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Sprachenstreit und Schokolade

#1 Beitragvon mbert » Sonntag 25. November 2012, 14:46

Wie aus der ukrainischen Presse zu erfahren war (z.B. Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...) hat der ukrainische Süßwarenhersteller Рошен ein Problem mit den Kosten, die dadurch entstehen, dass die Aufschrift auf Etiketten in zwei Sprachen (Russisch und Ukrainisch) zu pflegen. So beschloss man, es auf eine Sprache zu reduzieren und wählte die Sprache, "die alle in der Ukraine verstehen" - Russisch. Das ist noch zusätzlich "interessant", alldieweil die Firma ihren Hauptsitz bei Vinnytsya hat, einer Stadt im ukrainischsprachigen westlichen Zentrum des Landes.

Diverse Leute haben nun zum Boykott aufgerufen, was ich ehrlich gesagt durchaus sympathisch finde (und nicht soo schwierig, da ja Світоч schon seit längerem bessere Produkte herstellt), aber interessant finde ich in diesem Zusammenhang schon, dass im Kontext der ganzen Diskussionen um Änderungen der Sprachgesetzgebung (also sowohl was das KK-Gesetz betrifft als auch die entsprechenden Vorstöße davor), hier sich ganz offensichtlich ein Argument, das von der anderen Seite gern ins Lächerliche gezogen wurde, bewahrheitet: wenn die Staatssprache nicht mehr verpflichtend und es letztlich jedem selbst überlassen ist, in welcher Sprache er publiziert, Packungen beschriftet oder gar Straßenschilder (bin ehrlich gesagt nicht sicher, wie derzeit der Status bezüglich Straßenschildern ist), dann geschieht das zu Lasten der ukrainischen Sprache, da durch die Russifizierungspolitik der sowjetischen Zeit (und der Regionalen jetzt) ohnehin jeder Russisch versteht und daher die "Notwendigkeit" einer anderen Sprache wegfällt.

Nun sind Bonbon-Etikette keine dramatische Umwälzung, und niemand wird daran verhungern oder was auch immer, aber es ist ein interessantes Detail und sollte die Menschen vorsichtig machen, ihre nationale Eigenständigkeit nicht leichtfertig zu opfern.

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#2 Beitragvon Handrij » Sonntag 25. November 2012, 22:54

Poroschenko hat ein Machtwort gesprochen:
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Щодо ситуації навколо продукції Roshen.

В мене є правило – не втручатися у діяльність компаній, акціонером яких я є. Це стосується і “Кореспонденту”, і 5 каналу, і Roshen.

Сьогодні Roshen - це не просто бізнес, це один з брендів України в світі.

Питання, які стосуються мови, суверенітету і територіальної цілісності - це державні питання.

Тому я ініціював обговорення цієї теми на Раді директорів корпорації Roshen, в результаті якого мої аргументи були сприйняті: українські товари на українському ринку мають бути українською мовою.

Це так само важливо, як й те, що в Україні має бути єдина державна мова – українська. Це моя позиція: вона була, є і буде незмінною.


Der verantwortliche Manager hatte in dem vom der Prawda zitierten Interview angemerkt, dass man zu diesem Schritt "wahrscheinlich im Mai" übergegangen war. Zudem betonte er, dass man eigentlich zu lateinischen Buchstaben übergehen müsste, da man mit kyrillischer Schrift seine Sachen nur in Russland, Belarus und der Ukraine los wird.
Zur Erinnerung, damit das hier nicht zu einem einheitlichen Brei verrührt wird:
das Sprachgesetz wurde im Juli verabschiedet, trat im August in Kraft und betrifft die Sprache, in der die Behörden kommunizieren sollen!
Seit der Unabhängigkeit ist es zudem üblich, dass Verpackungen in russischer, englischer, deutscher und anderen Sprachen einen Aufkleber mit einer ukrainischen Erklärung bekommen und das zudem in einer meist unleserlichen Schrift. Nicht nur ältere Menschen werden damit Probleme haben und ich habe noch von keiner Protestaktion dagegen gehört.

