Kultur, Religion und Geschichte | Spaziergang in Babij Jar

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Spaziergang in Babij Jar

#1 Beitragvon Handrij » Donnerstag 29. September 2011, 20:58

Vor siebzig Jahren ermordeten SS- und Wehrmachtssoldaten wurden in der Schlucht Babij Jar mehr als 33.000 Menschen. Mittlerweile hat die Großstadt Kiew die Schlucht umschlossen. Sie ist heute ein Park.

Bleibt ein Ort derselbe Ort, wenn man an diesem Ort mordet, verscharrt, sprengt, aushebt, verbrennt, mahlt, streut, schweigt, bepflanzt, lügt, Müll ablagert, flutet, ausbetoniert, wieder schweigt, absperrt, Trauernde verhaftet, später zehn Mahnmale errichtet, der eigenen Opfer einmal pro Jahr gedenkt oder meint, man habe damit nichts zu tun? Zur Schlucht Babij Jar fahre ich mit der U-Bahn. Sie liegt nicht mehr am Stadtrand. Die Großstadt Kiew hat Babij Jar längst umschlossen. Eine Tuborg-Bude, ein Kiosk, das Denkmal für die getöteten Kinder. Auf dem Podest liegt eine kleine blaue Socke. Jemand hat sie verloren. Mir fehlt Sauerstoff, ich kann diesen Ort nicht akzeptieren. Sportlerinnen joggen, Jungen spielen Fußball, Männer trinken Bier auf den Bänken, und Rentner sammeln Flaschen ein - der ganz gewöhnliche städtische Stoffwechsel. Babij Jar ist heute ein Park, und ich suche mir meinen Weg. Nein, ich werde mich nicht verlieren, ich habe mehrere Stadtpläne dabei, auch eine aktuelle „Sport-Orientierung in Babij Jar“.


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Re: Spaziergang in Babij Jar

#2 Beitragvon Kurt Simmchen - galizier » Donnerstag 29. September 2011, 23:26

Der jüdische Friedhof von Tschernowitz war verwildert noch vor 12 Jahren, auf dem jüdischen Friedhof von Stanislau ist ein Park mit Kinderspielplatz und vom jüdischen Widerstand hat man in der DDR auch nicht viel, fast nichts gehört.
Niemand redete in der SU von den jüdischen Wissenschaftlern aus Lemberg, Tschernowitz und Stanislau.

War und ist Verschweigen kommunistisches System?

Sind Kommunisten Antisemiten?

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Re: Spaziergang in Babij Jar

#3 Beitragvon Minuteman » Freitag 30. September 2011, 20:32

galizier hat geschrieben:War und ist Verschweigen kommunistisches System?

Sind Kommunisten Antisemiten?


Ich denke schon.


Ich persönlich mag über Babi Jar eigentlich gar nichts mehr lesen, geschweige denn schreiben.
Der Zentralrat der Juden in der Ukraine hat sich die Exklusivität der Verbrechen an ihrem Volk wieder mal gesichert.
Babi Jar ist aber ein Völker-Massengrab. Dort wurden auch Roma und Russen hingerichtet. Während des Holodomor wurden dort Ukrainer verschart und auch tausende ukrainische Nationalisten kamen dort durch Erschiessungen zu Tode.

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Re: Spaziergang in Babij Jar

#4 Beitragvon Handrij » Samstag 1. Oktober 2011, 00:39

galizier hat geschrieben:War und ist Verschweigen kommunistisches System?
Sind Kommunisten Antisemiten?

Ooooaaaah, ist das so schwierig zwischen dem Kommunismus als Utopie und den Phasen der - IMHO - staatskapitalistischen nachholenden Modernisierung in der ehemaligen SU und deren Satellitenstaaten zu unterscheiden?
Zum Kommunismus gibt es allenfalls die Vorgabe von Marx, dass "jeder nach seine Fähigkeiten und jeder nach seinen Möglichkeiten" leben sollte. Was das mit dem "realen Sozialismus" zu tun hatte, wisst Ihr selbst.
Wie Ihr die ganzen jüdischen Kommunisten, die im Übrigen von Stalin vor allem in den 37er Säuberungen liquidiert wurden, in das "antisemitische kommunistische System" integriert, ist mir schleierhaft. Woher der Hass von Großvater und Konsorten gegen den jüdischen Bolschewismus = Kommunismus kam, ist damit ebenfalls nicht erklärbar.
Also bitte haltet Euch mit verkürzten Parolen aus den Zeiten des Kalten Krieges zurück. Übrigens ist weder Janukowitsch noch Medwedjew oder gar Putin Kommunist ....
Kommunismus hat weder etwas mit Antisemitismus noch mit Menschenhass zu tun. Aber selbst lange Begründungen werden hier nichts bewirken ... ich bitte jedoch um Differenzierungen, wenn so etwas möglich ist.

Zu Minutemans Unterstellung der "Instrumentalisierung" des Holocausts muss mensch ja auch nicht viel sagen. Es tut mir leid, aber das riecht mir auch zu sehr nach einfachen Weltbildern ...

