Politik | BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#26 Beitragvon Sonnenblume » Montag 6. August 2012, 15:09

mbert hat geschrieben:... Das Gegenbeispiel findet man im oft als reaktionär und nationalistisch gescholtenen Galizien, wo man im verborgenen und offenen Konflikt mit der Staatsmacht an den alten Traditionen aus vorsowjetischer Zeit festhielt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass genau das den Menschen in östlicheren Gebieten oft unheimlich ist, aber es ist dennoch ein gelebtes Gegenmodell zu den von Dir genannten Dingen (und mir ist vollkommen klar, dass es dort genau so Gegenbeispiele gibt, wie es die auch entsprechend umgekehrt im Rest des Landes gibt, dennoch komme ich zu dieser Beobachtung).

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in der Westukraine anders läuft, als in der Ostukraine. Die Figuren sind andere, aber das System ist das Gleiche. Es gilt auch da das Recht des Stärkeren und wenn ich mir auch nur den Straßenverkehr da anschaue, fühle ich mich bestätigt.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#27 Beitragvon mbert » Montag 6. August 2012, 17:01

Sonnenblume hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in der Westukraine anders läuft, als in der Ostukraine. Die Figuren sind andere, aber das System ist das Gleiche. Es gilt auch da das Recht des Stärkeren und wenn ich mir auch nur den Straßenverkehr da anschaue, fühle ich mich bestätigt.

Na, was den Straßenverkehr betrifft, hast Du sicher recht (wobei ich auch außerhalb der Ukraine schon so einiges gesehen habe). Dennoch finde ich, dass man im Westen tendentiell aufmüpfiger ist und weniger schicksalsergeben.
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#28 Beitragvon Sonnenblume » Montag 6. August 2012, 17:24

mbert hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in der Westukraine anders läuft, als in der Ostukraine. Die Figuren sind andere, aber das System ist das Gleiche. Es gilt auch da das Recht des Stärkeren und wenn ich mir auch nur den Straßenverkehr da anschaue, fühle ich mich bestätigt.

Na, was den Straßenverkehr betrifft, hast Du sicher recht (wobei ich auch außerhalb der Ukraine schon so einiges gesehen habe). Dennoch finde ich, dass man im Westen tendentiell aufmüpfiger ist und weniger schicksalsergeben.

Ich würde es schon fast "weniger leidensfähig" nennen ;)

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#29 Beitragvon mbert » Montag 6. August 2012, 19:40

Sonnenblume hat geschrieben:Ich würde es schon fast "weniger leidensfähig" nennen ;)

Hihi, dabei bietet sich dann auch die Frage an, womit man dann am Ende mehr leidet :)
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#30 Beitragvon Sonnenblume » Montag 6. August 2012, 20:25

mbert hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:Ich würde es schon fast "weniger leidensfähig" nennen ;)

Hihi, dabei bietet sich dann auch die Frage an, womit man dann am Ende mehr leidet :)

Das kommt immer darauf an, welchen Entwicklungsstand "man" aufgrund welcher Erfahrungen hat.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#31 Beitragvon Kurt Simmchen - galizier » Montag 6. August 2012, 21:54

Zitat Sonnenblume:
Und ich möchte nochmal daran erinnern, dass Herr Janukowitsch nicht durch einen Putsch an die Macht gekommen ist, sondern demokratisch gewählt wurde.

Dann musst Du aber die Frage beantworten, ob es in der UA überhaupt eine demokratische Praxis gibt.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#32 Beitragvon Optimist » Montag 6. August 2012, 23:12

galizier hat geschrieben:Zitat Sonnenblume:
Und ich möchte nochmal daran erinnern, dass Herr Janukowitsch nicht durch einen Putsch an die Macht gekommen ist, sondern demokratisch gewählt wurde.

Dann musst Du aber die Frage beantworten, ob es in der UA überhaupt eine demokratische Praxis gibt.



Ich denke im Vergleich zu anderen Staaten, weniger aber auch mehr!

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#33 Beitragvon Sonnenblume » Dienstag 7. August 2012, 09:31

galizier hat geschrieben:Zitat Sonnenblume:
Und ich möchte nochmal daran erinnern, dass Herr Janukowitsch nicht durch einen Putsch an die Macht gekommen ist, sondern demokratisch gewählt wurde.

Dann musst Du aber die Frage beantworten, ob es in der UA überhaupt eine demokratische Praxis gibt.

Die Frage meinst du nicht ernst-oder?

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#34 Beitragvon Kurt Simmchen - galizier » Mittwoch 8. August 2012, 12:41

So ernst wie Du willst.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#35 Beitragvon Sonnenblume » Mittwoch 8. August 2012, 13:48

galizier hat geschrieben:So ernst wie Du willst.