Das Interview komplett:
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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#3 Beitragvon mbert » Montag 26. November 2012, 00:14

Danke für den Text. Was den Brei betrifft, ist die zeitliche Abfolge hier nicht entscheidend - das ganze Theater um die Sprache hält ja nunmehr schon viele Jahre an. Nur ist dies eben ein recht passendes Beispiel.
Es genügt nicht, nur keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken!

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#4 Beitragvon Sonnenblume » Montag 26. November 2012, 09:12

mbert hat geschrieben:Danke für den Text. Was den Brei betrifft, ist die zeitliche Abfolge hier nicht entscheidend - das ganze Theater um die Sprache hält ja nunmehr schon viele Jahre an. Nur ist dies eben ein recht passendes Beispiel.

Nachdem was Handrij geschrieben hat, ist es für mich nicht wirklich ein passendes Beispiel.
Und wie ich frühe schon sagte, aus meiner Erfahrung kann ich nicht bestätigen, dass das Ukrainische zu Sowjetzeiten unterdrückt wurde. Hab mir gerade einen Bildband mit Fotos aus den 70-gern und 80-gern gekauft, darin kann man sehen, dass die Beschriftungen an Geschäften in Ukrainisch waren, wenn ihr an meinem Erinnerungsvermögen zweifelt. Unsere Unizeitung war zur Hälfte in Ukrainisch und einiges Lehrmaterial auch. All dies wär ausgeschlossen, wenn man die Sprache hätte wirklich unterdrücken wollen!

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#5 Beitragvon Handrij » Montag 26. November 2012, 10:34

Sonnenblume hat geschrieben:Unsere Unizeitung war zur Hälfte in Ukrainisch und einiges Lehrmaterial auch. All dies wär ausgeschlossen, wenn man die Sprache hätte wirklich unterdrücken wollen!

Gern gesehen war Ukrainisch aber wohl trotzdem nicht ...

Der Anteil ukrainischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften sank aber übrigens nach der Unabhängigkeit rapide (die Qualität der Inhalte mal außer acht lassend). Das hat mehr mit marktwirtschaftlichen Erwägungen oder einem sprachlichen Lock-in zu tun, als mit einer gewollten Russifizierungspolitik ....

aber das haben wir ja alles schon öfters mal durchgekaut ...

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#6 Beitragvon Sonnenblume » Montag 26. November 2012, 10:43

Handrij hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:Unsere Unizeitung war zur Hälfte in Ukrainisch und einiges Lehrmaterial auch. All dies wär ausgeschlossen, wenn man die Sprache hätte wirklich unterdrücken wollen!

Gern gesehen war Ukrainisch aber wohl trotzdem nicht ...

Der Anteil ukrainischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften sank aber übrigens nach der Unabhängigkeit rapide (die Qualität der Inhalte mal außer acht lassend). Das hat mehr mit marktwirtschaftlichen Erwägungen oder einem sprachlichen Lock-in zu tun, als mit einer gewollten Russifizierungspolitik ....

aber das haben wir ja alles schon öfters mal durchgekaut ...

Stimmt, das haben wir. Und trotzdem, zwischen gern sehen und unterdrücken gibt es schon noch Unterschiede. ;)

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#7 Beitragvon mbert » Montag 26. November 2012, 12:05

Sonnenblume hat geschrieben:
mbert hat geschrieben:Danke für den Text. Was den Brei betrifft, ist die zeitliche Abfolge hier nicht entscheidend - das ganze Theater um die Sprache hält ja nunmehr schon viele Jahre an. Nur ist dies eben ein recht passendes Beispiel.

Nachdem was Handrij geschrieben hat, ist es für mich nicht wirklich ein passendes Beispiel.

