Allgemeines Diskussionsforum | Ideen zur "Rettung" der Ukraine

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iovialis
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Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#1 Beitragvon iovialis » Montag 30. März 2009, 16:55

Einmal davon abgesehen, wie die politische und wirtschaftliche Situation in der Ukraine aussieht, würde mich interessieren, welche Möglichkeiten es gibt, die Ukraine zu "retten". Da es aus politischer Sicht unmöglich scheint, das Land aus der Krise zu führen, sind Lösungen gefragt, die dem Land helfen, sich in eine wirkliche Demokratie mit einer stabilen Wirtschaft zu wandeln.

Eine "Ist-Analyse", wie der Zustand des Landes im Moment aussieht, scheint mir weniger interessant, als eine "Soll-Analyse", die den angestrebten Zustand des Landes definiert. Der "Ist-Zustand" zeigt dabei zwar die Blockaden, weshalb es nicht zum "Soll-Zustand" kommt, doch ohne zu wissen, wohin die Reise gehen soll, macht es meiner Meinung nach unmöglich, etwas in Richtung des "Soll-Zustandes" zu unternehmen.

Dabei ist zu fragen, warum es eigentlich einen Staat gibt und welche Aufgaben den jeweiligen Organen zukommen, die einen Staat ausmachen (Regierungen, Ministerien, Gerichte, Polizei, regionale Gliederungen...).

Die Ukraine (wie übrigens viele andere Länder) definiert das Staatsziel in Amtseiden, die für die Mitglieder der "Werchovna Rada" wie folgt lautet:

Ich leiste der Ukraine den Treueid. Ich verpflichte mich, mit all meinen Handlungen die Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine zu verteidigen, für das Wohl von Vaterland und des ukrainischen Volkes zu sorgen. Ich schwöre, mich an die Verfassung und Gesetze der Ukraine zu halten, meine Pflichten im Interesse aller Mitbürger zu erfüllen.

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Welche Ideen gibt es, wie der Inhalt dieses Eid umgesetzt werden kann?

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Re: Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#2 Beitragvon Sonnenblume » Donnerstag 2. April 2009, 18:35

Frag doch mal da nach: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...
Die ukrainische Regierung muß wirklich beratungsresistent sein oder ist es noch schlimmer und sie tut das, was man ihr rät ?

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iovialis
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Re: Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#3 Beitragvon iovialis » Freitag 3. April 2009, 01:03

Sonnenblume hat geschrieben:Frag doch mal da nach: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...
Die ukrainische Regierung muß wirklich beratungsresistent sein oder ist es noch schlimmer und sie tut das, was man ihr rät ?


Danke für den Tipp, doch eigentlich will ich nicht irgendwelche "Experten" fragen, sondern Stimmen aus dem "Volk" hören, was sie sich wirklich wünschen.

Ob die Regierung beratungsresistent ist oder tut, was man ihr rät, ist schwierig zu sagen; Fakt ist, daß solche "Vorschläge" durchaus eigene Interessen der jeweiligen Vorschlagenden (hier Deutschland) enthalten können, die im ersten Moment gar nicht ersichtlich sind. Gott behüte mich vor Menschen, die für mich das Beste wollen ;-)

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Handrij
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Re: Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#4 Beitragvon Handrij » Montag 6. April 2009, 00:32

@Sonnenblume
Sonnenblume hat geschrieben:Frag doch mal da nach: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...
Die ukrainische Regierung muß wirklich beratungsresistent sein oder ist es noch schlimmer und sie tut das, was man ihr rät ?


Wer bezahlt die Berater? Was wollen die Geldgeber erreichen? Sind diese Altruisten?
Bei der deutschen Beratergruppe ist der Geldgeber die Bundesregierung. Welche Ziele hat diese?
Meines Erachtens nach kann man aus ukrainischer Sicht nicht sehr viel von "westlichen" oder "östlichen" Beratern erwarten. Zudem sollte es genügend gut ausgebildete, zu eigenständigem Denken fähige Leute in der Ukraine geben, welche die Fragen zur "Rettung" der Ukraine hinreichend beantworten können.

Doch hier ist wieder die Frage zu stellen, wovor soll die Ukraine gerettet werden? Wenn Iovialis - in einem anderen Posting - meint, dass die Ukraine vor sich selbst zu retten wäre, schwingt da Unzufriedenheit mit der Entwicklung in der Ukraine mit. Vermutlich gibt es da ein Idealbild, von dem die bisherige Entwicklung abweicht. Aber vielleicht sollte die von Iovialis erwähnte Liste der "Hauptprobleme" der Menschheit in Bezug auf die Ukraine untersucht werden, soweit dies die Faktenkenntnis zulässt.

