Allgemeines Diskussionsforum | Gab es einen ukrainischen Nationalbefreiungsfaschismus? - UN

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Gab es einen ukrainischen Nationalbefreiungsfaschismus? - UN

#1 Beitragvon RSS-Bot » Samstag 31. März 2012, 14:15

Ukraine-Nachrichten: Meinungen und Analysen

Der jüngste Skandal um Rossolinski-Liebe, dessen Vorträge man in Kyjiw womöglich nicht wird hören können, beleuchtete ein tatsächlich wichtiges Problem. Darauf hat der Historiker Taras Kurylo richtigerweise hingewiesen: Problem ist nicht die zweifelhafte Reputation des Forschers, sondern das Fehlen einer fachlich-kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) in der Ukraine




Herkunft: Ukraine-Nachrichten: Meinungen und Analysen: Gab es einen ukrainischen Nationalbefreiungsfaschismus?

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mbert
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Re: Gab es einen ukrainischen Nationalbefreiungsfaschismus? - UN

#2 Beitragvon mbert » Samstag 31. März 2012, 18:17

Man muss konstatieren, dass der Skandal um Rossolinski-Liebe offenbar schließlich doch positive Früchte trägt. Es werden immer mehr interessante und vor allem ungewöhnlich differenzierte Arbeiten zum Thema der historischen und politischen Einordnung der OUN und UPA veröffentlicht.

Ich persönlich finde an diesem Artikel hier besonders einige Formulierungen wiederholenswert, ich hoffe, ich zitiere nicht zu viel (jedenfalls lohnt es sich, sowohl diesen als auch den sich auf ihn beziehenden Artikel Ukraine-Nachrichten: Meinungen und Analysen: Zur Frage eines ukrainischen "Faschismus der nationalen Befreiung" ganz zu lesen):
Problem ist nicht die zweifelhafte Reputation des Forschers, sondern das Fehlen einer fachlich-kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) in der Ukraine

und dann:
Mit anderen Worten – es wird ein Krieg zwischen zwei historischen Mythen (Mythos und Gegenmythos) geführt, mit einer dafür charakteristischen Dichotomie von Licht und Schatten und fehlenden Zwischenstufen. Im mythologisierten historischen Bewusstsein befindet sich die OUN-UPA entweder ganz im Licht oder ganz auf der dunklen Seite – ein Drittes gibt es nicht.

und schließlich:
Die Geschichte der kroatischen Ustascha zeigt, dass der Ustaschismus unter bestimmten Bedingungen die Form eines Protofaschismus annehmen kann, und im Falle der Schaffung eines eigenen Staates – ein Regime faschistischen Typs schaffen kann. Die ideologische Evolution der OUN war ähnlich, aber ihr Konflikt mit der deutschen Besatzungsmacht zwischen 1941-1943 hat die Kristallisierung eines ukrainischen Faschismus verhindert und die revolutionären Nationalisten schließlich zu einem gründlichen Umdenken ihrer Ideologie in antifaschistischer Richtung motiviert.


Der These, dass der Begriff "Faschismus" im Zusammenhang mit der OUN/UPA nicht von der Hand zu weisen, aber eben auch nicht ideal ist, schließe ich mich von ganzem Herzen an.
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Gab es einen ukrainischen Nationalbefreiungsfaschismus? - UN

#3 Beitragvon Minuteman » Sonntag 1. April 2012, 21:26

mbert hat geschrieben:Man muss konstatieren, dass der Skandal um Rossolinski-Liebe offenbar schließlich doch positive Früchte trägt. Es werden immer mehr interessante und vor allem ungewöhnlich differenzierte Arbeiten zum Thema der historischen und politischen Einordnung der OUN und UPA veröffentlicht.

Ich persönlich finde an diesem Artikel hier besonders einige Formulierungen wiederholenswert, ich hoffe, ich zitiere nicht zu viel (jedenfalls lohnt es sich, sowohl diesen als auch den sich auf ihn beziehenden Artikel Ukraine-Nachrichten: Meinungen und Analysen: Zur Frage eines ukrainischen "Faschismus der nationalen Befreiung" ganz zu lesen):
Problem ist nicht die zweifelhafte Reputation des Forschers, sondern das Fehlen einer fachlich-kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) in der Ukraine

und dann:
Mit anderen Worten – es wird ein Krieg zwischen zwei historischen Mythen (Mythos und Gegenmythos) geführt, mit einer dafür charakteristischen Dichotomie von Licht und Schatten und fehlenden Zwischenstufen. Im mythologisierten historischen Bewusstsein befindet sich die OUN-UPA entweder ganz im Licht oder ganz auf der dunklen Seite – ein Drittes gibt es nicht.


Ein von mir hoch geschätzter Historiker hat mal bei einem Vortrag gesagt, daß sich ein Historiker eigentlich nicht groß von einem Biologen unterscheidet welcher einen Käfer beobachtet.
Der Biologe studiert einen Käfer und stellt fest daß er sechs Beine hat, zwei Fühler sowie rote Flügel mit schwarzen Punkten darauf. Kurzum er stellt die Fakten fest, läßt aber in seiner wissenschaftlichen Arbeit aussen vor ob er perönlich nun den Käfer schön findet oder nicht.
Ich denke dies ist eines er wichtigsten Säulen in der Aufarbeitung der Geschichte. Es muß Menschen geben welche in erster Linie die Fakten feststellen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Sie tragen dazu bei historische Ereignisse und Gegebenheiten zu entmythistifizieren.
Die Allgemeinheit hat aber das Recht auf ihre eigene Interpretation und darf, kann und soll sich ihre eigene Meinung aus den erarbeitenten Fakten bilden.
Und im Gegensatz zum Autor bin ich schon der Meinung das es in der öffentlichen Diskussion zur OUN, egal ob UA oder in Deutschland, durchaus Zwischenstufen zwischen "Licht und Schatten" gibt. Nur man hört sie nicht, oder hört sie nicht gerne.
Politisch stellt sich dann wiederum die Frage ob überhaupt ein Interesse darin besteht einen Mythos oder Gegenmythos aufrecht zu erhalten oder nicht. Hat zum Beispiel der Kreml ein Interesse daran einen wichtigen Beitrag zu leisten und alle Dokumente welche noch unter Verschluss sind zur OUN UPA für alle Historiker zur Verfügung zu stellen?
Wenn Nein, warum nicht?

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