PolitikNationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

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Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#1 Beitrag von Handrij » Montag 6. Mai 2013, 17:27

In der Westukraine haben die Nationalisten die Gedenkfeiern zum Sieg im Großen Vaterländischen Krieg abgesagt. Der „Tag des Sieges“ wurde stattdessen zum Tag der Trauer erklärt, schreibt die Zeitung „Rossijskaja Gaseta“ am Montag.
Mehr bei RIA Nowosti

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#2 Beitrag von mbert » Montag 6. Mai 2013, 18:01

Schon interessant, wie die "russische" Perspektive diese Sache sieht (obwohl es auch nicht wirklich überraschend ist).
Grundsätzlich sind die Jungs ja clever genug, nicht durch völlig plumpe Klischees die Meinung beeinflussen zu wollen, aber so ein wenig stellt sich doch der Eindruck ein, als würden die bösen Westukrainer den ehrenwerten Kämpfern für den Sieg gegen Hitlerdeutschland nun das wohlverdiente Recht nehmen wollen, unter der Roten Fahne "ihren" Sieg zu feiern.

Das macht nur wieder einmal mehr deutlich, dass auf beiden Seiten - in verschiedenen Abstufungen der Subtilität - wenig Interesse herrscht, aus ihren jeweiligen Schützengräben herauszukommen....
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#3 Beitrag von Sonnenblume » Montag 6. Mai 2013, 19:05

mbert hat geschrieben:...aber so ein wenig stellt sich doch der Eindruck ein, als würden die bösen Westukrainer den ehrenwerten Kämpfern für den Sieg gegen Hitlerdeutschland nun das wohlverdiente Recht nehmen wollen, unter der Roten Fahne "ihren" Sieg zu feiern.
Welchen Eindruck sollen denn z.Bsp. die Veteranen der Roten Armee sonst haben, wenn die Rote Fahne an diesem Tag verboten ist?
mbert hat geschrieben:Das macht nur wieder einmal mehr deutlich, dass auf beiden Seiten - in verschiedenen Abstufungen der Subtilität - wenig Interesse herrscht, aus ihren jeweiligen Schützengräben herauszukommen....
Das macht nur deutlich, wie wenig Interesse die Initiatoren dieses Beschlusses an einer gmeinsamen Aufarbeitung der Geschichte haben.
Wenn ich jemandem die Hand reichen will, dann trete ich ihm bestimmt nicht zuerst gegen das Schienbein.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#4 Beitrag von mbert » Montag 6. Mai 2013, 20:39

Liebe Sonnenblume, wir haben ja nun schon oft argumentativ die Klingen gekreuzt, und ich erlaube mir hier einmal eine persönliche Bemerkung: ich habe den Eindruck, dass Du hier vor allem emotional argumentierst und Deine Argumente, wenn hier nicht Swoboda im Spiel wäre, wohl anders ausfallen würde.

Die rote Fahne ist eben beides - Symbol für die Befreiung von Hitlerdeutschland und für Okkupation, Mord und Verschleppung. Ich denke, beide Aspekte verdienen einen gewissen Respekt aus der jeweiligen Perspektive. Hier ist ganz offenbar ein Konflikt zwischen den verschiedenen Sichtweisen und somit auch Interessen, der unmöglich zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann.

So finde ich es natürlich, dort, wo die erste genannte Sichtweise dominiert, diese Fahne ihren Platz hat. Umgekehrt gebietet es aus meiner Sicht eine gesunde Pietät und Interessenabwägung, dass dort, wo geschätzte 90% der Menschen die rote Fahne aus o.g. Gründen ganz entschieden ablehnen, sie eben nicht an einem solchen Tag durch die Gegend zu tragen. Wer das dennoch tut, setzt sich dem Verdacht aus, das vor allem zur Provokation zu tun.

Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich dieser doch eigentlich sehr plausiblen Logik entziehen kann, außer, wenn der Grund ganz einfach Abneigung ist.
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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#5 Beitrag von Sonnenblume » Montag 6. Mai 2013, 21:32

mbert hat geschrieben: Die rote Fahne ist eben beides - Symbol für die Befreiung von Hitlerdeutschland und für Okkupation, Mord und Verschleppung. Ich denke, beide Aspekte verdienen einen gewissen Respekt aus der jeweiligen Perspektive. Hier ist ganz offenbar ein Konflikt zwischen den verschiedenen Sichtweisen und somit auch Interessen, der unmöglich zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann.
Gerade weil das so ist, dass sie Symbol für die Befreiung ist und gleichzeitig unsägliche Dinge unter ihr geschahen und weil es auch so ist, dass unter den Fahnen der UPA auch positive und schreckliche Dinge geschehen sind, sollte man doch verstehen, was in dem Anderen vorgeht.
mbert hat geschrieben:Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich dieser doch eigentlich sehr plausiblen Logik entziehen kann, außer, wenn der Grund ganz einfach Abneigung ist.
Ich kann auch nicht verstehen, dass du dich meiner Logik entziehen kannst.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#6 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Montag 6. Mai 2013, 22:00

RIA-Nowosti:
Als Grund für die Entscheidung heißt es, dass in der EU an diesem Tag nur der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird, nicht aber die Sieger geehrt werden.

So sieht Demagogie aus. In Berlin werden Kränze in Treptow und in Karlshorst, an den Seelower Höhen und überall im Lande an den Denkmalen der Roten Armee und im Westen der Westalliierten niedergelegt und ihrer historischen Leistung gedacht.
So wie jetzt überall auch der Befreiung der KZ gedacht wird und im Westen nur der Opfer nationalsozialistischer Gewalt, während man im Osten auch der Opfer gedenkt, gedenken muss, die von den Befreiern in eben diesen KZ eingekerkert und ermordet wurden.

Den Russen kann man so etwas als üblich in der EU verkaufen.

Wie war es denn in der Westukraine, war es da anders? Immer schön nach dem Motto "Willst Du nicht mein Bruder sein - schlag ich Dir den Schädel ein".

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Jensinski
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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#7 Beitrag von Jensinski » Dienstag 7. Mai 2013, 01:29

Verbote haben doch noch nie etwas gebracht! Ein Aufruf an die Veteranen der Roten Armee, von denen ja auch welche in der Westukraine leben, die rote Fahne doch bitte nicht zu schwenken, da unter dieser Fahne in der Region auch Verbrechen begangen wurden... auf so eine Idee kommen die nicht. Jede Wette, dass das einige akzeptieren würden. Ich habe das Gefühl, dass hier ein neues Nordirland heraufbeschworen wird.

Gruß,
Jens

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#8 Beitrag von eurojoseph » Dienstag 7. Mai 2013, 10:11

Nachdem der Kult des "Grossen Vaterländischen Krieges" den Schmerz über den Verlust der SU (für die russische Seele[von der gefürchteten Supermacht zum nicht für vollgenommenen Rohstoffliferanten mit sonderbaren Freunden - Iran, Syrien, Zimbabwe,Venezuela,Belarus....]) da möcht man sich an vergangenen Siegen hochziehen, wenn schon die Gegenwart trübe ist - anders ist dieser Kult (der sowas von religiös-fundamentalistisch ist mittlerweile) nicht zu erklären ....jetzt habt ihr uns (der böse, böse Westen !!!) "unser" Osteuropa weggenommen, unsre nächsten Kolonien - sogar die Ukraine (Baltikum ist möglicherweise zu verschmerzen, ausserdem macht destabilisieren mit 5.Kolonne
anscheinend Spass bzw. lenkt von Problemen im Inland ab....) den Kaukasus und Besarabien will man nicht hergeben, die Ukraine - das geht schon gar nicht - da ist es immer gut wenn welche mit dem "Roten Fetzen" - blutrot - so wie der mit dem komischen weissen Feld und dem Swastika in der Mitte - wieder den "Verrätern" zeigen wollen, wer hier immer noch das Sagen hat...
Aber ja, mit trüber Gegenwart tut es gut äussere Feinde zu haben, die an allem Schuld sind - und ja der gloreiche Sieg (den es gar nie gegeben hätte ohne " lend und lease" der USA ....) je weiter weg von der Wahrheit man ist, umsomehr muss man Lügengebäude auch verteidigen....
The SOVIET STORY - für alle, die noch an das Märchen vom russischen Antifaschismus glauben !Djakuju tobi,shcho ja ne moskal/jingo/sovok ???)SLAVA UKRAYINI !!!!Hitler UND Stalin kaputt - wider braunen UND roten Faschismus

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#9 Beitrag von eurojoseph » Dienstag 7. Mai 2013, 10:18