Dann nehm ich es als rhetorische Frage ;)

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#36 Beitragvon wikna » Freitag 10. August 2012, 00:00

Ein Interview zum Thema J.T. und schon ist wieder einiges in Bewegung. Ansonsten „bewegt“ sich in der UA anscheinend nichts, außer den üblichen Ritualen des bewussten Wegsehens.

Schau’n wir dennoch mal näher hin:
Insbesondere bei der Reform des Justizwesens, an die sie in den 3,5 Jahren Regierung nicht einmal im Entferntesten gedacht haben…
Da sitzt eine, „die es verdient hat“, weil sie nicht für die Reform(en) der Gesetze gesorgt hat. Selber schuld (erinnert so ein klein wenig an Anruchowychs Beitrag zur Vergewaltigung Oksana Makars, „….selber Schuld, selber Schuld…“). Das Verfahren war zwar Sch…., aber sie hätte ja…..
Soweit so schlecht und nun gibt es Reaktionen / Aktionen im Zusammenhang mit Europa, dem „Wir sind Europäer“ contra „Ihr treibt uns in die Arme Putins“; die „“Hütte brennt“, die Ereignisse um J.T. sind Gegenstand einer Erklärung des Europaparlamentes, weshalb man(n) schnell zur Metapher des… Schicksal Timoschenkos nicht einmal die Ukrainer interessiert…, quasi als Selbst-Entschuldung (andere denken ja auch so), als Abwehr „dummer Fragen“ (wie war das mit der Sch…..?), als Stammtisch-Rechtfertigung („500 stürmende Omas“ und so).

Wohl gemerkt, die mit dem o.a. Zitat verbundene Feststellung ist nicht falsch, lässt aber
-die anscheinend offenkundige Unzulänglichkeit des Justizwesens (aus Sowjetzeiten)
-den (willkürlichen) „Gebrauch“ dieser Unzulänglichkeit für ein sehr, sehr fragwürdiges Rechtsverständnis durch die sich „besser“ glaubenden und sich so präsentierenden Nachfolger der „3,5 Jahre Untätigen“
-die groteske Schmierenkomödie mit entsprechenden Laien-Darstellern + hochgestellter Kommentatoren (Generalstaatsanwaltschaft)
damit völlig in den Hintergrund treten.
Ähnlich dem „Argument“ …gerade Du als Raucher musst mir etwas davon erzählen, dass Rauchen ungesund ist…“!
Damit wird die nahezu rechenschaftslose Gewaltausübung der derzeitigen Regierung toleriert, das Wort von … Schicksal Timoschenkos nicht einmal die Ukrainer interessiert…beschreibt die Akzeptanz dieser Gewaltausübung und wirkt nach Außen als eine „erfolgreiche Gehirnwäsche“ durch die derzeitig herrschende Strömung.

Noch einmal:
Die Bemerkung ….“Der erste und einzig zulässige Schritt von der Timoschenko-Seite wäre mal einzuge-stehen, dass Timoschenko keine Heilige ist und vor allem, dass man selbst Fehler gemacht hat. Insbesondere bei der Reform des Justizwesens, an die sie in den 3,5 Jahren Regierung nicht einmal im Entferntesten gedacht haben…“ kann ich im Großen und Ganzen unterschreiben, ohne allerdings den Knackepunkt der Angelegenheit aus den Augen zu verlieren!
Dieser zuvor angesprochene Schritt (des einen Fehler zugebens) wäre ein Weg in Richtung Glaubwürdigkeit (als nach Vorne), wäre ein erster Schritt zur Abkehr vom Pathetischen (also Lösung von undifferenzierter HeldInnenverehrung) in das Nüchterne. Ein sehr guter „Wendepunkt“ für die bisher Lethargischen, um mit dem Ablauf der Ereignisse um die Person J.T. eine über die Person hinaus reichende Programmatik auf die Beine zu stellen.
Wenn diese Programmatik eine leidenschaftslose Gegenüberstellung von IST und Soll im Justizwesen beinhaltete…., aber ob das ausreichen würde, die ukrainische Gesellschaft zu bewegen, ich habe nach all den hasserfüllten Tönen da so meine Zweifel!

