandern aus Ukraine

#23 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Sonntag 27. November 2011, 22:36

Also nun mal Klartext. Ich kenne kenne den Osten besser als Du denkst. Auch die Leipziger Ruinen, genauso wie die Dresdner. Als Jahrgang 49 habe ich den Osten voll ausgekostet und war dann für den Neustart zu alt.

Hör also auf zu jammern wie schlecht es Dir ging. Ich komme auch aus so Familie. Zahnarzt, Apotheker und Handwerker. Alles war vertreten. OK EOS war nicht, aber dafür Berufsausbildung mit Abi.
Studium auch kein Problem, Hausbau 1979-1982, also ich hatte eben meinen Platz gefunden.
Ich habe aber auch nicht hinter jeden Strauch geguckt ob da einer sitzt.

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Re: Auswandern aus Ukraine

#24 Beitrag von Optimist » Sonntag 27. November 2011, 23:03

Bin ja sehr überrascht, Studium kein Problem, also "1000 Tagediener", klar wenn man im Gleichschritt gelaufen ist war damals einiges einfacher. Gejammert habe ich jedenfalls nicht, Dank unserer Kontakte zum Westen ging es uns immerhin besser als denen ohne. Nur wie der alte Witz, für den man auch in den Bau gehen konnte: " Der Sozialismus ist nicht schlecht, nur Scheibenkleister, dass man den an uns ausprobiert hat!" Ich hab auch hier in der Ukraine gemerkt, dass ab einem gewissen Alter die Menschen doch sehr vom alten System gepräckt sind, deshalb sollten auch die Jungen hier so schnell wie möglich an die Macht.

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Re: Auswandern aus Ukraine

#25 Beitrag von Sonnenblume » Sonntag 27. November 2011, 23:32

Optimist hat geschrieben:Bin ja sehr überrascht, Studium kein Problem, also "1000 Tagediener", klar wenn man im Gleichschritt gelaufen ist war damals einiges einfacher. Gejammert habe ich jedenfalls nicht, Dank unserer Kontakte zum Westen ging es uns immerhin besser als denen ohne. Nur wie der alte Witz, für den man auch in den Bau gehen konnte: " Der Sozialismus ist nicht schlecht, nur Scheibenkleister, dass man den an uns ausprobiert hat!" Ich hab auch hier in der Ukraine gemerkt, dass ab einem gewissen Alter die Menschen doch sehr vom alten System gepräckt sind, deshalb sollten auch die Jungen hier so schnell wie möglich an die Macht.
Dass man ein paar Wahrheiten sagt, heißt ja nicht, dass man dem System hinterhertrauert. Ich empfinde das ähnlich wie Galizier. Du hast in der so bösen DDR immerhin eine Allgemeinbildung bekommen, die es dir ermöglicht hat in der BRD voll durchzustarten.
Natürlich war auch vieles genau das Gegenteil von dem, was man uns gepredigt hat, aber deshalb ist der Staat eben auch krachen gegangen. Was den Gleichschritt betrifft, man konnte in der DDR auch studieren, ohne vorher 3 Jahre gedient zu haben. Meine Freundin hat auch keinen Platz an der EOS bekommen, obwohl ihr Durchschnitt besser als deren war, weil ihre Eltern "Intelligenz" waren und man die Kinder der Arbeiter zum Studieren schicken wollte. Ich persönlich habe auch eine Berufsausbildung mit Abi gemacht und ich kann mir nichts Besseres als diesen Weg vorstellen. Wer einmal in der Braunkohle gearbeitet hat, der wußte was im Land geredet wurde. Und dein Witz war noch das Harmloseste - und keiner ist dafür in den Bau gegangen!
Westkontakte hatten wir übrigens nicht und auch nicht die damit verbundenen Vorteile. Das Hänseln wegen den Ostjeans (Goldfuchs) hatten wir dann dafür umsonst. Aber da stand ich drüber, weil ich davon überzeugt war und bin, dass das Nichtigkeiten sind. Wärst du damals in der Ukraine geboren, hättest du ganz andere Sorgen gehabt und der Westen hätte als Alternative nicht gestanden. Denk mal da drüber nach.
Weißt du, keiner hat es im Leben leicht und egal wo man geboren wird, man muß das Beste draus machen und sich arrangieren - zumindest bis zu einem gewissen Grad.

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