Allgemeines Diskussionsforum | Situation des Russischen in der Ukraine

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chris110980
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Situation des Russischen in der Ukraine

#1 Beitragvon chris110980 » Mittwoch 13. Mai 2009, 10:59

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ehrlich gesagt kann ich die Argumentation im Beitrag "Zur Situation der ukrainischen Sprache in der Russischen Föderation" nicht ganz nachvollziehen. Die heutige Situation des Russischen in der Ukraine damit rechtfertigen zu wollen, dass die Situation des Ukrainischen in der Russischen Föderation noch schlechter ist, entbehrt meiner Ansicht nach jeder Logik. Und zwar unabhängig davon, ob es eine Diskriminierung des Russischen tatsächlich gibt oder nicht. Das wäre ja fast so, als würde man Menschenrechtsverletzungen in Belarus mit dem Hinweis darauf legitmieren, dass es in einigen afrikanischen Länder noch schlimmer zugeht.

Beste Grüße

Christian

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Handrij
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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#2 Beitragvon Handrij » Sonntag 17. Mai 2009, 14:39

chris110980 hat geschrieben:ehrlich gesagt kann ich die Argumentation im Beitrag "Zur Situation der ukrainischen Sprache in der Russischen Föderation" nicht ganz nachvollziehen. Die heutige Situation des Russischen in der Ukraine damit rechtfertigen zu wollen, dass die Situation des Ukrainischen in der Russischen Föderation noch schlechter ist, entbehrt meiner Ansicht nach jeder Logik. Und zwar unabhängig davon, ob es eine Diskriminierung des Russischen tatsächlich gibt oder nicht. Das wäre ja fast so, als würde man Menschenrechtsverletzungen in Belarus mit dem Hinweis darauf legitmieren, dass es in einigen afrikanischen Länder noch schlimmer zugeht.

Vielleicht ist der Beitrag etwas missverständlich. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass das Gejammer der Russophilen übertrieben ist, da man keineswegs davon sprechen kann, dass es keine Förderung der russischen Sprache mehr gibt. Die Situation für das Russische könnte zwar besser sein und vielfach besteht keine Wahlmöglichkeit (z.B. bei den landesweiten "Abitur"-Prüfungen), doch kann keine Rede von einer Unterdrückung der russischen Sprache sein. Selbst in der Werchowna Rada werden Reden auf Russisch gehalten und im Alltagsverkehr ist es die Lingua franca, wenn man von dem Fakt absieht, dass die meisten, die meinen russisch zu reden, eigentlich einen klassischen "Surshyk" pflegen. Jemand der klassisches Russisch gelernt hat, wird vor allem auf dem Lande - auch im Osten - vielfach kaum etwas verstehen und der "Surshyk" ist nicht erst in den 90ern aufgetaucht.
Das Gerede von der Unterdrückung des Russischen ist vor allem ein politisches Mittel um Wähler bei der Stange zu halten. Wenn die Partei der Regionen es ernst meinen würde, mit der Einführung des Russischen als zweiter Amtssprache, hätte sie es schon lange durchführen können, aber dann würde ein Wahlkampfargument wegfallen.
Maßnahmen wie das Verbot von RTR Planeta und TWZ in den Kabelnetzen wegen unangepasster Werbung, zielen auch weniger auf eine Verdrängung des Russischen, als auf eine Zurückdrängung des Einflusses der russischen Nachrichten ab, die, wenn man versucht so etwas wie objektiv in Bezug auf die Ukraine zu sein, oftmals nur platte russische Propaganda darstellen, wogegen die "Aktuelle Kamera" nichts war. Andererseits ist es wie so vieles in der Ukraine sehr dilettantisch begründet und durchgeführt. Mit der gleichen Begründung müssten Euronews (übrigens nicht auf ukrainisch sendend!) oder die BBC aus den Kabelnetzen verbannt werden.
Die Zwangssynchronisierung von Kinofilmen bzw. die Nichtübernahme der russischen Synchronisation kann man gutwillig auch als Stärkung der eigenen Synchronisationsstudios verstehen, doch nur wenn man gutwillig ist. Andererseits werden russische Filme zumeist nur mit Untertiteln versehen und damit ist der Gleichberechtigung genüge getan. Gleichberechtigung in dem Sinne, dass Ukrainer die kein russisch können wollen oder auf ukrainisch bestehen, den Film in ihrer Vorzugssprache "mitlesen" können. Aber an sich ist es unsinnig, da eigentlich jeder Ukrainer wenigstens russisch versteht.