Und hier komme ich zur Verbindung von den Bemerkungen …. Was meinst du, könnten ein paar Ausländer tun? Wenn das Schicksal Timoschenkos nicht einmal die Ukrainer interessiert und dem ….dann musst Du aber die Frage beantworten, ob es in der UA überhaupt eine demokratische Praxis gibt.
Zugegeben, eine vielleicht waghalsig-gewollte Kombination. Was ist jedoch der reale Hintergrund für diese (meinetwegen „gewollte“) Waghalsigkeit:
Der Staat als Inhaber des (jetzt positiv gemeint) legitimierten Gewaltmonopols entpuppt sich als eine das Gewaltmonopol in einer bestimmten Auslegung an sich reißende Clique, die auf ihrem Weg in die Zukunft (welche?) das ohnehin immer noch in einer unterdrückenden Zweideutigkeit verharrende alte Sowjet-Recht skrupellos-kalkulierend als Machtmittel gegen alle „Unbotmäßigen“ einsetzt. Die dabei gepflogene pathetisch-gottgleiche Geisteshaltung mit einem daraus resultierenden autistischem Allmachtsanspruch führt zur völligen Werte-Umkehr:
Im Bewusstsein und Vertrauen auf eine hörig-unterwürfige Justiz werden Anzeigen gegen Presseorgane bzw. Redakteure auf den Weg gebracht (z.B.Levy Bereg), die außerhalb der UA keine Chancen hätten.
Dieses Bewusstsein und Vertrauen führt im Namen grotesk-buchstabengetreuer Auslegung der Feuer-, Hygiene- und Steuervorschriften zu „Kampfeinsätzen für das unbestechliche Recht“, damit „keiner sagen kann, bei uns gäbe es kein Recht“.
Und die Erfahrung buchstabengetreuer Anwendung bei Ermittlungen, kombiniert mit abenteuerlich-weitestgehender Auslegung im Be- bzw. Verurteilungsfalle haben „die UkrainerInnen“ doch schon einmal gemacht!

Diese gelebte (Nicht-)Rechtsauffassung, die alltägliche Rechtsbeugung zum Zweck der Durchsetzung einer bestimmten politischen Auffassung, die öffentliche Prostitution der Rechtshüter (Generalstaatsanwaltschaft), der Umgang der „Ordnungshüter“ (Betonung auf „Hüter“ der Ordnung, fagt sich nur welcher) mit den Staatsbürgern (die sich als solche anscheinend nicht begreifen wollen), diese gesamte schon fast „Ursupation“ zu nennende, sich jederzeit gegen jeden und jedes richten könnende unkalkulierbar-rechenschaftslose Gewaltausübung lässt selbstverständlich die Frage ob es in der UA überhaupt eine demokratische Praxis gibt aufkommen.

Eine „demokratische Praxis“ in einem quasi rechtsfreien Raum (biegbares Recht, korrupte und erpressbare Richter, politische Gouvernante in Form des Obersten Justizrates),
eine „demokratische Praxis“ in einem Land mit von Phobien geschlagenen „Diensten“ (SBU),
eine „demokratische Praxis“ bei oftmals fragwürdigen parlamentarischen Prozessen,
bei von Oligarchen-Laune gesteuerter Presse
und bei einem abseits stehendem, schweigendem „Volk“:
Da ist doch alles nur noch „kaputt“! Sowohl das Denken, als auch die „Demokratie“.

Als Beispiel möge Hanna Herman dienen, die da meint…
-ich glaube nicht, dass es ein universelles Verständnis vom Begriff „Demokratie“ gibt….
-Die Übereinstimmung der Interessen von Macht und Volk geschieht im Kontext dessen, wie anspruchsvoll die Gesellschaft bezüglich ihres Wohlstands und ihrer Freiheiten ist und inwieweit die Machthaber bereit sind, auf die Wünsche einzugehen….

Narhalla-Marsch!!!

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#37 Beitragvon Sonnenblume » Freitag 10. August 2012, 10:34

wikna hat geschrieben:
Als Beispiel möge Hanna Herman dienen, die da meint…
-ich glaube nicht, dass es ein universelles Verständnis vom Begriff „Demokratie“ gibt….
-Die Übereinstimmung der Interessen von Macht und Volk geschieht im Kontext dessen, wie anspruchsvoll die Gesellschaft bezüglich ihres Wohlstands und ihrer Freiheiten ist und inwieweit die Machthaber bereit sind, auf die Wünsche einzugehen….