Ich beziehe mich hier vor allem auf die Politisierung der "Sprachfrage" durch die PR seit der Unabhängigkeit. Gegner der Gleichstellung von Russisch und Ukrainisch argumentieren ja, dass durch diese Gleichstellung das Ukrainische noch stärker als ohnehin schon zurückgedrängt wird, da zu erwarten sei, dass in vielen Fällen aus ökonomischen Gründen das Russische als "vollkommen ausreichend" klassifiziert werden könne (z.B. bei Publikationen, aber nicht nur). Ich finde schon, dass das aktuelle Beispiel zu genau diesem Szenario passt.

Der Verweis auf die Russifizierungspolitik ist dabei eher der große Kontext. Ohne die frühere Zugehörigkeit der Ukraine zum zaristischen und später sowjetischen Imperium dürfte sich die Frage nicht in der Form stellen.
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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#8 Beitragvon Sonnenblume » Montag 26. November 2012, 13:55

mbert hat geschrieben:Der Verweis auf die Russifizierungspolitik ist dabei eher der große Kontext. Ohne die frühere Zugehörigkeit der Ukraine zum zaristischen und später sowjetischen Imperium dürfte sich die Frage nicht in der Form stellen.

Genauso wie heute die Ukraine zu recht einfordert, sich eine eigene Landessprache zu geben, genauso wurde eben damals für das Land Sowjetunion russisch als Landessprache bestimmt.

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#9 Beitragvon eurojoseph » Montag 26. November 2012, 15:02

mbert hat geschrieben:
Sonnenblume hat geschrieben:
mbert hat geschrieben:Danke für den Text. Was den Brei betrifft, ist die zeitliche Abfolge hier nicht entscheidend - das ganze Theater um die Sprache hält ja nunmehr schon viele Jahre an. Nur ist dies eben ein recht passendes Beispiel.

Nachdem was Handrij geschrieben hat, ist es für mich nicht wirklich ein passendes Beispiel.

Ich beziehe mich hier vor allem auf die Politisierung der "Sprachfrage" durch die PR seit der Unabhängigkeit. Gegner der Gleichstellung von Russisch und Ukrainisch argumentieren ja, dass durch diese Gleichstellung das Ukrainische noch stärker als ohnehin schon zurückgedrängt wird, da zu erwarten sei, dass in vielen Fällen aus ökonomischen Gründen das Russische als "vollkommen ausreichend" klassifiziert werden könne (z.B. bei Publikationen, aber nicht nur). Ich finde schon, dass das aktuelle Beispiel zu genau diesem Szenario passt.

Der Verweis auf die Russifizierungspolitik ist dabei eher der große Kontext. Ohne die frühere Zugehörigkeit der Ukraine zum zaristischen und später sowjetischen Imperium dürfte sich die Frage nicht in der Form stellen.

Nimm einem Volk die Sprache nimmst du ihm die Identität ....aber zum Verräter Poroschenko
- ich mochte die Strelki mal sehr - jetzt kann er sie sich sonstwo hinstecken ....ich finds immer besonders schlimm, wenn sich ein Superreicher verkauft ....aber so is das - ich kauf nix mehr, wo Roshen draufsteht das is sicher...
und natürlich wird jetzt noch viel mehr mit ökonomisch begründet....man kann nur nach Belarus schauen und sich mit Schaudern abwenden...das lustigste sind eigentlich die russischsprachigen Ukrainer selber, generell wird doch jemand mit ukrainischer Färbung im Russischen sowieso von den "Echten" Russen verachtet - und ist kein "echter" Russe, schon gar nicht, wenn er nicht in der ROK ist ....wenn die einen gesunden Selbstwert hätten würden sie froh sein Ukrainer zu sein ....
The SOVIET STORY - für alle, die noch an das Märchen vom russischen Antifaschismus glauben !Djakuju tobi,shcho ja ne moskal/jingo/sovok ???)SLAVA UKRAYINI !!!!Hitler UND Stalin kaputt - wider braunen UND roten Faschismus

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#10 Beitragvon Optimist » Freitag 30. November 2012, 19:06

Es kommt doch auf den Inhalt an und nicht auf die Verpackung... wie bei uns Menschen!