Interessant an der ganzen Debatte ist, dass beispielsweise die ungarische, rumänische, polnische, gagausische und die tartarischen Minderheiten (habe ich jemanden vergessen ;) ?) in den Debatten kaum eine Rolle spielen. Sie sind zwar weniger zahlreich als die Russen, doch könnten doch all die Oberdemokraten - beider Seiten - bei ihrer Förderung der regionalen Sprachen auch auf diese Minderheiten Rücksicht nehmen. Zum Beispiel auf der Krim neben ukrainisch-russischen Verkehrsschildern tatarische einführen. Und was ist mit tatarischen Schulen? Aber das interessiert in diesen Debatten wenig.

Alles in allem ist das Thema ein sehr schwieriges und oben erwähnter Beitrag soll ergänzende Informationen bieten.

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Egon
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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#3 Beitragvon Egon » Sonntag 12. Juli 2009, 23:15

Dazu recht konkret eine Frage: Wer weiß über die Situation im Oblast Transkarpatien Bescheid? Kam es z.B. durch die russische Migration nach 1944 - egal aus welchen Gründen - zur Entstehung dörflicher Gemeinschaften, in denen die Russischsprachigen die Mehrheit erlangten? Oder bildeten die russischsprachigen Zuwanderer überall in Transkarpatien nur Minderheiten in größeren Städten, also vor allem in Munkatsch und Ungvar? Gibt es im Oblast Transkarpatien Gymnasien oder ähnliche Schulen, in denen primär Russisch als Unterrichtssprache verwendet wird?

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Handrij
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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#4 Beitragvon Handrij » Montag 13. Juli 2009, 00:49

Egon hat geschrieben:Dazu recht konkret eine Frage: Wer weiß über die Situation im Oblast Transkarpatien Bescheid? Kam es z.B. durch die russische Migration nach 1944 - egal aus welchen Gründen - zur Entstehung dörflicher Gemeinschaften, in denen die Russischsprachigen die Mehrheit erlangten? Oder bildeten die russischsprachigen Zuwanderer überall in Transkarpatien nur Minderheiten in größeren Städten, also vor allem in Munkatsch und Ungvar? Gibt es im Oblast Transkarpatien Gymnasien oder ähnliche Schulen, in denen primär Russisch als Unterrichtssprache verwendet wird?


Also zur Bevölkerungsentwicklung gibt der Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... Auskunft.

Demnach zählten sich 2,5% (31 Tsd) der 1,2 Mio. Einwohner zur russischen Ethnie. 1989 waren dies noch 4,0%, was einer Abnahme um 37,3% entspricht. Größere russische Communities gab es demnach vor allem in den Städten (Mutschewe/Munkatsch). Zu geschlossenen Siedlungsgebieten habe ich kein Material gefunden. In der russischen und der ukrainischen Wikipedia wird eine aus diesem Zensus generierte Karte benutzt. Diese findest du hier und hier. Blau steht hierbei für Gebiete in denen Ukrainer und Russen zusammen leben, was in etwa den Städten entsprechen dürfte. Grün sind die Ungarn, gelb die Rumänen und rosa die Ukrainer/Russinen.
In der Karte bei Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... gibt es auch einige rote Punkte, für russische Einwohner

2002 (ist schon eine Weile her) gab es in der Oblast drei russischsprachige Schulen, 68 ungarische, 11 rumänische und 680 ukrainische - 48 2-3-sprachige. Insgesamt wurden damals auf Ukrainisch 171.581 (85,7%), auf Russisch 2.933 (1,5%), auf Ungarisch 20.873 (10,4%), auf Rumänisch 4.619 (2,3%) und auf Slowakisch 81 (0,04%) Schüler unterrichtet.
Laut Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ..., mit Daten für die Jahre 2004-2007, werden jetzt 1% der Schüler in der Oblast auf Russisch unterrichtet und die Zahl der reinrussischsprachigen Schulen ist auf zwei zurückgegangen und es gibt auch nur noch 36 mehrsprachige Schulen. Doch auch die Zahl der ukrainischen Schulen ist auf 588 zurückgegangen. Es wurden, wenn ich die Zahlen richtig interpretiere, 108 Schulen insgesamt geschlossen. Russischsprachige Hochschulen gibt es nicht und gab es wohl auch nicht.

