Allgemeines Diskussionsforum"Taras Bulba" im Kino

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Ist der Film "Taras Bulba" sehenswert?

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Handrij
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"Taras Bulba" im Kino

#1 Beitrag von Handrij » Mittwoch 29. April 2009, 23:36

Am 2. April kam der russische Film "Taras Bulba" in die ukrainischen Kinos, im 200. Geburtsjahr des russischen Schriftstellers ukrainischer Herkunft Nikolaj/Mykola Gogol ein - nicht nur in der Werbung - wichtiges Ereignis.
Nachdem ich mir den Film angesehen hatte, war mein erster Eindruck: "Auweia, was für ein russischer Propagandafilm". Inzwischen sind ein paar Wochen ins Land gezogen und derweil habe ich mir das Buch noch einmal im Original (1842er Edition) durchgelesen und muss sagen, dass es einfach eine großartige Literaturverfilmung ist. Die von mir vorher als seltsam bis peinlich empfundenen Stellen, wo die Kosaken sich vor ihrem Tod noch einmal ausführlich zu den Vorzügen der "russischen Erde" und des "rechten/orthodoxen Glaubens" äußern, sind bereits in der Erzählung so angelegt. Ebenso die Darstellung des Kirchenbesuches vor dem Auszug aus der Sitsch. Der Regisseur hätte zwar diese Stellen etwas entschärfen können, doch hat er dies - wohl auch mit Absicht - aber nicht. Auch die Bemerkung Gogols, dass die Kosaken zwar in jeder Situation ihren „Glauben“ vertreten, jedoch nichts von Fasten oder ähnlichem halten, wurde nicht mit eingearbeitet.
Von den Darstellern ist natürlich Bogdan Stupka als Taras überragend - „Jej Bogu“. Ich habe ihm in jeder Sekunde den Kosaken abgekauft, der nur an die nächste "Guljanje" denkt. Von den anderen Schauspielern ist mir nur der Darsteller des "Ostap" Wladimir Wdowitschenkow, der in "Bumer" den "Kostja - Kot" gab, bekannt gewesen, der für das Spiel eines anfangzwanzigjährigen vielleicht etwas alt war (1971er Jahrgang), aber trotzdem - insbesondere auf dem Schafott - auch überzeugen konnte. Den Sprecher im Hintergrund machte im Übrigen der unvermeidliche Sergej Besrukow.
Die übermäßig deutlichen Gewaltdarstellungen muss man wohl dem Zeitgeist zuschreiben (die Russen stehen eben auch auf so etwas). Kleinere Fehler, wie die angeblich halbverhungerte polnische Blondine (im Buch brünett), die aussah, als ob sie sich gerade erst den Bauch vollgeschlagen hätte, was nach dem vorhergehenden Bild der verhungerten Frau besonders auffällig war oder Musketen die im strömenden Regen abgefeuert wurden - habe ich selbst nicht bemerkt :-), gab es auch, waren aber nicht „spielverderbend“. Bleibenden Eindruck hinterlassen in jedem Fall wilden Gestalten. Der Film wird wohl die Vorstellung von Kosaken der Saporoshjer Sitsch auf Jahre prägen.
Vielleicht sollte zum Regisseur Wladimir Bortko noch gesagt werden, dass er in allen Interviews erklärte, dass er die Ukraine, Weißrussland und Russland und deren Einwohner als ein Volk sieht. Seit 2007 ist er auch Mitglied der Kommunistischen Partei Russlands, was immer ihn auch dazu getrieben haben mag. Vorher fiel er mir insbesondere in der Verfilmung von "Master i Margarita" auf, die ich nebenbei gesagt sehr schön fand.
Bortko merkte in einem Interview mit dem "Korrespondent" (Nr. 12 vom 3. April) übrigens an, dass er nicht erwartet, dass der Film seine Kosten einspielt, da er diesen der Sache wegen gedreht hat. Mit Sache meinte er natürlich die Einheit der drei Gegenden Russland, Weißrussland und der Ukraine.
Auffällig war auch, dass die ukrainischen Untertitel sich bei der Ukrainisierung zurückhielten, also war auch dort von der "russischen Erde" zu lesen. In der 1835er Variante hatte Gogol im Übrigen nur von Malorossija und der Ukrajne geredet, was dann in der 1842er Variante fast komplett durch "russisch" ersetzt wurde. Tja, und das ist wohl auch das Hauptproblem, was Ukrainonationalisten mit diesem Film und dem zugrundeliegenden Buch, sowie dem Schriftsteller haben, da geht es zuviel um Russland und das Russische, weniger um die Ukraine und das Ukrainische (Tjahnibok erzählte was vom ersten Kleinrussen). In der Rezension des "Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ... merkte der Autor auch an, dass der Film eigentlich vom Pathos her nach dem Geschmack von Juschtschenko ist, wenn nur "russisch" durch "unser" ersetzt worden wäre.
In jedem Fall werde ich mir den Film später noch einmal ansehen, ungeachtet des ganzen russischen Pathos ist es - vor allem für russische Verhältnisse - ein gut gemachter Film, aber vielleicht irre ich mich ja, oder?

Falls jemand nochmal nachlesen möchte, gibt es hier die "Taras Bulba" Texte auf russisch.
Taras_Bulba_1835.pdf
Taras Bulba von 1835 aus Mirgorod - russisch
(271.82 KiB) 157-mal heruntergeladen
Taras_Bulba_1835.pdf
Taras Bulba von 1835 aus Mirgorod - russisch
(271.82 KiB) 157-mal heruntergeladen
Taras_Bulba_1842.pdf
Taras Bulba von 1842 - russisch
(426.14 KiB) 48-mal heruntergeladen
Taras_Bulba_1842.pdf
Taras Bulba von 1842 - russisch
(426.14 KiB) 48-mal heruntergeladen
Nachfolgend noch einmal die Trailer zum Film:
[youtube][/youtube]
[youtube][/youtube]
Zuletzt geändert von Handrij am Donnerstag 30. April 2009, 18:19, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#2 Beitrag von Handrij » Donnerstag 30. April 2009, 18:04

Nachtrag:
In der heutigen "Ekonomitscheskije Iswestija" steht, dass der Film in den ersten vier Wochen in Russland 16,1 Mio. $ und in der Ukraine 1,8 Mio. $ eingespielt hat. Damit sind die Kosten des Filmes von 25 Mio. $ noch nicht hereingeholt, wobei der Film auch in den anderen postsowjetischen Staaten gewisse Einnahmen bringen wird.
Zuletzt geändert von Handrij am Montag 4. Mai 2009, 15:49, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#3 Beitrag von Taras B » Samstag 2. Mai 2009, 10:37

Der Film wird in Deutschland nicht gezeigt. Daher kann ich nur in Kenntnis der Handlung, in Kenntnis des Schriftstellers und nach Sichtung der beiden offiziellen Trailer urteilen.