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#11 Beitragvon Sonnenblume » Montag 3. Dezember 2012, 20:19

mbert hat geschrieben:wenn die Staatssprache nicht mehr verpflichtend und es letztlich jedem selbst überlassen ist, in welcher Sprache er publiziert, Packungen beschriftet oder gar Straßenschilder (bin ehrlich gesagt nicht sicher, wie derzeit der Status bezüglich Straßenschildern ist), dann geschieht das zu Lasten der ukrainischen Sprache, da durch die Russifizierungspolitik der sowjetischen Zeit (und der Regionalen jetzt) ohnehin jeder Russisch versteht und daher die "Notwendigkeit" einer anderen Sprache wegfällt.

Straßenschilder sind, zumindest hier in Kiew, auf Ukrainisch und vereinzelt auch auf Englisch.

mbert hat geschrieben:Nun sind Bonbon-Etikette keine dramatische Umwälzung, und niemand wird daran verhungern oder was auch immer, aber es ist ein interessantes Detail und sollte die Menschen vorsichtig machen, ihre nationale Eigenständigkeit nicht leichtfertig zu opfern.

[ https://fbcdn-sphotos-g-a.akamaihd.net/hphotos-ak-snc7/406957_491660507540600_1434233258_n.jpg ]

Ich denke, hier schießt du mit Kanonen auf Spatzen. "Roshen" ist ja nun kein ukrainisches Wort, sondern einfach nur ein Teil des Nachnamens des Inhabers Po"roshen"ko. Ansonsten schätze ich in der Frage die Freiheit des Unternehmers höher, als ein Pochen aufs Ukrainische. Eine Menge Ukrainer verlieren ihre Arbeit, wenn das Marketing nicht funktioniert und der Bertieb pleite geht. Dann nützt die beste ukrainische Aufschrift nichts mehr.

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#12 Beitragvon mbert » Montag 3. Dezember 2012, 22:51

Sonnenblume hat geschrieben:Straßenschilder sind, zumindest hier in Kiew, auf Ukrainisch und vereinzelt auch auf Englisch.

Ja, das erinnere ich auch so.

Sonnenblume hat geschrieben:Ich denke, hier schießt du mit Kanonen auf Spatzen. "Roshen" ist ja nun kein ukrainisches Wort, sondern einfach nur ein Teil des Nachnamens des Inhabers Po"roshen"ko. Ansonsten schätze ich in der Frage die Freiheit des Unternehmers höher, als ein Pochen aufs Ukrainische. Eine Menge Ukrainer verlieren ihre Arbeit, wenn das Marketing nicht funktioniert und der Bertieb pleite geht. Dann nützt die beste ukrainische Aufschrift nichts mehr.

Naja, ich fand das Bild schon originell. Aber, wo wir beim Namen sind, ist ja nun "Poroshenko" ein eindeutig ukrainischer Name. Ihn "Parashenko" auszusprechen (was sicher eine ganze Reihe Leute tun dürften), ist zumindest nicht "originalgetreu" - umgekehrt fände ich es auch ziemlich albern, den zwischenzeitigen russischen Präsidenten als "Mädwädäw" zu bezeichnen.