Sonnenblume hat geschrieben:
Welchen Eindruck sollen denn z.Bsp. die Veteranen der Roten Armee sonst haben, wenn die Rote Fahne an diesem Tag verboten ist?
mbert hat geschrieben:Das macht nur wieder einmal mehr deutlich, dass auf beiden Seiten - in verschiedenen Abstufungen der Subtilität - wenig Interesse herrscht, aus ihren jeweiligen Schützengräben herauszukommen....
Das macht nur deutlich, wie wenig Interesse die Initiatoren dieses Beschlusses an einer gmeinsamen Aufarbeitung der Geschichte haben.
Wenn ich jemandem die Hand reichen will, dann trete ich ihm bestimmt nicht zuerst gegen das Schienbein.

Seit wieviel Jahrzehnten treten die "Sieger" aka Russen/Kommunisten nun schon allen Patrioten in deren jeweiligen Ländern nicht nur gegen das Schienbein (bzw. jetzt nur mehr gegen das Schienbein - aber früher gegen den Kopf) ??? Seit 1945 wurde gelogen, okkupiert, deportiert, psychatriert, denunziert, die Geschichte gefälscht - und seit 20 Jahren geht das nimmer so einfach - also zuerst werden sich wohl die Peiniger bewegen müssen, wüsste auch nicht, z.B. was Israel den Deutschen so einfach vergeben sollte....
Zuletzt geändert von Handrij am Dienstag 7. Mai 2013, 12:58, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat korrigiert
The SOVIET STORY - für alle, die noch an das Märchen vom russischen Antifaschismus glauben !Djakuju tobi,shcho ja ne moskal/jingo/sovok ???)SLAVA UKRAYINI !!!!Hitler UND Stalin kaputt - wider braunen UND roten Faschismus

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#10 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Dienstag 7. Mai 2013, 10:50

Jensinski, auf welcher Insel der Glückseeligen lebst Du eigentlich?
Was erwartest Du von einem totalitären Regime?
Als vor Jahren mal eine Ausstellung über die Verbrechen auch der Wehrmacht aufgemacht werden sollte und gemacht wurde, schrie die wunde deutsche Volksseele auf, besser die der Traditionsverbände. Letztlich siegten aber die, die aus dem Krieg und seinen Folgen gelernt hatten und bereit waren Wahrheiten zu bekennen.
Was erwartest Du von Moskau? Immer noch alte kommunistische Kader, der Präsident ist das Symbol der Kontinuität in dieser Frage.
Die alte Hymne wird noch gespielt und welcher der höheren Ränge der Veteranen wird auf seine Zusatzrente aus Moskau verzichten und beitragen den Streitfall durch Vergebung und Versöhnung zu beenden.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#11 Beitrag von mbert » Dienstag 7. Mai 2013, 11:31

Jens, wenn es hier wirklich um die ortsansässigen Weltkriegsveteranen ginge, gäbe es m.E. kein wirkliches Problem, denn von denen haben fast alle gegen die rote Armee gekämpft. Wenn sich nun über die verbleibende Handvoll Leute jemand groß aufregte, hätte ich dafür auch kaum Verständnis
Nur waren es in den letzten Jahren immer sehr viel mehr Träger der roten Fahnen - ortsansässig waren die eben nicht, sondern busweise aus Odessa oder anderen "russischen" Städten Importiert, um "ihren" Sieg über die UPA "vor Ort" zu feiern. Das hat für mich ein wenig vom Marsch der Loyalisten durch die katholischen Viertel Dublins, das ist da wie dort mehr als überflüssig.

Das lustige ist, dass hier die echten Veteranen ganz einfach Instrumentalisiert werden, und das traurige, dass Leute, die die Gegebenheiten im Westen nicht kennen, das einfach so kaufen.
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#12 Beitrag von Jensinski » Dienstag 7. Mai 2013, 11:47

OK, mbert, das war doch mal eine klare Aussage, die Licht ins Dunkel brachte. Danke! Das ging so aus den Beiträgen nicht hervor.

