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Handrij
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Russische und ukrainische Vornamen

#1 Beitrag von Handrij » Donnerstag 16. April 2009, 20:38

In der letzten Woche fiel mir auf, dass ich hier in Kiew bereits das zweite Vermieterehepaar mit den Vornamen Wladimir und Ljudmila habe. Dies ist daher interessant, da ja bekanntermaßen ein gewisser Wolodja im fernen Moskau auch eine Frau mit dem Vornamen Ljudmila ehelichte. Alle befinden sich ungefähr in der selben Altersgruppe 40-60 Jahre, so das da auch bestimmte Vorlieben in den 50ern und 60ern in der Sowjetunion mitspielen, aber insgesamt ist das Spektrum an Vornamen irgendwie etwas geringer als beispielsweise in Deutschland. Zudem ist mir noch nicht aufgefallen, dass man am Vornamen ungefähr das Alter, den Bildungsgrad und die Herkunft (Ost- oder Westdeutschland) abschätzen kann. Nicht ohne Grund werden in deutschen Zeitungsartikeln zur "Vermehrungswut" der "Hartz IV-ler" süffisante Bemerkungen zu den vielen Kevins und Britneys gemacht, die in anderen Sandkästen spielen als die weniger zahlreichen Anna-Marias oder Pauls.
Während mir in Deutschland klar ist, dass ein Klaus, ein Fritz, eine Gudrun, eine Ruth oder ein Erich nicht unbedingt 25 oder 30 ist (fünf könnte er oder sie schon sein), scheinen mir Namen wie Wiktor, Natalja, Ljudmila, Wladimir/Wolodimir, Roman, Katharina/Katja, Nadeshda/Nadja usw. hier recht zeitlos zu sein. Es gibt zwar auch in Deutschland recht zeitlose Namen, wie Christian, aber irgendwie scheint mir das hier auffälliger zu sein.
Hat da jemand andere Beobachtungen, Erfahrungen gemacht? Gibt es Statistiken zur Vornamenvergabe (ich habe ehrlich gesagt noch nicht gesucht)? Wenn nein, wie kann man sich das erklären? Ist das eine Folge der berühmten "sozialistischen Gleichmacherei" (FDP lässt grüßen)? Wenn ja, wieso ändert sich das nicht? Sind die russischen Fernsehserien oder sowjetischen/russischen Filme zu dominant ;)? [smilie=dntknw.gif]

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Handrij
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Re: Russische und ukrainische Vornamen

#2 Beitrag von Handrij » Donnerstag 23. April 2009, 16:11

In der heutigen Süddeutschen wurde ein Interview zur Namensforschung veröffentlicht.
Nachdem ich den Artikel gelesen habe, scheint mir das richtige Stichwort für meine Hypothese der geringeren Bandbreite an Vornamen in der Ukraine und Russland das Wort "Individualisierung" zu sein. In dem Interview wurde auch klar die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Bruch, auch in der Vergabe von Vornamen, benannt. Dieser fehlt scheinbar in der sowjetischen Gesellschaft, wo es eher zu einem Bruch mit der Machtergreifung der Bolschewiki kam. Trotzdem steht die Frage im Raum, wieso die Jahre 1991-93 nicht zu so einem Bruch führten, beispielsweise wieder zu religiöseren Vornamen. Eventuell bekomme ich Trends dieser Art nicht mit, da ich mich meist in der recht säkularen Stadt aufhalte ... [smilie=dntknw.gif]

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Charlotte oder Justin? Der Name eines Menschen verrät viel über sein Alter, seine Bildung und sein Aussehen. Am meisten jedoch über die Eltern, sagt Namensforscher Jürgen Gerhards.

Der Vorname als Geschmacksäußerung, Namensforschung

Jürgen Gerhards ist Professor für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Er forscht seit Jahren über Vornamen und was sie über die Gesellschaft aussagen und ist Autor des Buches: "Die Moderne und ihre Vornamen. Eine Einladung in die Kultursoziologie".
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Taras B
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Re: Russische und ukrainische Vornamen

#3 Beitrag von Taras B » Mittwoch 6. Mai 2009, 11:16

Apropos Individualisierung. Die gab es wohl in Bezug auf die Namensgebung unmittelbar nachdem die Bolschewiki an die Macht kamen. Sehr fantasiereich: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...

"Gertruda" war demnach eie "Goroinja Truda", eine Heldin der Arbeit. Später - 1961 - galt Fantasie bei Namensgebung auch noch: Урюрвкос ist standesamtlich eingetragen und soll bedeuten "Ура, Юра в космосе!"

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