Ich mag nicht so recht glauben, dass der Verzicht auf ukrainische Beschriftung Arbeitsplätze rettet. Ich habe übrigens bei meinem letzten Einkauf mal eine größere Menge sehr leckerere Pralines von Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... aus Донецьк gekauft - mit ukrainischer Beschriftung :)
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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#13 Beitragvon Sonnenblume » Dienstag 4. Dezember 2012, 10:20

mbert hat geschrieben: Aber, wo wir beim Namen sind, ist ja nun "Poroshenko" ein eindeutig ukrainischer Name. Ihn "Parashenko" auszusprechen (was sicher eine ganze Reihe Leute tun dürften), ist zumindest nicht "originalgetreu" - umgekehrt fände ich es auch ziemlich albern, den zwischenzeitigen russischen Präsidenten als "Mädwädäw" zu bezeichnen.

Was Medwedjew betrifft, so solltest du mal Sachsen den Namen aussprechen hören ;)
Dass der Name Poroschenko ein typisch Ukrainischer ist, kann ich nicht beurteilen. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Menge Russen auch so heißen. Aber ist ja auch egal. Ich denke nur, man sollte nun nicht in allen Veränderungen gleich einen Angriff auf das Ukrainische wittern.
mbert hat geschrieben:... Ich habe übrigens bei meinem letzten Einkauf mal eine größere Menge sehr leckerere Pralines von Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... aus Донецьк gekauft - mit ukrainischer Beschriftung :)

Danke für den Link. Wußte gar nicht, dass meine Lieblingsleckerei (Bonjour) aus Donezk ist. Aber ich hab ja auch beim Einkaufen nie meine Brille auf, denn das Kleingedruckte lese ich auf Lebensmitteln und Medikamenten lieber nicht. ;)

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#14 Beitragvon mbert » Dienstag 4. Dezember 2012, 10:50

Sonnenblume hat geschrieben:Ich denke nur, man sollte nun nicht in allen Veränderungen gleich einen Angriff auf das Ukrainische wittern.

Tun wir ja auch nicht. Ich find's einfach interessant ;)
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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#15 Beitragvon Optimist » Mittwoch 5. Dezember 2012, 17:12

Mein Fazit: Man kann also weiterhin Schokolade der Firma Roshen essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Ehrlich gesagt, russische Schokolade würde ich auch verspeisen, auch wenn ich mir der "politischen Folgen" vermutlich nicht bewusst bin.

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#16 Beitragvon UkraineInteressierter » Mittwoch 5. Dezember 2012, 19:02

Im Übrigen gibt es auch in Deutschland viele Firmen, die ihre Produkte nur auf Englisch veröffentlichen, ja bei denen sogar die Arbeitssprache Englisch ist. Und noch nicht mal die NPD fordert Boykottmaßnahmen gegen solche Unternehmen...
Geht Deutschland deswegen unter? Nein!

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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#17 Beitragvon mbert » Donnerstag 6. Dezember 2012, 16:16

[mbert moderiert:] So, ich habe mal etwas aufgeräumt. Unsere Abschweifungen finden sich hier wieder: Konflikt um die Sprachen (verschoben aus Schokoladenthread). Ich habe versucht, die Zusammenhänge, so gut es ging, nicht auseinanderzureißen, übernehme aber natürlich keine Haftung :)
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Re: Sprachenstreit und Schokolade

#18 Beitragvon Kolobok » Donnerstag 6. Dezember 2012, 18:14

Dafür wird jetzt im "Konflikt um die Sprachen" über Schokolade diskutiert. [smilie=kosak_2]

Ich habe jetzt keinen Link zur Hand. Aber der Chef, Poroschenko, hat schon zurückgerudert. Natürlich wird auf den Produkten die für die Ukraine produziert werden, die Beschriftung auf Ukrainisch sein. Übrigens wenn er das nicht machen würde, würde er gegen ukrainische Gesetze verstoßen. Selbst in dem neuen Sprachengesetz steht:
3. Маркування товарів, інструкції про їх застосування тощо виконуються державною мовою і регіональною мовою або мовою меншини. За рішенням виробників товарів поруч із текстом, викладеним державною мовою, може розміщуватися його переклад іншими мовами. Маркування товарів для експорту виконується будь-якими мовами.

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