LG,
Jens

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#13 Beitrag von Handrij » Dienstag 7. Mai 2013, 12:26

mbert hat es ja schon angesprochen.
Hier geht es ja eigentlich nicht mehr um die Veteranen der Roten Armee. Gehen wir mal von einem 18-jährigen Rotarmisten im Mai 1945 aus. Dann ist er Jahrgang 1927 und jetzt 85/86 Jahre alt. Das sind Greise, die, wenn es ihnen gut geht, noch einigermaßen laufen können. In Lwiw werden, wenn es hoch kommt, allenfalls ein paar Dutzend davon am Leben sein - es soll ja auch westukrainische Rotarmisten gegeben haben. Die schlägt selbst ein völlig gehirngewaschener Jungnationalist nicht.
Problem sind die in den Westen gekarrten Typen, die denken, dass sie den Krieg jetzt noch einmal "gewinnen" müssen.
Andererseits müssten die westukrainischen Städte auch nichts verbieten. Niemand zwingt die Westukrainer an diesem Tag zu feiern. Es ist ein arbeitsfreier Tag und damit gut so. Konsequentes Ignorieren wäre IMHO eine weitaus bessere Methode.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#14 Beitrag von mbert » Dienstag 7. Mai 2013, 12:43

Gefällen würde mir das einfache Ignorieren auch am besten, nur ist das aktuell schlicht nicht realistisch.- weder in Lviv noch in Dublin :)

Letztendlich bin ich immer noch dafür, dem Willen der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung in der jeweiligen Ecke des Landes Rechnung zu tragen, und der dürfte im Westen recht klar sein...
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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#15 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Dienstag 7. Mai 2013, 12:56

Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#16 Beitrag von Jensinski » Dienstag 7. Mai 2013, 15:38

galizier hat geschrieben:Jensinski, auf welcher Insel der Glückseeligen lebst Du eigentlich?
Na, nun mal sachte :) Hatte heute morgen keine Zeit, ausführlicher zu antworten. Wie ich an anderer Stelle schrieb, hier in der Zentralukraine sieht die Geschichte ein klein wenig anders aus. Übermorgen werden am Denkmal vorne, 400m von mir (am Beginn der Uliza Lenina ;) ) Kränze niedergelegt und es gibt Salutschüsse. Angesichts der hiesigen Geschichte ein für mich legitimes Ereignis. Und gerade wegen dieser Diskussion werde ich es mir dieses Jahr auch mal ansehen.

Dass die Städte Lviv und IF die Siegesmärsche in Erwartung der angekarrten Meute verbieten - dafür haben sie mein vollstes Verständnis!

LG,
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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#17 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Dienstag 7. Mai 2013, 15:55

Wie oft haben mbert und ich und viele andere auf die zweigeteilte Ukraine hingewiesen. Das meinte ich mit der Insel.
Irgendwann müsste es ja mal ankommen.
Natürlich ist Gedenken immer konkret an die regionale Geschichte gebunden und an persönliche Empfindungen und Erfahrungen.
Was willst in den Familien sagen, wo authentische Fotos da sind auf denen ein Enthaupteter inmitten seiner Familie an den Zaun gelehnt sitzt und sein Kopf auf einem Pfahl gespießt neben ihm. Meinst Du diese Leute feiern den Sieg ihrer Peiniger?
Aufgenommen nach dem Wiedereinzug der Okkupanten von 1939 oder den "Befreiern".
Ich kenne aber auch Fotos hier im Dorf, wo die Familie mit dem bei ihr einquartierten deutschen Soldaten posieren.
Einige haben sogar Kontakt zu den Enkeln und Urenkeln dieser Soldaten.
Nach Russland hat keiner den Kontakt zu den Nachfahren der NKWD-Einheiten gesucht.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#18 Beitrag von Handrij » Dienstag 7. Mai 2013, 16:04

galizier hat geschrieben:Was willst in den Familien sagen, wo authentische Fotos da sind auf denen ein Enthaupteter inmitten seiner Familie an den Zaun gelehnt sitzt und sein Kopf auf einem Pfahl gespießt neben ihm. Meinst Du diese Leute feiern den Sieg ihrer Peiniger?
Authentisch?
Massenerschießungen, Deportationen, Folter ja, aber Enthauptung und aufspießen von Köpfen? Redest du vom NKWD oder irgendwelchen wahnsinnig gewordenen Partisanen? Ich lass mich ja vom Gegenteil überzeugen, aber das klingt mir schon sehr nach einer Schauergeschichte zur patriotischen Erziehung der Jugend.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#19 Beitrag von Sonnenblume » Dienstag 7. Mai 2013, 16:13

eurojoseph hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:
Welchen Eindruck sollen denn z.Bsp. die Veteranen der Roten Armee sonst haben, wenn die Rote Fahne an diesem Tag verboten ist?
mbert hat geschrieben:Das macht nur wieder einmal mehr deutlich, dass auf beiden Seiten - in verschiedenen Abstufungen der Subtilität - wenig Interesse herrscht, aus ihren jeweiligen Schützengräben herauszukommen....
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Wenn ich jemandem die Hand reichen will, dann trete ich ihm bestimmt nicht zuerst gegen das Schienbein.