Eine der russischsprachigen war die Schule Nr. 1 in Mukatschewe, was früher das russische Gymnasium gewesen sein soll (Quelle: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...)

Der Server des Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... ist gerade nicht erreichbar.

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Egon
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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#5 Beitragvon Egon » Donnerstag 16. Juli 2009, 23:39

Danke für die Mühewaltung! Grundsätzlich stimmt es dann wohl, dass (Groß)Russen nirgendwo im Oblast Transkarpatien (zumindest auf Dorfebene) eine Bevöllkerungsmehrheit stellen! Einzig in Munkatz und in Ungstadt stellt diese Gruppe jeweils eine an die 10 % der lokalen Bevölkerung heranreichende erwähnenswerte Minorität. Ansonsten dürfte der russische Bevölkerungsanteil statistisch eher vernachlässigbar sein. Das im Beitrag erwähnte ehemalige russische Gymnasium in Munkatz wird wohl die Puschkinschule sein, die als einzige in der Stadt noch russische Unterrichtssprache anbieten soll. Welche Umgangssprache verwenden eigentlich die noch sporadisch im Lande verbliebenen "Deutschen"? Auch (Groß)Russisch?

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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#6 Beitragvon Handrij » Freitag 17. Juli 2009, 00:10

Egon hat geschrieben:Welche Umgangssprache verwenden eigentlich die noch sporadisch im Lande verbliebenen "Deutschen"? Auch (Groß)Russisch?

Vermutlich einen stark ukrainisch geprägten Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... mit ungarischen und rumänischen, slowakischen Einsprengseln, je nach Gegend. In den Karpaten hatte ich jedenfalls immer den Eindruck, dass die Leute etwas vom Ukrainischen entfernteres gesprochen haben, doch eventuell stellte man sich nur auf meinen vom Russischen dominierten "Surshyk" ein :-D.

Aber vielleicht hat ja jemand der kompetenter ist Fakten und nicht nur Vermutungen ...

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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#7 Beitragvon Egon » Mittwoch 9. September 2009, 21:29

Mittlerweile habe ich die aktuelle Situation herausgefunden. Wie bereits berichtet, ist in Munkatz die Puschkinschule (Schule Nummer 1) die letzte noch auf Russisch unterrichtende Schule. Sie soll interessanterweise bereits wieder Zuspruch von Kindern ukrainischer Eltern, die ihre Kinder gerne auf Russisch lernen lassen wollen, haben. Ob diese ukrainische Eltern betreffende Information stimmt, konnte ich noch nicht verifizieren.

In Ungstadt wird an der Schule Nummer 3 auf Russisch als Unterrichtssprache unterrichtet.

Vielleicht weiß jemand mehr?

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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#8 Beitragvon eurojoseph » Donnerstag 5. November 2009, 00:54

Egon hat geschrieben:Danke für die Mühewaltung! Grundsätzlich stimmt es dann wohl, dass (Groß)Russen nirgendwo im Oblast Transkarpatien (zumindest auf Dorfebene) eine Bevöllkerungsmehrheit stellen! Einzig in Munkatz und in Ungstadt stellt diese Gruppe jeweils eine an die 10 % der lokalen Bevölkerung heranreichende erwähnenswerte Minorität. Ansonsten dürfte der russische Bevölkerungsanteil statistisch eher vernachlässigbar sein. Das im Beitrag erwähnte ehemalige russische Gymnasium in Munkatz wird wohl die Puschkinschule sein, die als einzige in der Stadt noch russische Unterrichtssprache anbieten soll. Welche Umgangssprache verwenden eigentlich die noch sporadisch im Lande verbliebenen "Deutschen"? Auch (Groß)Russisch?

Also ihre krampfhafte Verwendung des Wortes (Gross)russisch sagt einiges ueber sie aus.....