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Re: Spaziergang in Babij Jar

#5 Beitragvon Minuteman » Samstag 1. Oktober 2011, 08:40

Handrij hat geschrieben:
Zu Minutemans Unterstellung der "Instrumentalisierung" des Holocausts muss mensch ja auch nicht viel sagen. Es tut mir leid, aber das riecht mir auch zu sehr nach einfachen Weltbildern ...


Jo, die "Instrumentalisierung" unterstelle ich ganz offen.
Holocaust, Holodomor oder Genozid. Über die Begriffsdefinition mag man sich streiten.
So war kürzlich während des diplomatischen Disputs zwischen der Türkei und Israel aus der Knesset zu hören, daß man nun sehr wohl über die Anerkennung des Genozids am Armenischen Volk 1915 - 1916 nachdenke, dann ist das m.E. sehr wohl eine Instrumentalisierung eines Völkermords, wo auf dem Rücken vieler Toter Politik gemacht wird.

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Re: Spaziergang in Babij Jar

#6 Beitragvon Handrij » Samstag 1. Oktober 2011, 10:13

Minuteman hat geschrieben:Jo, die "Instrumentalisierung" unterstelle ich ganz offen.
Holocaust, Holodomor oder Genozid. Über die Begriffsdefinition mag man sich streiten.


Ähm, dir ist schon klar, dass Holocaust und Holodomor geschichtliche Ereignisse und Genozid eine vor allem juristische Kategorisierung ist?

Minuteman hat geschrieben:So war kürzlich während des diplomatischen Disputs zwischen der Türkei und Israel aus der Knesset zu hören, daß man nun sehr wohl über die Anerkennung des Genozids am Armenischen Volk 1915 - 1916 nachdenke, dann ist das m.E. sehr wohl eine Instrumentalisierung eines Völkermords, wo auf dem Rücken vieler Toter Politik gemacht wird.

Sicher wird mit diesen Ereignissen Politik gemacht, aber wenn du einen "Zentralrat der Juden" in der Ukraine suchst, wirst du meines Erachtens nach nicht fündig werden. Es gibt einen Allukrainischen jüdischen Kongress (http://www.jewish.kiev.ua/) inwieweit er sich in Belangen der jüdischen Community in der ukrainischen Gesellschaft einmischt und diese überhaupt repräsentiert, kann ich nicht beurteilen. Eine Position des "Zentralrates der Juden in der Ukraine" zum Holodomor müsstest du auch erst einmal anführen.
Die mir bekannten öffentlichen jüdischen Ukrainer äußern sich in der Regel nicht zu diesem Thema. Beim groben Scannen der persönlichen Seite von Alexandr Feldman (Präsident des 2008 gegründeten Ukrainischen jüdischen Komitees), fällt mir gerade auf, dass er in Jerusalem einen ukrainischen Park errichtet, in dem ein Denkmal an die Opfer des Holodomors erinnern soll. Die jüdischen Ukrainer sind wahrscheinlich genauso zersplittert, wie die "Nationaldemokraten" und damit letztendlich Ukrainer - zwei Gruppen drei Hetmans.

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Re: Spaziergang in Babij Jar

#7 Beitragvon Minuteman » Samstag 1. Oktober 2011, 12:59

Handrij hat geschrieben:
Minuteman hat geschrieben:Jo, die "Instrumentalisierung" unterstelle ich ganz offen.
Holocaust, Holodomor oder Genozid. Über die Begriffsdefinition mag man sich streiten.


Ähm, dir ist schon klar, dass Holocaust und Holodomor geschichtliche Ereignisse und Genozid eine vor allem juristische Kategorisierung ist?

Minuteman hat geschrieben:So war kürzlich während des diplomatischen Disputs zwischen der Türkei und Israel aus der Knesset zu hören, daß man nun sehr wohl über die Anerkennung des Genozids am Armenischen Volk 1915 - 1916 nachdenke, dann ist das m.E. sehr wohl eine Instrumentalisierung eines Völkermords, wo auf dem Rücken vieler Toter Politik gemacht wird.

Sicher wird mit diesen Ereignissen Politik gemacht, aber wenn du einen "Zentralrat der Juden" in der Ukraine suchst, wirst du meines Erachtens nach nicht fündig werden. Es gibt einen Allukrainischen jüdischen Kongress (http://www.jewish.kiev.ua/) inwieweit er sich in Belangen der jüdischen Community in der ukrainischen Gesellschaft einmischt und diese überhaupt repräsentiert, kann ich nicht beurteilen.......



Ok, ich sollte echt genauer drauf achten was und wie ich es schreibe, und klarer zum Ausdruck bringen :-D
Und bezüglich des "Zentralrats der Juden in der UA" genauer nachschauen ob es sowas namentlich gibt, ich bin jedenfalls davon ausgegangen, daß es etwas vergleichbares gibt. Ist in diesem Zusammenhang m.E. aber auch nebensächlich.
Mir ging es in erster Linie darum das mit den Begrifflichkeiten Genozid, Völkermord, Holodomor und Holocaust sehr wohl Politik gemacht wird, und es die Israelis und/oder Juden diese Begriffe und Ereignisse verstehen zu instrumentalisieren, und dies eben nichts mit einem einfachen Weltbild zu tun hat.

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