(1) Neben anderen Kitsch geht es ja wohl innerhalb der Handlung in erster Linie um die "Familienehre". Der Konflikt eines Vaters mit seinem Sohn, welcher aus Liebe die Seiten wechselte. Wir wissen zumindest was im Buch geschieht und sollten heutzutage - eigentlich - befremdet sein. Mörderische Familienehre 2009, - wie albern!

(2) Es geht wohl heutzutage bei jeder Geschichtsinterpretation eher um Politik. So auch die Ukrainer, die noch rasch in 2009 Masepas Geburtstag auf den März datierten, um ihn, noch bevor die Feierlichkeit zur Schlacht von Poltawa beginnen, und noch bevor Taras Bulba in den Kinos erscheint, ehren zu können.

(3) Die Kosaken lebten nie so, wie es im Russischen Imperium gesehen wurde oder gesehen werden wollte. Fakt ist, dass es Peter der Große war, der die freie Männegesellschaft mit List und Wortbruch ins Imperium holte. Das alles ein Volk war (und ist), ist erwünschte Legende.

(4) Meine Meinung, etwas ausführlicher:
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#4 Beitrag von paracelsus » Sonntag 3. Mai 2009, 09:18

Taras B hat geschrieben:Der Film wird in Deutschland nicht gezeigt. ...........

((2) Es geht wohl heutzutage bei jeder Geschichtsinterpretation eher um Politik. ..............
Ich habe den Film gestern auf meinem Laptpp gefunden [smilie=blush.gif] .

Für meinen Geschmack sind viel zu viel Pathos und Gewalt enthalten.
Allerdings glaube ich nicht, dass dieser Film dem Panslavismus geschuldet ist. Es ist einfach nur ein Geschäft. Möglichst viele Indrigenzien hinein; ein breites Publikum wird angesprochen. Hollywood hat es vorgemacht.

Stichwort Panslavismus (gehört aber nicht in diesen Film-Fred): Wenn das Plebiszit zur Unabhängigkeit der Ukraine von 1991 nicht damals sondern erst heute abgehalten würde, würde dann die Ukraine noch in den aktuellen Grenzen stattfinden?
Dosis sola facit venenum (Allein die Dosis macht das Gift).
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#5 Beitrag von Handrij » Sonntag 3. Mai 2009, 12:26

Taras B hat geschrieben:Der Film wird in Deutschland nicht gezeigt. ...........

((2) Es geht wohl heutzutage bei jeder Geschichtsinterpretation eher um Politik. ..............
Dass der Film nicht im luftleeren Raum steht ist klar und das er Inhalte transportiert, die bestimmten nationalistischen Kreisen dienlich sind, ebenso. Doch wie bereits oben geschrieben, lässt der Film sich auch als Literaturverfilmung "lesen" und da hat Bortko einfach gute Arbeit geleistet, punkt.
Taras B hat geschrieben:Das alles ein Volk war (und ist), ist erwünschte Legende.
Was ist ein Volk? Wenn man jemandem diese Frage stellt - vor allem in den von der Blutsideologie infizierten Gegenden - wird es schnell peinlich ... Eine Frage wäre zum Beispiel: Wieviele Völker leben in Berlin oder in Moskau? Was ist mit denen die neu in Dörfer zogen und sogleich für immer und ewig den Namen "Neumann" oder "Nowak/Noack" bekamen.
paracelsus hat geschrieben: Ich habe den Film gestern auf meinem Laptpp gefunden [smilie=blush.gif] .
Wie der nur dahinkam .... :o

In ukrainischen Foren wurde der polnische Film "Ogniem i mieczem/Mit Feuer und Schwert" (Jerzy Hoffman 1999 nach dem gleichnamigen Roman von Henryk Sienkiewicz) von einigen Teilnehmern gelobt. Er soll eine bessere Darstellung der "realen" geschichtlichen Vorgänge bieten. In diesem wird "Bohdan Chmelnyzkyj" - welch Zufall - von dem Bulbadarsteller Bogdan Stupka dargestellt. Vielleicht findet sich der Film ja bald auf dem einen oder anderen Laptop wieder.
paracelsus hat geschrieben: Stichwort Panslavismus (gehört aber nicht in diesen Film-Fred): Wenn das Plebiszit zur Unabhängigkeit der Ukraine von 1991 nicht damals sondern erst heute abgehalten würde, würde dann die Ukraine noch in den aktuellen Grenzen stattfinden?
Hm, die Krim würde bei einer gesonderten Abstimmung wohl ausscheren oder zumindest ein knappes Ergebnis abliefern. Bei Lugansk oder Donezk bin ich mir nicht so sicher.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#6 Beitrag von Taras B » Dienstag 5. Mai 2009, 08:42

Man kann doch nicht einzelne Worte aus dem Zusammenhang reissen, um sich mit irgendetwas auseinander zu setzen, was nicht geschrieben wurde!
Handrij hat geschrieben:
Taras B hat geschrieben:Das alles ein Volk war (und ist), ist erwünschte Legende.
Was ist ein Volk? Wenn man jemandem diese Frage stellt - vor allem in den von der Blutsideologie infizierten Gegenden - wird es schnell peinlich ... Eine Frage wäre zum Beispiel: Wieviele Völker leben in Berlin oder in Moskau? Was ist mit denen die neu in Dörfer zogen und sogleich für immer und ewig den Namen "Neumann" oder "Nowak/Noack" bekamen.
Die volle Version geht wie folgt:
Taras B hat geschrieben:
(3) Die Kosaken lebten nie so, wie es im Russischen Imperium gesehen wurde oder gesehen werden wollte. Fakt ist, dass es Peter der Große war, der die freie Männegesellschaft mit List und Wortbruch ins Imperium holte. Das alles ein Volk war (und ist), ist erwünschte Legende.
Vielleicht hätte ich besser zwischen "Das" und "alles" ein "dies" einfügen sollen.
Jedenfalls bezieht sich mein Text sich auf den Duktus Gogols in seiner Beschreibung der Sitsch und des Lebens der Kosaken, was er selbst offenbar für etwas Russisches hielt. Es geht also nicht um Volk oder Nation, sondern darum, dass genau diese Männer damals nicht im Russischen Imperium (unter einem Zaren) leben wollten. Peter der I. hatte sie damals ausgetrixt - aber das wäre ein anderes Thema - und wir kriegen heute noch Geschichtsfälschung geliefert. Schamlos. Und hierum geht es.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#7 Beitrag von paracelsus » Dienstag 5. Mai 2009, 13:54

Taras B hat geschrieben: .............- und wir kriegen heute noch Geschichtsfälschung geliefert. Schamlos. Und hierum geht es.
Boh eh, heute? Ich dachte Gogol hätte den Schinken um 1830 herum geschrieben. War Gogol nicht sogar kosakischer Abstammung? Mir scheint, er hat in seinem Buch einen kleinen Vater-Sohn-Konflilt verarbeitet. Klar Pathos, russländischer Nationalismus............. alles der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts geschuldet.