Sie weiß, wovon sie spricht!!!!!
Und trotzdem ist Janukowitsch nicht durch einen Putsch an die Macht gekommen. Die Ukrainer hatten es in der Hand und versemmeln es, seit sie "unabhängig" sind.
Aber vielleicht ist das auch alles nur eine notwendige Phase in der Entwicklung und was sind schon 20 Jahre in der Entwicklung eines Staates. Ich gestehe aber auch ein, dass ich nicht weiß, was die Leute politisch wirklich wollen und ob sie überhaupt interessiert, was die da Oben machen, solange man sie einigermaßen in Ruhe ihre "Geschäfte" machen lässt. Ich denke manchmal, wir machen uns mehr Gedanken um die Entwicklung und Zukunft der Ukrainer, als die Ukrainer selber.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#38 Beitragvon mbert » Freitag 10. August 2012, 10:46

Sonnenblume hat geschrieben:Und trotzdem ist Janukowitsch nicht durch einen Putsch an die Macht gekommen.

Das ist m.E. nur halb richtig. Nach den massenweisen Übertritten zur Zeit der "Anti-Krisen-Koalition" unter Juschchenko wurde seinerzeit das Gesetz zur Fraktions-Disziplin verschärft.
Die Überläufer verstießen damals wie heute gegen diverse Gesetze, und nach der Wahl Janukovytschs war das schon extrem. Schwerer wiegt m.E. die Ausschaltung des Parlaments durch das Kassieren der Verfassungsreform von 2005. Die Verfassungsreform war von vorn herein falsch, aber es hätte eine verfassungsgebende Mehrheit im Parlament benötigt, um sie zu ändern.

An diesen Dingen sieht man die Unterschiede zwischen der orangenen Regierung und der jetzigen - bis 2010 hielt man sich noch in gewissen Grenzen an die geltenden Gesetze, die Donetzker sch...en darauf. Daher spreche ich auch heute noch von der "Machtergreifung" (denn auch Hitler war in gewisser Hinsicht "legal" an die Macht gekommen, er monopolisierte seine Macht im wesentlichen dadurch, dass er Parlament und Gewaltentrennung durch "Notstandsverordnungen" außer Kraft setzte).

Sonnenblume hat geschrieben:Die Ukrainer hatten es in der Hand und versemmeln es, seit sie "unabhängig" sind.

Das ist zweifellos richtig, und die Ukrainer selber sind sich dessen auch vollkommen bewusst. Dennoch kann das keine Rechtfertigung für ein Regime wie dieses hier sein. Das hat nun wirklich niemand verdient. Schlimm ist nur, dass es ihnen wieder einmal gelingt, durch ihre Pseudo-Ideologie Ukrainophobe bzw. Russophile in der Ukraine (und in deutschen Onlineforen *g*) für sich zu gewinnen, die das, was die da tun, relativieren und behaupten, unter den Orangenen wäre es genau so schlimm oder schlimmer gewesen. Ich bin manchmal wirklich entsetzt, wie selektiv und kurz das Gedächtnis von uns Menschen ist :(
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#39 Beitragvon mbert » Freitag 10. August 2012, 10:54

wikna hat geschrieben:Da sitzt eine, „die es verdient hat“, weil sie nicht für die Reform(en) der Gesetze gesorgt hat. Selber schuld (erinnert so ein klein wenig an Anruchowychs Beitrag zur Vergewaltigung Oksana Makars, „….selber Schuld, selber Schuld…“). Das Verfahren war zwar Sch…., aber sie hätte ja…..

Pöse, pöse [smilie=kosak_2]
... aber leider viel zu wahr!!!

wikna hat geschrieben:
Ähnlich dem „Argument“ …gerade Du als Raucher musst mir etwas davon erzählen, dass Rauchen ungesund ist…“!
Damit wird die nahezu rechenschaftslose Gewaltausübung der derzeitigen Regierung toleriert, das Wort von … Schicksal Timoschenkos nicht einmal die Ukrainer interessiert…beschreibt die Akzeptanz dieser Gewaltausübung und wirkt nach Außen als eine „erfolgreiche Gehirnwäsche“ durch die derzeitig herrschende Strömung.

Noch einmal:
Die Bemerkung ….“Der erste und einzig zulässige Schritt von der Timoschenko-Seite wäre mal einzuge-stehen, dass Timoschenko keine Heilige ist und vor allem, dass man selbst Fehler gemacht hat. Insbesondere bei der Reform des Justizwesens, an die sie in den 3,5 Jahren Regierung nicht einmal im Entferntesten gedacht haben…“ kann ich im Großen und Ganzen unterschreiben, ohne allerdings den Knackepunkt der Angelegenheit aus den Augen zu verlieren!
Dieser zuvor angesprochene Schritt (des einen Fehler zugebens) wäre ein Weg in Richtung Glaubwürdigkeit (als nach Vorne), wäre ein erster Schritt zur Abkehr vom Pathetischen (also Lösung von undifferenzierter HeldInnenverehrung) in das Nüchterne. Ein sehr guter „Wendepunkt“ für die bisher Lethargischen, um mit dem Ablauf der Ereignisse um die Person J.T. eine über die Person hinaus reichende Programmatik auf die Beine zu stellen.
Wenn diese Programmatik eine leidenschaftslose Gegenüberstellung von IST und Soll im Justizwesen beinhaltete…., aber ob das ausreichen würde, die ukrainische Gesellschaft zu bewegen, ich habe nach all den hasserfüllten Tönen da so meine Zweifel!