Seit wieviel Jahrzehnten treten die "Sieger" aka Russen/Kommunisten nun schon allen Patrioten in deren jeweiligen Ländern nicht nur gegen das Schienbein (bzw. jetzt nur mehr gegen das Schienbein - aber früher gegen den Kopf) ??? Seit 1945 wurde gelogen, okkupiert, deportiert, psychatriert, denunziert, die Geschichte gefälscht - und seit 20 Jahren geht das nimmer so einfach - also zuerst werden sich wohl die Peiniger bewegen müssen, wüsste auch nicht, z.B. was Israel den Deutschen so einfach vergeben sollte....
Genau, seit 1945 wurde auch in der Ukraine von Ukrainern gelogen, Geschichte gefälscht, deportiert, psychatriert. denunziert etc.
Seit 20 Jahren können sie in ihrem Land alles unabhängig so organisieren, wie sie es gern hätten und die Mehrzahl scheint sich an dem "Siegestag" nicht zu stören. Gelten da demokratische Regeln nicht, weil es dir nicht passt? Ich frage mich, warum hier immer die Russen (hier der russische Staat gemeint) ins Spiel gebracht werden. Das ist eine innere Angelegenheit der Ukraine und den paar Veteranen, die noch übrig sind, ihren Feiertag streitig (madig) zu machen, ist einfach nur erbärmlich.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#20 Beitrag von mbert » Dienstag 7. Mai 2013, 17:34

Ich finde, Jens hat es gut auf den Punkt gebracht. Beide Seiten verdienen Respekt, und beide sollten sich auch verkneifen, der anderen Seite Vorschriften zu machen, wie der Kriegsopfer zu Gedenken sei.
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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#21 Beitrag von mbert » Dienstag 7. Mai 2013, 17:38

Handrij, mir erscheinen die Geschichten, auf die sich Galizier da bezieht, nicht als Schauermärchen, ich habe derartiges auch schon öfter gehört. Es handelt sich dabei im Grunde um bewährte Abschreckungstaktiken gegen Partisanen, wie sie von der Wehrmacht auchbz.B. in Jugoslawien angewandt wurde. Die starken negativen Gefühle in der Bevölkerung haben schon ihre realen Gründe.
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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#22 Beitrag von mbert » Dienstag 7. Mai 2013, 18:19

Sonnenblume, die Betonung, dass ja Ukrainer selber Werkzeuge des repressiven Systems waren, ändert doch nichts daran, von wo die Anordnung kam. Die SU war doch - trotz föderaler Fassade - ein zentralistisches Konstrukt.

Ich habe übrigens zum Thema Verantwortlichkeit für koloniale Verbrechen kürzlich etwas interessantes gelesen. In den 50er Jahren verübte die britische Kolonialmacht in Kenia nach dem Mau-Mau-Aufstand schreckliche Verbrechen: Konzentrationslager, Folterungen, Exekutionen. Nun hat ein britisches Gericht eine Klage der Opfer von damals gegen den britischen Staat zugelassen. Im Vorfeld war auch argumentiert worden, dass eigentlich Kenia als Rechtsnachfolger und auch, weil ja auch Kenianer an der Ausführung der Verbrechen beteiligt waren, der Angeklagte sein müsse. Diese Argumentation wurde als irrelevant verworfen, weil die Hauptschuld eben bei den eigentlich Verantwortlichen zu sehen sei. Ich finde das Urteil auch aus anderen Aspekten interessant - ein britisches Gericht erlaubt eine Klage gegen die eigene Regierung, obwohl klar ist, dass das als Präzedenzfall noch ganz schön Kreise ziehen wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass in Russland 20 Jahre von jetzt einmal ähnliches möglich sein wird, aber ich werde mich gern eines Besseren belehren lassen.