Denk mal daran, zu dieser Zeit gehörte der größte Teil Polens noch zum Russischen Reich, selbst Alaska war noch nicht an die Amis verhökert worden und die Krim gerade mal eingegliedert. Dafür war Galizien Bestandteil der K.u.K.-Monarchie.
In Deutschland gab es das HRR nicht mehr, dafür betrieb Preußen die wirtschaftliche Einigung im Zollverein, suchte die politische Führung unter den Deutschen Staaten und wollte gleichzeitig die Habsburger Vormacht brechen. Zu dieser Zeit herrschte selbst im Deutschen Bürgertum der sentimentale Wunsch nach einem geeinten Deutschen Reich vor.
Mozart hat sich zu Lebzeiten als Deutscher und nicht als Österreicher empfunden. So wird sich wohl auch Gogol vorrangig als russischer Schriftsteller gesehen haben........... .
Ich glaube kaum, dass die orthodoxen Kosaken geschichtsträchtig als Keimzelle der heutigen Ukraine zu sehen sind. Es ist doch mehr oder weniger zufällig, das deren Siedlungsgebiete größtenteils auf dem Territorium der modernen Ukraine gelegen haben.

Aber zurück zum Topic. Ich empfinde den Film zwar als schwülstig und pathetisch, .........aber eine Geschichtsfälschung?

Wäre es ein Hollywoodschinken (den gab es auch schon mal), würde man den Film so sehen wie er ist: als einen Monumentalschinken mit dem Geld verdient werden soll. Dokumentationen laufen selten im Kino.
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#8 Beitrag von Taras B » Mittwoch 6. Mai 2009, 08:32

Na gut, - Geschichtsfälschung nehme ich zurück. Es ist schließlich kein Dokumentarfilm. Es ist - hierauf kann man sich sicher einigen - eine Sicht der Dinge auf das Leben der Kosaken, von der erwünscht ist, es wäre so gewesen. Was natürlich nicht unbedingt stimmen muss.

Aber - füge ich mahnend hinzu - der ganze moralische Kikifatz wie "Familienehre" und "Kämpfen und Sterben für irgendeinen Glauben" sollte 2009 nicht mehr staatlich gefördert werden. Von keinem Staat der Welt.

Zurück zum Thema: Es geht natürlich (auch|vor allem) um die Deutungshoheit gegenüber geschichtlichen Ereignissen. Die ist in der Ukraine oft anders als in Russland. Kunst ist Waffe. Wir dürfen uns schon auf den Pomp der Feierlichkeiten zu Ehren der ruhmreichen Helden der Großen Bedeutenden Heldenschlacht von Poltawa freuen! Slawa!
Bei solcher Gelegenheit werden wir wieder einmal erfahren, dass Masepa - eigentlich - ein Vaterlandsverräter war.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#9 Beitrag von paracelsus » Mittwoch 6. Mai 2009, 11:41

Taras B hat geschrieben: Aber - füge ich mahnend hinzu - der ganze moralische Kikifatz wie "Familienehre" und "Kämpfen und Sterben für irgendeinen Glauben" sollte 2009 nicht mehr staatlich gefördert werden. Von keinem Staat der Welt.
einverstanden
Taras B hat geschrieben: Zurück zum Thema: Es geht natürlich (auch|vor allem) um die Deutungshoheit gegenüber geschichtlichen Ereignissen. Die ist in der Ukraine oft anders als in Russland.
Gibt es denn eine Deutungshoheit? Diese würde Objektivität voraussetzen. Wenn denn schon betrachtet wird, so bedarf es als Minimalanforderung der Würdigung des geschichtlichen Kontextes. Damit sind selbst Historiker oft überfordert
Taras B hat geschrieben: Kunst ist Waffe.
Mag leider so sein. Doch "Waffe" wofür?
Taras B hat geschrieben: Wir dürfen uns schon auf den Pomp der Feierlichkeiten zu Ehren der ruhmreichen Helden der Großen Bedeutenden Heldenschlacht von Poltawa freuen! Slawa!
Bei solcher Gelegenheit werden wir wieder einmal erfahren, dass Masepa - eigentlich - ein Vaterlandsverräter war.
Zumindest begründete der russische Sieg bei Poltawa incl. des späteren Friedensvertrags von Nystad den Aufstieg Russlands zur europäischen Großmacht und fühte gleichzeitig zur Vorherrschaft Russlands in Osteuropa. Masepa hingegen suchte vermutlich einen eigenen "kosakischen" Weg der "Pfründewahrung" (ich hätte hier natürlich auch "Unabhängigkeit" schreiben können) für die "kosakische Kriegerkaste" zwischen Russland und Polen (das er schon für Bedeutungslos hielt). Aber selbst die Mehrheit der Kosaken folgten nicht diesem Weg sondern standen auf der Seite Peter`s. Die Frage ob nun "Held" oder "Verräter" klärt sich zumeist durch die Frage nach dem Sieger.