1. Wasser und Nahrung
Nahrung scheint in der Ukraine kein Problem zu sein. Doch ist dies eng mit der Wasserversorgung verbunden und nachfolgend mit Problemen der Düngemittelversorgung, Treibstoffen, Maschinen und Ersatzteilen. Düngemittel hängen direkt mit der Gasversorgung zusammen. Von der Sache her kann sich die Ukraine selbst mit Gas (macht sie aber nicht) versorgen, wodurch Düngemittel, solange die Kapazitäten der Fabriken nicht maßgeblich zurückgehen, kurzfristig kein Problem darstellen sollte. Vermutlich, genaueres weiß ich nicht, werden die entsprechenden Produktionsanlagen wie überall auf Verschleiß gefahren. Daher können sich da in absehbarer Zeit Probleme einstellen. Düngemittelexporte (3% 2008) sind auch von Bedeutung für die Einnahmen der Ukraine
Wasser könnte demnächst eher ein Problem sein, insbesondere sauberes Wasser s.u.

2. Klimaveränderung
Der Ukraine wird im Zuge des Klimawandels - meines Wissens nach - mit zunehmendem Wassermangel konfrontiert werden. Lösung wären Wassereinsparungen, Modernisierung der Wasserinfrastruktur, Aufbereitungsanlagen usw., doch dies läuft zumeist auf die Einfuhr westlicher Technologie hinaus. Diese muss erst einmal verdient werden. Womit?

3. Auskommen und Altersversorgung
Damit meint Iovialis sicherlich den Zugang zu Tauschmitteln, damit der Grundbedarf des Lebens gedeckt wird. Hier besteht in der Ukraine ein erhebliches Problem, da Geld (wenn wir weiterhin auf dieser Basis argumentieren wollen) welches von der Regierung verteilt wird, muss erst einmal von der Regierung/vom Staat verdient werden. Dies erfolgt über Steuern und Abgaben und damit hat die Ukraine ein Problem, da jeder Ukrainer zwar über den Staat/die Regierung schimpft, dass diese nichts tun, nur stehlen, doch auf der anderen Seite Mykola selbst zusieht keine Steuern zu zahlen. Dies ist im Übrigen ja nicht nur ein Problem der Ukraine. Alle Nachfolgestaaten der Sowjetunion, aber auch die ehemaligen Satellitenstaaten, haben mit einer hohen Schattenwirtschaft zu kämpfen.
Es ist bezeichnend, dass ein Großteil des letztjährigen Budgets durch Importsteuern gedeckt wurde. Damit kommen wir wieder zu der Frage, womit die Ukraine Geld verdienen kann?

4. Energie(versorgung) und Rohstoffe
Bei der Energieversorgung setzt die Ukraine zu 47% auf Kohle, weitere 47% Atomenergie und die restlichen 6% Wasserkraft. So zumindest die Statistik für 2007 Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...
Kohle gibt es aus eigener Produktion. Uran für die Atomkraftwerke muss eingeführt werden, was momentan aus Russland kommt. Soweit ich weiß sind die Verhandlungen mit amerikanischen Anbietern nicht über einen Versuchsbetrieb hinausgekommen. Hier besteht auch eine Abhängigkeit von sowjetischer Technologie. Wer bezahlt wovon eine Umrüstung?

Ich belasse es erst einmal bei diesen Punkten, da mir die Zeit fehlt, die notwendigen Daten zu recherchieren. Kurz gesagt läuft es oftmals, wenn wir den Tausch als Grundlage der Gesellschaft nicht anzweifeln, darauf hinaus, dass die Ukraine für eine Modernisierung der Gesellschaft, der Wirtschaft und nachfolgend eine Verbesserung der Lebensmöglichkeiten der Ukrainer selbst, Geld benötigt. Womit kann die Ukraine Geld verdienen bzw. welche Investitionen könnten sich durch ihr Einsparpotential recht schnell rentieren.
Eines was schnell getan werden müsste, wäre den Gasverbrauch zu senken, um die Energieabhängigkeit von Russland zu senken. Dies ist eigentlich allen klar: den beratenden Experten, der Regierung, der Opposition. Die Frage ist - und hier kommen wir wieder zu Iovialis Ausgangsfrage zurück - wie eine Regierung, die gewillt ist, das Vorhaben einer landesweiten Modernisierung der Heizungs- und Warmwasserversorgung mit dem Ziel der Senkung des Gasverbrauchs umsetzen kann? Der bereits verkündete Erhalt des japanischen Kredits mit konkreter Bindung der Mittel an dieses Vorhaben schien vielversprechend, doch wird es dieses Geld wohl nicht geben. Die Frage stellt sich, warum hierfür bislang nicht gezielt Mittel (beispielsweise aus Privatisierungen) angespart wurden? Mentalität, ressourcenverschlingende Machtkämpfe? Hat die jeweilige Regierung mehr damit zu tun, an der Macht zu bleiben, als die Macht zu nutzen, um etwas zu verändern? Hat dann Iovialis damit recht, dass die "Die Ukraine ... eigentlich vor sich selbst geschützt werden" muss?
In Gesprächen bringen Ukrainer - und nicht nur die - oftmals an, dass sie eigentlich nichts tun können, außer eben für sich sorgen und schauen das es für sie selbst irgendwie weitergeht. Gleich nachfolgend wird dann oftmals der Wunsch nach einem Diktator/einer starken Hand genannt, die, auch wenn nicht immer richtig, wenigstens etwas tut und vor allem Verlässlichkeit bringt.