Auch das hier ist es m.E. wert, mehrmals gelesen zu werden.

Tut mir leid, ich bekenne mich schuldig, diesmal einen reinen "me too" Beitrag geschrieben zu haben, aber ich finde es wichtig, die Aufmerksamkeit anderer noch ein bisschen mehr auf diese klugen Worte zu lenken!
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#40 Beitragvon Sonnenblume » Freitag 10. August 2012, 11:20

mbert hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:Die Ukrainer hatten es in der Hand und versemmeln es, seit sie "unabhängig" sind.

Das ist zweifellos richtig, und die Ukrainer selber sind sich dessen auch vollkommen bewusst. Dennoch kann das keine Rechtfertigung für ein Regime wie dieses hier sein. Das hat nun wirklich niemand verdient...

Wir sind uns ja einig, dass sie es nicht verdient haben, kaum ein Volk hat die Regierung verdient, die es hat. Aber in der Ukraine ist es wirklich extrem, wenn man es mit anderen Staaten Europas vergleicht, die sogar noch schlechtere Ausgangsbedingungen hatten.
Was die "Machtergreifung" Janukowitschs betrifft, so schließe ich mich nach längerem Nachdenken und rekapitulieren deiner Meinung an. Es ist traurig, aber wahr. Nur den Vergleich mit Hitler würde ich nicht ziehen, weil da ganz andere Ziele dahinter zu stehen schienen.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#41 Beitragvon mbert » Freitag 10. August 2012, 11:56

Sonnenblume hat geschrieben:Was die "Machtergreifung" Janukowitschs betrifft, so schließe ich mich nach längerem Nachdenken und rekapitulieren deiner Meinung an. Es ist traurig, aber wahr. Nur den Vergleich mit Hitler würde ich nicht ziehen, weil da ganz andere Ziele dahinter zu stehen schienen.

Naja, der Vergleich bezieht sich ja auch weniger auf die Personen als auf die Art, die Macht zu monopolisieren.
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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#42 Beitragvon Optimist » Samstag 11. August 2012, 22:19

mbert hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:Was die "Machtergreifung" Janukowitschs betrifft, so schließe ich mich nach längerem Nachdenken und rekapitulieren deiner Meinung an. Es ist traurig, aber wahr. Nur den Vergleich mit Hitler würde ich nicht ziehen, weil da ganz andere Ziele dahinter zu stehen schienen.

Naja, der Vergleich bezieht sich ja auch weniger auf die Personen als auf die Art, die Macht zu monopolisieren.


War zwar 1933 und danach nicht dabei, aber von dem ist man hier in der Ukraine Gott sei Dank doch noch weit entfernt, mag man von den Ukrainern denken was man will, aber es gibt noch genug aufrichtige Leute, die sich mit allen Mitteln wehren werden, um nicht in eine Diktatur zurückzufallen. Auch wenn diese Menschen das alles nur von der praktischen und nicht von der hochwissenschaftlichen Seite sehen.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#43 Beitragvon Kurt Simmchen - galizier » Sonntag 12. August 2012, 16:20

Bis zum wirklichen Widerstand und protestierender Opposition muss aber noch viel Schreckliches passieren. Ukrainer sind in meinen Augen sehr duldungsfähig.

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Re: BILD.de-Interview mit Jewgenia Timoschenko: Was würden Sie dem Mann sagen, der Ihre Mutter ins Gefängnis gebracht hat?

#44 Beitragvon Optimist » Sonntag 12. August 2012, 17:01

Also hier wird doch nun sehr oft demonstriert, die Behauptung von Timoschenkos Tochter im Deutschen Fernsehen, es dürfe in der Ukraine nicht demonstriert werden, war doch eine absolute Lüge. Man muss doch auch anerkennen, dass die Polizei hier nicht anders agiert als in Deutschland. Zumindest habe ich von keinen Übergriffen der Polizei auf Demonstranten gehört, noch von grundlosen Festnahmen. Ich denke es gibt keinen Grund Dinge zu erfinden die unwahr sind, nur weil man mit der derzeitigen Regierung unzufrieden ist. Besser auf die Strasse gehen und demonstrieren, denn das Recht haben alle Ukrainer!

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