@ Taras B: Warum soll eigentlich krampfhaft eine "eigene" nationale Geschichtsidentifikation für die gesamte moderne Ukraine gefunden werden? M.E. würde eine kritische Auseinandersetzung mit den "Früchten" des ukrainischen Nationalimus des 19. und 20 Jahrhunderts mehr hergeben als eine Wurzelsuche. Selbst ein Galizien von heute ist ein anderes Galizien als das von 1919. Dafür sorgten schon die beiden großen "Menschenfreunde" des 20. Jahrhunderts.
Der Erfolg eines Staates lässt sich doch mehr an der Zufriedenheit seiner Menschen messen als in verschwommenen, ideologisch oder romantisch verbrämten Geschichtesinterpretationen. Ich glaube nicht, dass ein Russland von heute überhaupt eine Bedrohung für die Eigenständigkeit eines Ukrainischen Staates abgeben will. Die Existenz eines Staates der dem Großteil seiner Bevölkerung nicht zum Nutze ist, wird letztlich, wenn überhaupt, durch die eigene Bevölkerung in Frage gestellt.
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#10 Beitrag von Taras B » Mittwoch 6. Mai 2009, 18:56

Warum soll eigentlich krampfhaft eine "eigene" nationale Geschichtsidentifikation für die gesamte moderne Ukraine gefunden werden?
Eigentlich ist das im Kern eine kluge Frage. Und ich sehe bei der Suche nach einer Antwort über das herabsetzende Attribut "krampfhaft" hinweg. Weiß natürlich, dass nichts für die "gesamte moderne Ukraine" gelten kann.
(1) Die Sonderheit der Ukraine besteht darin, dass die territorialen Grenzen nicht den ethnischen entsprechen. Dneprepetrowsk, Charkow, Odessa und Sewastopol sind beispielsweise nicht von Ukrainern geschaffen. Es sind russische Städte und hierin, sowie ostwärts davon lebt russisches Lebensgefühl. Selbst innerhalb ur-ukrainischer Gebiete unterscheiden sich Lebenseinstellungen, je nachdem ob die familiäre Sozialisation westlich oder östlich des Sbrutsch erfolgte. Also kann es logischerweise keine "nationale Geschichtsidentifikation" innerhalb der heutigen Grenzen der Ukraine geben.
(2) Doch so feinfühlig ist man in Russland nicht, einiges davon zu unterscheiden. Ostslawien hat gefälligst so zu ticken wie in Russland üblich und die Geschichte - in genau der Interpretation, wie sie seit Jahrhunderten immer wieder in Zeitung, Buch, Film und Fernsehen gelogen wird (= die Interpretation der Sieger) - hat nach russländischer Auffassung gefälligst überall in den Grenzen der untergegangenen Sowjetunion auch 2009 zu gelten. Weshalb man sogar Unsummen für so einen pathetischen Schinken wie "Taras Bulba" zu investieren bereit ist, denn dass man den Klopper weltweit vermarkten könne, um die Produktionskosten wieder reinzuholen, glaubt wahrscheinlich auch unter den Produzenten niemand.
(3) Die Ukraine selbst (nach 1991), sieht sich in einigen ihrer Gebiete tatsächlich befreit, und das wird jeder bestätigen können, der einmal in der Westukraine gearbeitet hat. Irgendwie scheint zumindest dort ein Organismus mit Leben erfüllt, der jahrzentelang im Dunkeln wuchs, doch sich nun - leider - auch als nationalistischer Wildwuchs gebärdet. Die Irrtümer auf der Suche nach Identifikation sind gewaltig, können aber nicht von Dauer sein. Es ist wohl die vorübergehende Antithese zu kommunistischer Ideologie.
(4) Wer mich kennt kann wissen, dass ich jedwede Form von Nationalismus verabscheue. Und das ich bereit bin dagegen zu streiten. Was mich aber ebenfalls zum Artikulieren zwingt, ist die weitverbreitete deutsche Auffassung, dass hinter Polen Russland liegt oder dass hinter den territorialen Grenzen Russlands Russland nicht aufhört.
(5) Und ich streita auch, weil es unendlich viel mehr Buntes gab und gibt, als viele russische und deutsche Meinungen hergeben.
(6 - als Nachtrag) Eigentlich war Gogol der Verräter.

Ich werde mir den Film neugierigerweise und dabei bemüht, meine Vorurteile vor dem Kino stehen zu lassen, ansehen - ahne jedoch anhand der Youtube-Trailer, was mich erwarten wird.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#11 Beitrag von paracelsus » Mittwoch 6. Mai 2009, 21:14

Taras B hat geschrieben:
(1) Die Sonderheit der Ukraine besteht darin, dass die territorialen Grenzen nicht den ethnischen entsprechen.
Westukrainer und Ostukrainer = unterschiedliche Ethnien? Das halte ich für eine sehr gewagte Ansicht. Kulturelle Unterschiede - sicherlich, aber gleich unterschiedliche Ethnien? Ich möchte Dir kein nationalistisches Gedankengut unterstellen, aber das hört sich in meinen Ohren ziemlich befremdlich an.
Taras B hat geschrieben: Irgendwie scheint zumindest dort ein Organismus mit Leben erfüllt, der jahrzentelang im Dunkeln wuchs, doch sich nun - leider - auch als nationalistischer Wildwuchs gebärdet. Die Irrtümer auf der Suche nach Identifikation sind gewaltig, können aber nicht von Dauer sein.
Hoffentlich, denn dagegen ist "Taras Bulba" als russischer Beitrag eines ukrainischen Schriftstellers zur "russländischen Deutungshoheit" richtig harmlos.

Nachtrag: Ich vermute einfach mal, Gogol könnte heute mit einer "Verräterrolle" gut leben.
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#12 Beitrag von Handrij » Donnerstag 7. Mai 2009, 01:12