Zurück zum Thema Veteranen. Ich glaube, wir haben alle so "unsere" Themen. Der Beitrag von Eurojoseph bezog sich m.E. doch eigentlich nicht wirklich auf die Veteranen, er hat halt, wie wir das alle immer mal wieder tun, einfach seinen "Tropar" gesungen. Uns allen ist klar, dass der Stalinismus auch in der SU mal vorbei war, aber auch danach gab es noch mehr als genug Repressalien und eben auch eine gefälschte Geschichte, die Stalin's Raubzüge rechtfertigte und seine Feinde pauschal zu Faschisten erklärte.

Viele von diesen sowjetischen Mythen sind doch heute für einige der Konflikte verantwortlich, über die wir hier diskutieren.
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#23 Beitrag von Handrij » Dienstag 7. Mai 2013, 18:31

mbert hat geschrieben:Handrij, mir erscheinen die Geschichten, auf die sich Galizier da bezieht, nicht als Schauermärchen, ich habe derartiges auch schon öfter gehört. Es handelt sich dabei im Grunde um bewährte Abschreckungstaktiken gegen Partisanen, wie sie von der Wehrmacht auchbz.B. in Jugoslawien angewandt wurde. Die starken negativen Gefühle in der Bevölkerung haben schon ihre realen Gründe.
Nicht einmal in dem nachfolgenden Artikel zu den Sondertrupps des NKWD, die in UPA-Uniformen scheinbar Morde an der Zivilbevölkerung verübten, werden solche Sachen aufgeführt. Da ist die Rede von Mord, von Raub und von Vergewaltigung.
http://uk.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D0% ... 0%92%D0%A1
Der NKWD bestand zwar vielleicht aus Sadisten, die gern folterten, aber nicht aus völlig Wahnsinnigen. Die Partisanenbekämpfung der Wehrmacht basierte ebenso nicht auf derartigen Tötungsmethoden. Auslöschen von ganzen Dörfern, öffentliches Erhängen, aber Aufspießen von Köpfen und danach "Familienfotos" damit? Das klingt eher nach "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad als nach Zweiter Weltkrieg bzw. Partisanenbekämpfung in der Ukraine.
Kurzes Googlen brachte auch jetzt nur solche Geschichten zu Tage:
http://galinfo.com.ua/news/90119.html
Beim Gefängnis von Stryj wurden 255 Skelette gefunden, von denen 96 enthauptet waren. Vermutlich Hinrichtung durch ein Fallbeil. Aus dem Text geht auch nicht hervor, aus welcher Zeit die Toten stammen. Von 1919 bis 1939 war es ein polnisches Gefängnis, von 1939 bis 1941 ein sowjetisches usw. ...

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#24 Beitrag von Sonnenblume » Dienstag 7. Mai 2013, 20:10

mbert hat geschrieben:Sonnenblume, die Betonung, dass ja Ukrainer selber Werkzeuge des repressiven Systems waren, ändert doch nichts daran, von wo die Anordnung kam. Die SU war doch - trotz föderaler Fassade - ein zentralistisches Konstrukt.

.
Ach komm mbert, keiner der Ukrainer wurde zu Repressionen anderen gegenüber gezwungen. Die entsprechenden Leute hatten ihre Gründe (Machtgier, krankes Hirn etc.).
Man konnte auch in der Sowjetzeit Mensch bleiben (und manchmal mehr als heute) und wer das nicht tat, hat das selbst zu verantworten.
Moskau hätte NIE solche Macht gehabt, wenn auch die Ukrainer nicht "mitgespielt" hätten.

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Re: Nationalisten in der Westukraine boykottieren Siegesfeier

#25 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Dienstag 7. Mai 2013, 21:19

Es sind keine Märchen und auch keine erfundenen Geschichten. Fahre mal zu den Treffen am Bandera-Memorial nahe Kalusch.
Da kannst Du solche "Familienfotos" in den Erinnerungsalben der Alten und ihrer Erben sehen.
Dieses Erbe hat sich in die Köpfe eingefressen und bedarf viel Entgegenkommen um zu einer Vergebung zu kommen.
Der Krieg war das eine, aber in den Karpaten tobte bis 1956 ein Bürgerkrieg.

Jeder konnte selbst entscheiden wie weit er mitmacht - war das wirklich so?
Den Ukrainern mutest Du Zivilcourage zu und wie war das im Nazireich Deutschland?
Waren die SS-Angehörigen alle krank oder sonst was ?
Warum haben sich hochgebildete Leute mit einer soliden humanistischen Bildung einspannen lassen.
Nimmst Du hier zwei Ellen?

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