Von der Sache her bedarf es keiner Ideen zur "Rettung" der Ukraine aus einem deutschsprachigen Forum .... Die Leute hier müssen das für sich selbst entscheiden. Meine Beobachtung ist die, dass die Ukrainer/Osteuropäer bislang, solange sie konnten, mit den Füßen abgestimmt haben und das Land verließen. Inwieweit dies zukünftig noch eine Option sein kann, wird sich zeigen.

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iovialis
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Re: Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#5 Beitragvon iovialis » Montag 6. April 2009, 11:11

Handrij hat geschrieben:Von der Sache her bedarf es keiner Ideen zur "Rettung" der Ukraine aus einem deutschsprachigen Forum .... Die Leute hier müssen das für sich selbst entscheiden.

Zuersteinmal ein riesiges Danke für diese lange Analyse, die sehr interessant ist. Dabei bin ich allerdings nicht der Meinung, daß es ein Geldproblem ist, um irgendwelche Problem zu lösen, sondern vielmehr das Fehlen eines transparenten, verständlichen, politischen Willens. Was will die Ukraine (besser die ukrainische Politik) überhaupt?

Es geht auch nicht so sehr darum, ob Ideen auf deutsch, ukrainisch oder russisch formuliert werden. In der Auflistung der "Menschheitsprobleme" taucht auch "Problembewußtsein" und "Wahl- und Partizipationsmöglichkeiten" auf. Und die "Rettung der Ukraine" hängt eng mit den Möglichkeiten zusammen, wie diese beiden Probleme gelöst werden.

Haben die Leute in der Ukraine überhaupt die Möglichkeit, "für sich selbst zu entscheiden"? Wenn nämlich nicht, entwickeln sie vielleicht erst gar nicht ein entsprechendes "Problembewußtsein", weil ihnen die Möglichkeit fehlt, die "bewußt gewordenen Probleme" zu lösen. Vielmehr handeln sie sich durch die "Bewußtwerdung" ein ganz anderes Problem ein: Das Gefühl der Ohnmacht, des Unmuts und Frusts. Solange ein Mensch nicht direkt durch ein Problem betroffen ist (und es ihm deshalb gar nicht bewußt ist), sind solche Gefühle nur latent vorhanden und einfacher zu verdrängen.

Ich denke auch, daß konkrete "Rettungsvorschläge" (z.B. ala "Baut ein Geothermie-Kraftwerk") nicht sinnvoll sind. Vielmehr scheint mir ein Impuls wichtig, sich überhaupt erst einmal Gedanken über Lösungsmöglichkeiten zu machen, die der Ukraine als Vorschlag dienen können sollen. Und hier ist die Sprache oder woher der Vorschlag kommt, aus meiner Sicht vollkommen unwichtig. Die Adaptierung eines Vorschlags auf ukrainische Verhältnisse kann dann vorgenommen werden.

Man kann sich erst dann für eine Lösung entscheiden, wenn mehrere zur Auswahl stehen. Aber die grundlegende Position bleibt: "Will die Ukraine überhaupt (vor sich selbst) gerettet werden?", was der Frage "Will sich die Ukraine überhaupt selbst retten?" gleichkommt.

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Re: Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#6 Beitragvon Sonnenblume » Montag 6. April 2009, 11:47

"Meines Erachtens nach kann man aus ukrainischer Sicht nicht sehr viel von "westlichen" oder "östlichen" Beratern erwarten". So ist es, für die, die alle Fäden in der Hand haben, ist es gut, so wie es ist! Es kümmert sie weder die Lage des eigenen Volkes noch der Rest der Welt.

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Re: Ideen zur "Rettung" der Ukraine

#7 Beitragvon Hartmut » Samstag 11. April 2009, 14:05

Wenn die Legislative der Ukraine, voran Herr Juschtschenko nicht gewillt oder in der Lage sind den Artikel 79 der Verfassung der Ukraine wie schon zitiert " Ich leiste der Ukraine den Treueid. Ich verpflichte mich, mit all meinen Handlungen die Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine zu verteidigen, für das Wohl von Vaterland und des ukrainischen Volkes zu sorgen. Ich schwöre, mich an die Verfassung und Gesetze der Ukraine zu halten, meine Pflichten im Interesse aller Mitbürger zu erfüllen." mit voller geistiger Hingabe und Tatkraft zu erfüllen ,dann sollte man helfen lassen. Die Nachfahren der Wolhyniendeutschen wären gern bereit und sicherlich auch in der Lage dazu. Man müsste muss nur die Rahmenbedingen schaffen und beschließen. Die oberste Rada der Ukraine wäre laut Gesetzeskraft dazu in der Lage.
ein frohes und besinnliches Osterfest wünscht
Hartmut E.

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