Nochmal zu Gogol:
Ich weise noch einmal auf die zwei unterschiedlichen Varianten von „Taras Bulba“ hin, wobei die erstere wesentlich mehr heute dem Hochrussischen fremde Ausdrücke verwendet und die bekannte zweitere wohl im heutigen Sprech aus marketingtechnischen Gründen geschrieben wurde. Er würde sicherlich auch über dem Vorwurf des „Verrats“ stehen. Anschließend steht die Frage, was er denn eigentlich verraten haben soll. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Nummer mit der „nationalen Idee“ gerade erst in Anfängen entwickelt. Paracelsus hat diesbezüglich ja bereits Anmerkungen gemacht. In jedem Falle wäre es schwierig einem Vertreter der damaligen Zeit, selbst aus der Schicht Gogols, die heutigen Vorstellungen von „Nation“, Staat, Volk usw. zu verklickern, ganz zu schweigen vom einfachen „Mushik“, der noch in der Leibeigenschaft steckte.
Weiterhin sitzt Taras B der herrschenden Ideologie einer „nationalen Idee“ auf, wenn er von ur-ukrainischen Gebieten und russischen Städten erzählt. Damit wird nur heutiges Denken auf die Vergangenheit übertragen und dies ist wohl kaum zulässig. Das was heute mit der Ukraine und ukrainisch identifiziert wird, ist allenfalls ein Produkt der Überlegungen Ende des 19. Jahrhunderts und der Verwirklichungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zur Erinnerung: die Trennung nach Ethnien (verklausuliert für Stämme) wurde vor allem um den 2. Weltkrieg herum - mit den bekannten Folgen - praktiziert.
Die Ukraine hat insgesamt das Problem mit der Nationsbildung zu spät gekommen zu sein, daraus folgen meines Erachtens auch die offensichtlichen Minderwertigkeitskomplexe, insbesondere der Westukrainer (alles Böse kommt aus Moskau). Ob es zu der Bildung einer Nation – im heutigen Sinne – der Ukraine kommt, hängt sehr viel vom ökonomischen Gelingen des Staates ab und hier sieht es nicht unbedingt gut aus. Gelungene Nationsbildungen wie Frankreich, Deutschland, Dänemark oder die USA fanden vor mehr als 100 Jahren statt und dies wenn neben der existierenden Idee gleichzeitig eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung stattfand. Die Idee der Ukraine und die Erzählung das es Ukrainer – und nicht Kleinrussen oder Chochly – gibt ist da und funktioniert bei einem Teil der Bevölkerung auf dem heutigen Staatsgebiet der Ukraine. Der andere Teil könnte bei einer eigenständigen, erfolgreichen ökonomischen Entwicklung überzeugt werden und das ist z. B. Juschtschenko, wie ich finde, klar. Paracelsus meinte ja ebenfalls, dass der Staat erfolgreich sein muss, damit eine Identifikation stattfinden kann und Erfolg definiert sich heutzutage vor allem ökonomisch. Russland hat da übrigens überhaupt nichts zu bieten, außer des „weiter so“ und des Lebens von der sowjetischen Substanz. Es gibt eigentlich keine größere politische Partei in der Ukraine die ernsthaft eine Integration in die EU ablehnt. Selbst der Tjahnybok-Fascho findet europäische Standards toll. Alle versprechen europäische und nicht russische Standards für das Leben der Ukrainer. Da kann der kleine Bär nicht mithalten und in der derzeitigen Krise sowieso nicht.
Vor diesem Hintergrund sind wohl auch die Bemühungen der Russen (in Form des Sponsoring des 1. Kanals) - mit nicht nur diesem Film - zu verstehen, wenigstens eine kulturelle Vorherrschaft zu behalten, wenn man denn schon nicht auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet eine Vorbildfunktion erfüllen kann. Doch ist der Appell an nationale oder religiöse Werte oder eine gemeinsame Geschichte wohl in der jetzigen Zeit etwas anachronistisch. Jedenfalls bin ich mir nicht sicher, wie ernst Bekenntnisse zu diesen Werten zu sehen sind. Die Abstimmung mit den Füßen von vor allem jüngeren, gut ausgebildeten Leuten, nicht nur in der Ukraine, spricht von etwas anderem als einer Identifikation mit diesen Werten. Andererseits neigen diejenigen die zurückbleiben (müssen) bzw. deren Perspektiven (scheinbar) eingeschränkt sind - und das ist die Mehrheit, zu einem Rückfall zu diesen irrationalen Ideen (Tjahnybok/Swoboda und die NPD lassen grüßen) der „nationalen“, „kulturellen“ oder „sprachlichen“ Homogenität. Das scheint wohl eines der Merkmale der uns umgebenden allumfassenden Konkurrenz zu sein. Die (vermeintlichen) Verlierer derselben flüchten sich in Irrationalitäten wie die Nation, die Rasse usw. um Schutz vor den Verwerfungen der „besten aller möglichen Welten“ zu finden. Jedenfalls bleibt es weiterhin spannend zu beobachten, wie das Projekt des „Nationbuildings“ in der Ukraine weiter geht. Bleibt zu hoffen, dass das von Andreas Umland entwickelte Szenario sich nicht bewahrheitet und die Ukraine eher in der EU landet oder allgemein die Menschheit Quark wie die „nationale Idee“ überwindet. Danach wird hoffentlich auch Taras B den Film als Literaturverfilmung betrachten können und nicht als Ausdruck der Phantomschmerzen des russischen Reiches sehen.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#13 Beitrag von paracelsus » Donnerstag 7. Mai 2009, 11:15

Handrij hat geschrieben: Jedenfalls bleibt es weiterhin spannend zu beobachten, wie das Projekt des „Nationbuildings“ in der Ukraine weiter geht. Bleibt zu hoffen, dass das von Andreas Umland entwickelte Szenario sich nicht bewahrheitet und die Ukraine eher in der EU landet oder allgemein die Menschheit Quark wie die „nationale Idee“ überwindet.
Genau diese Art spekulativer Bedrohungs-Publikationen wie die des A. Umlands im verlinkten "Szenario" sollen die Angst vorm Russischen Bären befördern. Besonders "beeindruckt" hat mich folgende Textstelle:
Ähnliches gilt für das Verhältnis der russischen Bevölkerung und nicht zuletzt der russischen Elite zu solchen Ländern wie Georgien oder der Ukraine. Die offiziellen und demokratisch gewählten Staatschefs dieser Länder werden in den russischen Massenmedien nahezu täglich der Lächerlichkeit preisgegeben bzw. von führenden russischen Journalisten als Marionetten der USA stigmatisiert.
Für den Eindruck der Lächerlichkeit können die demokratisch gewählten Staatschefs dieser Länder ganz gut selbst sorgen. Juschtschenko kann - Gott sei es gedankt - dem Saakaschwili in dieser Disziplin natürlich nicht das Wasser reichen.

An eine EU-Mitgliedschaft innerhalb der nächsten 20 Jahre kann ich einfach nicht glauben.
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#14 Beitrag von Taras B » Donnerstag 7. Mai 2009, 12:38


Weiterhin sitzt Taras B der herrschenden Ideologie einer „nationalen Idee“ auf, wenn er von ur-ukrainischen Gebieten und russischen Städten erzählt. Damit wird nur heutiges Denken auf die Vergangenheit übertragen und dies ist wohl kaum zulässig. Das was heute mit der Ukraine und ukrainisch identifiziert wird, ist allenfalls ein Produkt der Überlegungen Ende des 19. Jahrhunderts und der Verwirklichungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Dieses Argument verstehe ich nicht. Bayern bleibt ja auch immer Bayern, egal ob die übergreifenden Grenzen die von Österreich oder Deutschlands sind. Oder noch übergreifender: Die der Europäischen Union.
So auch die Ukrainer, die irgendwann einmal sowohl unter polnischer, wie auch unter russischer Verwaltung lebten. Die sich ihre Identität aber dennoch über Jahre der kulturellen Unterdrückung bewahrten, ihre Sprache, wie auch Lebensweise. Es gibt sogar religiöse Sonderheiten. Grund also für ein nationales Wir-Gefühl.
Gleiches, aber in anderer Richtung, gilt natürlich ebenfalls für die Einwohner der Krim, für Odessa und die anderen Gebiete, die einst zum russischen Imperium gehörten und deren Lebensweise von der russischen geprägt war und ist.
Muss man das wirklich thematisieren? So etwas ist doch logisch. Jeder Zeitungs-Praktikant, der einen Artikel über die Ukraine in Auftrag bekommen hat schreibt "Die Ukraine ist gespalten" und faselt dann etwas von prorussischem Osten versus prowestlichem Westen.

