Kultur, Religion und Geschichte | Spiegel: Die halbe Krim in hundert Stunden

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Handrij
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Ukraine

Spiegel: Die halbe Krim in hundert Stunden

#1 Beitragvon Handrij » Freitag 14. August 2009, 11:58

Die halbe Krim in hundert Stunden

Von Matthias Streitz

Hier rostet die Schwarzmeerflotte, hier drängeln Touristen an die Strände von Jalta: Die Krim im Sommer, das ist ein Traum für Wanderer, ein Studienziel für Geschichtsinteressierte - und für Badegäste ein Dauerkarneval. Kann man das alles an einem verlängerten Wochenende sehen? Man kann!

Der Trip hat sich gelohnt, schon jetzt. Mein Graumarkttaxi rollt in die Altstadt von Bachtschissarai hinein, rechts ziehen zwei, drei Minarette vorbei, und natürlich hat mein Fahrer nicht die Spur einer Ahnung, wo sie denn liegt, die "Inselstraße". Ich krame das Handy hervor und rufe Dilara an, meine Wirtin und Gastgeberin.

"Fahrt zum Dorfplatz weiter, parkt vor dem Laden. Dann wartet."

Hier stehen wir also, drei Minuten, sieben schon, zehn. Dann kommt Dilaras Mann Riza zu Fuß die steile Straße heruntergeholpert, er ist um die 60 Jahre alt. Er steigt ins Taxi, lotst uns persönlich durch die Kurvengassen zum "Hotel" mit seinen vier Gästeräumen. Das Zimmer, der Talblick, dann tatarischer Kaffee! Vor 90 Minuten erst ist mein Flugzeug auf der Krim gelandet. Und schon fühle ich mich eingenommen von Gastfreundschaft.

"Die Krim", das ist ein Begriff mit hundert Bedeutungen. Der eine denkt an Sekt, der andere an Stalin. Vielen fällt der Dauerstreit um die Schwarzmeerflotte ein, manchen das Ostblock-Jugendlager Artek. Die Krim ist heute wieder Heimat für 260.000 Tataren, darunter meine Gastgeber im Örtchen Bachtschissarai. Und Hunderttausende Ukrainer und Russen suchen hier allsommerlich das, was Deutsche am Mittelmeer finden: Strand, Hitze, Party! Von Donnerstag bis Montag habe ich, um all dem hinterherzuspüren - verflixt wenig Zeit für 26.100 Quadratkilometer Land.

Aber dann lieber gar nicht fahren? Unsinn!

Die größte Überraschung der Reise heißt Sewastopol, meine zweite Station. Wer hätte das gedacht: Die größte Krim-Stadt, ein Hafen-und-Plattenbau-Moloch mit 380.000 Menschen, beherrscht die Leichtigkeit des Seins. An der Uferpromenade nahe des "Denkmals der versenkten Schiffe" spielen Livebands, Schüler skaten zwischen Touristen und Liebespärchen hindurch. Badende springen an allen möglichen und undenkbaren Orten vom Beton aus ins Wasser. Am Abend wird unter freiem Himmel Karaoke gesungen, meist russische Rührschlager. Nur ein alternder Herr krächzt politisch-bewegt in sein Mikro: "Vergesst nicht, vergesst nicht die Lager."

Per Taxi, Autobus und Minibus: Die Vier-Tage-vier-Städte-Route durch den Südwesten der Krim
Mehr als 500 Euro hat der Flug auf die Halbinsel in der Südukraine gekostet, inklusive Umsteigen in Prag und in Kiew, aber das war schon das Teuerste am Spontantrip auf die Krim. Ein nettes Zimmer privat bekommt man für ein paar Euro, ein hässliches in einem Drei-Sterne-Sowjetklotz für 50. Essen kostet fast nichts (von Sushi-Bars am Meer einmal abgesehen), Busfahren ist noch billiger. Vier Übernachtungen, vier Städte, das geht auf der kompakten Krim, ohne in Stress auszuarten. Mit ein paar Sätzen Russisch kommt man fast überall hin.

Weiter, weiter, das nächste Ziel! Der Autobus ist eng, heiß, überbucht. Eine Mitfahrerin zwängt sich auf den Platz zwischen zwei Sitzen, ihr Mann wird auf einen Hocker im Gang verbannt. Wer in den Ex-Staaten der UdSSR verreist, der muss das Improvisieren lieben. Vor dem Fenster eine Landschaft voller Fotomotive: steile Abhänge, Pinien, weiße Nobeldatschen am Fels, darunter das Schwarze Meer. Aber irgendwie kommt man in der Ukraine immer auf Politik, wie jetzt in der Platzreihe vor mir.

Der Tourist aus Moskau (Mitte 40, dekorativ ergraut, Markenkleidung): "Ich verstehe das nicht, warum habt ihr diesen Juschtschenko zum Präsidenten gewählt?"

Die Ukrainerin (ortskundig, 20 Jahre älter, mit Goldzähnen): "Die Hälfte, vielleicht zwei Drittel der Ukraine wollen ja nach Westen, so wie er. Bei uns auf der Krim ist das anders."

Am Bus ziehen die ersten Billboards der Wahlkämpfer vorbei: Union der linken Kräfte, Partei der Regionen, Partei Vaterland. Im Februar wird ein neuer Präsident gekürt in diesem Staat, der in zwei Teile zerfällt - einer drängt zur EU, der Südosten zurück Richtung Russland. Auf der Krim sind die Loyalitäten klar: In der letzten Volkszählung nannten 77 Prozent Russisch als ihre Muttersprache, Ukrainisch gerade mal zehn Prozent.

Der steinige Strand von Jalta, so viel ist klar, ist noch heute so russisch wie zu Zeiten Leonid Breschnews. Die Promenade des "Kurorts" gleicht einem Jahrmarkt, überall Kinderkarussells, Schießbuden, Maiskolbenverkäufer für die Touristen aus Putins kaltem Reich. Irgendein Investor mit Humor, Größenwahn oder beidem hat eine Asterix-bei-Kleopatra-Sklavengaleere ins Meer gebaut - sie beherbergt das Restaurant "Goldenes Vlies", kitschig, komisch, überteuert.

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rastwatwatri
    unknown unknown
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Re: Spiegel: Die halbe Krim in hundert Stunden

#2 Beitragvon rastwatwatri » Montag 16. April 2012, 19:03

Wer " Die halbe Krim in hundert Stunden " bereist hat, ist nicht mehr als ein Schnappschuss-Japaner. Diese bereisen Europa in 5 Tagen und brauchen dann 200 Tage , um Ihre Fotos auszuwerten. Wer die " halbe Krim " in einer so kurzen Zeit befahren, beflogen oder kutschiert hat, hat sicherlich vieles verpaßt. Dieser kann sich die Kosten sparen und seinen Urlaub am heimischen PC machen. Diesem sind doch sehr viele Dinge auf der Krim und im Leben auf der Krim entgangen. Aber was soll`s wieder einer aus der großen RIEGE der rasenden Reporter, die für Storys schreiben bezahlt werden.

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