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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#9 Beitragvon Egon » Sonntag 3. Januar 2010, 22:10

Leider habe ich Ihren Beitrag erst heute gelesen. Es gibt nicht allzu viel Bewegung auf diesen Seiten. Daher mein nur sporadisches Interesse. Zu Ihrer Aussage "Also ihre krampfhafte Verwendung des Wortes (Gross)russisch sagt einiges ueber sie aus....." gestatte ich mir zu bemerken, dass im Deutschen traditionell die Russen als "Großrussen", die Ukrainer als "Kleinrussen", aber auch als "Ruthenen", und die Weißrussen als "Weißrussen" bezeichnet werden. Dazu kommen noch u.a. die "Russinen", eine in den Westkarpaten, aber u. a. auch am Balkan siedelnde kleinere slawische Volksgruppe. Der Begriff "Russine" hat im Laufe der Zeit eine starke Inhaltsänderung erfahren. Heute versteht man darunter jene eine Art von Übergangssprache zwischen Slowakisch und Ukrainisch sprechende slawische Bevölkerung. Im Russinischen sollen auch relativ stark nichtslawische Sprachelemente integriert sein. Das in der Woiwodina gesprochene südliche Russinisch soll mittlerweile eine vom in der Karpathoukraine gesprochenen Russinisch signifikant unterschiedliche eigenständige Entwicklung genommen haben. Ich vermute, dass ein guter Teil der in Rumänien als Ukrainer bezeichneten Minderheit den Russinen zuzurechnen sein könnte. 4 Ethnien/slawische Sprachen beinhalten somit traditioneller Weise die Bezeichnung "Russen". Die Verwendung dieser Bezeichnungen sagt kaum etwas über die Person aus, die diese Bezeichnungen verwendet. Gerade einmal, dass diese Person diese Bezeichnungen kennt. Die Bezeichnung "Großrussen" ist derzeit sicherlich nicht allzu stark in Verwendung. Es haftet ihr allerdings nichts Pejoratives an. Was soll Ihrer Meinung nach gegen die Verwendung dieses Begriffes sprechen?

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Re: Situation des Russischen in der Ukraine

#10 Beitragvon Egon » Sonntag 3. Januar 2010, 22:35

Noch ein wenig zur Sprachensituation in der Karpathoukraine: Russisch scheint massiv an Bedeutung zu verlieren. Wie bereits erwähnt, wird es in der gesamten Karpathoukraine nur mehr an 2 Schulen als Unterrichtssprache verwendet. Die ein wenig älteren Kinder dieser Schulen sprechen untereinander ausschließlich Russisch. Bei den Eingangsklassen fällt allerdings auf, dass bereits viele Kinder miteinander vorwiegend Ukrainisch sprechen. Die Dominanz des Ukrainischen scheint sehr stark zu sein. Man kommt in der Karpathoukraine im Allgemeinen auch mit Ungarisch nicht mehr besonders weit. Gleiches gilt für Rumänisch und Slowakisch. Deutsch ist sowieso spätestens seit den Zwangsarbeitsverschickungen von 1945 weitgehendst "tot". Es war gefährlich Deutsch zu sprechen und später konnten es die Kinder der Deutschen nur mehr mangelhaft. Interessant ist allerdings, dass Tschechisch, also die Sprache der das Land von 1919 bis 1938 beherrschenden Nationalität, die übrigens relativ viel dort (natürlich historisch betrachtet völlig frustriert) investiert hat, wieder stark im Kommen zu sein scheint. Überall sind tschechisch registrierte Kraftfahrzeuge zu sehen. Tschechisch dürfte bereits nach Russisch die zweitstärkst verbreitete Fremdsprache in der Karpathoukraine zu sein. Dieses Phänomen dürfte fast ausschließlich auf die sehr starke Arbeitsmigration in die Tschechei zurückzuführen sein. Der Tschechei scheint es gelungen zu sein ganz unauffällig alte wirtschaftliche Kontakte wieder aufzufrischen. Da die Tschechei - wie fast alle europäischen Länder - drückenden Arbeitskräftemangel (solche die arbeiten wollen oder zuminderst "drückend" müssen ...) hat, ist es gewiss als klug zu betrachten die kulturell sehr verwandten slawischsprachigen Menschen der Westukraine ins Land zu locken und sich damit Probleme mit Zuwanderern aus entfernteren Kulturbereichen weitgehendst zu sparen. Die Russischkenntnisse der unter 30jährigen sind signifikant mangelhafter als die der über 40jährigen. Sollte die derzeit stattfindende Entwicklung noch längere Zeit über andauern, so kann es durchaus dazu kommen, dass die Menschen in der Karpathoukraine eher Tschechisch als Russisch als Fremdsprache beherrschen.

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