Meine Botschaft: Die bestehenden Konflikte werden so lange anhalten, so lange man in Russland nicht versteht, dass es zumindest in Teilen der Ukraine Unterschiede geben muss und so lange wir im Westen nicht kapieren, dass diese Unterschiede wesentlich sind. So wesentlich, dass sie nach einer wie auch gearteten Institutionalisierung suchen. Denn erst wenn die Unterschiede klar definiert sind, sollte man nach Gemeinsamkeiten suchen. (Letzteres formuliere ich aus Zeitdruck etwas salopp)

Alles was dazu geeignet ist, ein vorhandenes Lebensgefühl zu ignorieren ("Taras Bulba" bzw. Gogol beschreibt die Kosaken de facto als Russen, die in der Handlung bereit sind, sich für orthodoxen Glauben zu opfern), wird die Spaltung der Ostslawen beschleunigen.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#15 Beitrag von paracelsus » Donnerstag 7. Mai 2009, 16:53

Taras B hat geschrieben: So auch die Ukrainer, die irgendwann einmal sowohl unter polnischer, wie auch unter russischer Verwaltung lebten. Die sich ihre Identität aber dennoch über Jahre der kulturellen Unterdrückung bewahrten, ihre Sprache, wie auch Lebensweise. Es gibt sogar religiöse Sonderheiten. Grund also für ein nationales Wir-Gefühl.
Nicht zu vergessen die 146 Jahre Zugehörigkeit zum K.u.K.-Vielvölkerstaat.................. . Nur das Galizien der K.u.K.-Zeit gibt es nicht mehr. Die Juden wurden vernichtet, die Polen vertrieben und Stalin sorgte für eine sowjetische Ausgleichsbesiedlung. Ich habe mal eine Dame aus Lemberg - zu einer Zeit als die Orangen noch orange leuchteten -kennengelernt, die weigerte sich glatt russisch zu sprechen..... , klingt doch schon fast so ähnlich wie Gogols Kosaken, die für die russische Erde zu sterben bereit waren......... :o

Ich überspitze jetzt einfach mal: Galizien oder der Traum von Arkadien ohne Hirten. Ob die Ukrainer mehrheitlich so denken?
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#16 Beitrag von Handrij » Freitag 8. Mai 2009, 11:31

Taras B hat geschrieben: Dieses Argument verstehe ich nicht. Bayern bleibt ja auch immer Bayern, egal ob die übergreifenden Grenzen die von Österreich oder Deutschlands sind. Oder noch übergreifender: Die der Europäischen Union.
So auch die Ukrainer, die irgendwann einmal sowohl unter polnischer, wie auch unter russischer Verwaltung lebten. Die sich ihre Identität aber dennoch über Jahre der kulturellen Unterdrückung bewahrten, ihre Sprache, wie auch Lebensweise. Es gibt sogar religiöse Sonderheiten. Grund also für ein nationales Wir-Gefühl.
Quatsch, Sarmatien bleibt auch immer Sarmatien. Was in Bayern nicht so offensichtlich ist, sollte in der Ukraine wohl klarer sein. Die Bezeichnung einer Gegend hängt von deren Bewohnern und ihrem Selbstverständnis ab und selbst wenn die Eigenbezeichnung (relativ) konstant bleibt, haben die Bewohner kaum etwas gemeinsam. Dein immerwährendes Bayern ist so immerwährend wie der immerwährende katholische Glaube. Mit deiner Argumentation könnte man ja auch die Kiewer Rus wiederbeleben, da sich die Bewohner ja ihre Eigenheiten - z. B. den orthodoxen Glauben und das Eiermalen - bewahrt haben und es die Kiewer Rus immer geben wird, ganz gleich wer den "Besatzer" spielt. Ich wiederhole es noch einmal: Die ukrainische Identität ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts, genauso wie die italienische oder die deutsche. Andere Gegenden sind da ein wenig schneller gewesen mit der "modernen Idee", z. B. Frankreich oder Großbritannien.
Leider kann man den Test nicht mehr machen, doch würdest du mit dem heutigen modernen Standardukrainisch in einem Karpatendorf des 17. Jahrhunderts vermutlich nicht sehr weit kommen und wenn du den Leuten was von "ihr seid doch alle Ukrainer" erzählt hättest, wärest du wahrscheinlich ausgelacht worden. Irgendwann wurde in jedem der heutigen Nationalstaaten mal eine Standardsprache festgelegt und diese den Leuten eingeprügelt. Heute geht das einfacher über Fernsehen usw. Doch wenn jedes Dorf seinen eigenen Dialekt hat, dann ist eine Verständigung zwischen einem Typen aus Vorpommern und einem aus der Gegend von Freiburg nur schwer möglich. In Frankreich oder Spanien ist es das gleiche gewesen und diese Gemeinsamkeiten wurden erst geschaffen. In den Karpaten hätte man den Leuten auch gut eine slowakische Identität beibringen können. Jetzt wird ihnen etwas von der ukrainischen erzählt und manche neigen der Erzählung der russinischen Identität zu. Da ist nichts immerwährend ...

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#17 Beitrag von Taras B » Samstag 9. Mai 2009, 09:48

Die Frage ist doch, ob wir uns einigen WOLLEN. Ich schreibe etwas, irgendwer schreibt etwas anderes und so kann es nun monatelang weiter gehen.

Ging es nicht um "Taras Bulba"?
Hierzu behaupte ich nach wie vor tapfer: Es ist noch nicht einmal so gewesen, wie Gogel es beschrieb. Und nach den Trailern zu urteilen, hat man im Film jener "Interpretation" noch etwas aufgesetzt. Es scheint wie bei dem Amikitsch über Vietnam. Plötzlich - bei den Amis witzigerweise sogar nach der Niederlage - sieht man nur noch Sieger. Diejenigen nämlich, die sich ausdenken, wie es gewesen sein müsste. Weil sie sich als Sieger sehen. Weil sie glauben, mit einem Sieg auch die ewige Wahrheit errungen zu haben. Kann ja alles sein. Und es ist im Prinzip nichts dagegen zu sagen. Doch warum produziert man solchen pathetischen Käse ausgerechnet jetzt 2007-2009 und mit solchem Aufwand? Ohne politische Absicht? Ohne Einfluss nehmen zu wollen? Das kann doch niemand ernsthaft vermuten wollen.

Bei all unserem Gerede kommen wir im Übrigen nicht ohne Definition aus, wenn wir uns wirklich verständigen wollen: Was verstehen wir unter Volk, unter Nation, was ist Lebensweise, Identität? Es ist doch geradezu logisch, dass sich jedes Ergebnis danach unterscheidet, mit welchen Werten die jeweiligen Variablen aufgefüllt sind.

Zum Schluss eine Vermutung: Hätten die Ukrainer mehr Geld zur Verfügung, wären sie ähnlich gleichgeschaltet und hätten sie die Macht der Bilder ebenso begriffen wie man sie inzwischen in Russland begreift, würden wir heute - fast zeitgleich - über einen Monumentalepos zum Leben Masepas diskutieren können. Mit gegenteiligem Vorzeichen gegenüber "Taras Bulba".

...und eine Feststellung: Nicht nur hier, sondern überhaupt und in anderen Foren scheint sich kaum jemand über die Kategorie "Familienehre" zu ärgern. Und die Vorstellung, jemand könnte für eine Ideologie, für seinen Staat oder seinen Glauben in den Tod gehen wollen, hielt ich zumindest in christlichen Kulturen für ausgestorben.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#18 Beitrag von Handrij » Samstag 9. Mai 2009, 12:32

Taras B hat geschrieben: Ging es nicht um "Taras Bulba"?
Hierzu behaupte ich nach wie vor tapfer: Es ist noch nicht einmal so gewesen, wie Gogel es beschrieb.
Wahrscheinlich, aber du darfst einfach nicht vergessen, dass Gogol Schriftsteller war und nicht den Anspruch hatte Historiker zu sein. Außerdem wie paracelsus bereits anmerkte, ist es schwierig dem Schriftsteller der damaligen Zeit mit Normen aus der heutigen Zeit zu bewerten/verurteilen.
Taras B hat geschrieben: Und nach den Trailern zu urteilen, hat man im Film jener "Interpretation" noch etwas aufgesetzt. Es scheint wie bei dem Amikitsch über Vietnam. Plötzlich - bei den Amis witzigerweise sogar nach der Niederlage - sieht man nur noch Sieger. Diejenigen nämlich, die sich ausdenken, wie es gewesen sein müsste. Weil sie sich als Sieger sehen. Weil sie glauben, mit einem Sieg auch die ewige Wahrheit errungen zu haben. Kann ja alles sein. Und es ist im Prinzip nichts dagegen zu sagen. Doch warum produziert man solchen pathetischen Käse ausgerechnet jetzt 2007-2009 und mit solchem Aufwand? Ohne politische Absicht? Ohne Einfluss nehmen zu wollen? Das kann doch niemand ernsthaft vermuten wollen.
Anlass ist vordergründig erst einmal der 200. Geburtstag Gogols.
Wie ich jedoch bereits oben angemerkt habe, hat Bortko sich bemüht nahe am Buch zu sein. Nichtsdestotrotz passt der Film in (russische) politische Konzepte der Bedrohung aus dem Westen und der Einigkeit der slawischen Brudervölker. Trotzdem muss man das für sich ja nicht annehmen, man kann es einfach als "Sandalenfilm" oder wie ich als Literaturverfilmung sehen. Offensichtlich kam dieser Film, trotz des ganzen Aufwandes, in der Ukraine nicht sooo gut an. Zumindest wenn ich die erwähnten Einnahmezahlen betrachte - nach vier Wochen: Russland 16,1 Mio. $ und in der Ukraine 1,8 Mio. $. In der Ukraine sind Kinotickets zwar billiger und es leben weniger Menschen dort, doch ein Neuntel des russischen Umsatzes spricht für sich. Immerhin wurde ich dazu gebracht, mir das Buch noch einmal vorzunehmen, ist ja auch ein Ergebnis :-)

Nebenbei wurde in Russland noch die Erzählung "Der Wij/Вий" verfilmt.
[youtube][/youtube]
Taras B hat geschrieben: Bei all unserem Gerede kommen wir im Übrigen nicht ohne Definition aus, wenn wir uns wirklich verständigen wollen: Was verstehen wir unter Volk, unter Nation, was ist Lebensweise, Identität? Es ist doch geradezu logisch, dass sich jedes Ergebnis danach unterscheidet, mit welchen Werten die jeweiligen Variablen aufgefüllt sind.
Das ist klar, doch wollte ich dir nur zeigen, dass diese Kategorien, die zumeist eine des Ausschlusses sind, nicht feststehen. Diese ändern sich. Gerade du solltest doch die Erfahrung gemacht haben, dass sich Wahrheiten sehr schnell ändern können. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Fakten die wahr sind.
Taras B hat geschrieben: Zum Schluss eine Vermutung: Hätten die Ukrainer mehr Geld zur Verfügung, wären sie ähnlich gleichgeschaltet und hätten sie die Macht der Bilder ebenso begriffen wie man sie inzwischen in Russland begreift, würden wir heute - fast zeitgleich - über einen Monumentalepos zum Leben Masepas diskutieren können. Mit gegenteiligem Vorzeichen gegenüber "Taras Bulba".
Tja, ich glaube Wiktor Andrijowytsch bedauert das auch sehr. Vor zwei/drei Jahren gab es, meiner Beobachtung nach, eine Tendenz zu erhöhten Eigenproduktionen im ukrainischen Fernsehen. Doch in diesem Jahr hab ich eher den Eindruck, dass die russischen Produktionen wieder alles fest im Griff haben. Da fehlt eindeutig das Geld um "gegenzuhalten" ...
Taras B hat geschrieben: ...und eine Feststellung: Nicht nur hier, sondern überhaupt und in anderen Foren scheint sich kaum jemand über die Kategorie "Familienehre" zu ärgern. Und die Vorstellung, jemand könnte für eine Ideologie, für seinen Staat oder seinen Glauben in den Tod gehen wollen, hielt ich zumindest in christlichen Kulturen für ausgestorben.
Hm, hast du da die letzten Kriege verpasst? ;)
Ich glaube schon, dass ein Teil der Leute aus den - weniger christlich, eher säkularen - westlichen Ländern für "Freedom and Democracy" in den Tod gehen, nicht nur, weil sie keinen Job haben bzw. Geld oder eine Ausbildung brauchen. Die Gehirnwäsche in der Ausbildung wird da sicherlich auch einen Teil dazu beitragen. Mich würden jedenfalls keine zehn Pferde in einen dieser "Friedenseinsätze" kriegen.
Btw. Familienehre, um es noch einmal vollständig darzustellen. Taras Bulba tötet Andrij erst nachdem dieser als Anführer des polnischen Gegenangriffs eine Menge der ehemaligen Kumpels umgelegt hat. Sollte er zusehen ?? Die Vollstreckung der ultimativen Strafe durch den Vater selbst, kann man als den Umständen zurechnen. Jedes Kriegsgericht hätte bereits für Desertion vor nicht allzulanger Zeit ähnliche Urteile vollstreckt und die Richter wurden dann demokratische Ministerpräsidenten. Andrij ist nicht nur desertiert (um in heutigen Kategorien zu sprechen), sondern statt beim Frauchen zu bleiben und es sich gut gehen zu lassen, schwingt er sich aufs Pferd und führt einen Angriff gegen die ehemaligen Gefährten an bzw. in die Neuzeit übersetzt: stell dir mal vor, was in Deutschland los wäre, wenn einer der Bundeswehrtypen in Afghanistan plötzlich in Taliban machen (ist erfolgversprechender) und sogar bei Kampfhandlungen gegen die eigenen "Kameraden" mitwirken würde. Es würde keine Woche dauern bis irgendwo in der Presse das bewährte Wort "Vaterlandsverräter" (man denkt jetzt in größeren Verbänden, nicht mehr nur der Familie) auftauchen würde. Die Todesstrafe ist zwar etwas aus der Mode gekommen, doch das kann sich ja auch wieder ändern. Harte Zeiten erfordern drastische Maßnahmen usw. [smilie=nhl_checking.gif]

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#19 Beitrag von Taras B » Samstag 9. Mai 2009, 14:41

Hmmm.

*denke nach*

Die Geschichte kann man im Übrigen auch anders erzählen und sie wäre genauso wahr, wie aus Gogols Feder.
Also: Die beiden Söhne kommen vom Studium zurück, ihr ungebildeter Vater hält sie bei Ankunft für verdorben, will sie an das - für sein Verständnis wahre - Leben "zurückführen", und zwar in die Macho-Community der Sitsch.
Dort angekommen treffen Vater und Söhne auf eine saufende und sich anderweitig vergnügende Männergesellschaft. Taras Bulba findet erst alles toll, später langweilig. "Wie wäre es", so denkt er wohl, "wenn wir zur Abwechslung ein wenig plündern und rauben würden?".
Gesagt - getan. Eine Intrige löst den Kosakenhauptmann ab, der neue zieht mit seinen Mannen auf Beutezug.
Einschub: Was Gogol in den Skat drückt, wir aber aus dem Leben Chmelnizkijs wissen können, ist, dass wenn sie einmal unterwegs waren, in erster Linie die Juden zu leiden hatten. Unter Chmelnizkij - beispielsweise - vermutet man 100.000 jüdische Opfer der Pogrome, dass ist eine gewaltige Größenordnung in Bezug auf die Besiedlungsdichte der damaligen Zeit.
Die Kosaken treffen also auf polnische Städte und neben der Abenteuerlust, kann natürlich auch der Glaube als Argument gelten, zu rauben und zu brandschatzen.
Nur der gescheitere der beiden Söhne schlägt sich - unter anderem auch aus Liebe, die aber möglicherweise nur der Auslöser ist - auf die Seite des Rechts. Doch noch nicht einmal dadurch kapiert der Vater im Unrecht zu sein und opfert schließlich seinen wirren Wertvorstellungen den eigenen Sohn.

(Nicht als Widerrede gedacht, sondern als Ergänzung.)

Ach übrigens - auch nicht als Widerrede - wenn der Anlass tatsächlich einzig und allein der 200 Geburtstag Gogols gewesen ist (worauf ja auch "Wij" hindeutet), so ist der Film eine hohe Ehre. Wahrscheinlich die mit dem finanziell größten Aufwand, die je einem russischen Schriftsteller im eigenen Lande zuteil wurde.

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#20 Beitrag von Handrij » Freitag 3. Juli 2009, 14:18

Zum Hauptdarsteller Bohdan Stupka findet sich beim Ukrainischen Staatsfunk eine dreiviertelstündige Dokumentation (ukrainisch/russisch) im "sowjetischen" Stil.
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Re: "Taras Bulba" im Kino

#21 Beitrag von Handrij » Montag 4. Oktober 2010, 02:35

Inzwischen ist der Film in deutscher Sprache auf DVD und Blue-Ray bei den einschlägigen Quellen erhältlich:

[youtube][/youtube]

Irgendein Marketing-Honk meinte wohl, dass "Taras Bulba" nicht ankommt und hat sich den Titel "Steppensturm - Der Aufstand der Kosaken" ausgedacht. Vermutlich hat das den Film im deutschen Sprachraum vollends ins Abseits gestellt ...

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Re: "Taras Bulba" im Kino

#22 Beitrag von freedom » Sonntag 10. Oktober 2010, 02:04

Handrij hat geschrieben: Die Todesstrafe ist zwar etwas aus der Mode gekommen, doch das kann sich ja auch wieder ändern. Harte Zeiten erfordern drastische Maßnahmen usw. [smilie=nhl_checking.gif]
Klar, solange es nicht dein Leben ist, erlaubst du dir diesen Spruch.

"Härte und Hass sind die Gefährten des Todes." (Altchinesische Weisheit) Wer leben will, richtet sich nach dieser Erkenntnis.

Тарас ШЕВЧЕНКО Думка
...
Думав, доля зустрінеться,—
Спіткалося горе.
А журавлі летять собі
Додому ключами.
Плаче козак — шляхи биті :~(~~~
Заросли тернами.

[1838, С.-Петербург]

Eine US-amerikanische Buchverfilmung aus dem Jahre 1961, hier kurz beschrieben: Nur eingeloggte Mitglieder sehen alle Links ...

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