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DevilsNeverCry
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Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#1 Beitrag von DevilsNeverCry » Montag 28. Juni 2010, 22:11

Москва и Киев вернутся к вопросу Таможенного союза - Тигипко

МОСКВА, 28 июн - РИА Новости. Москва и Киев вернутся к вопросу Таможенного союза (ТС) сразу после вступления России в ВТО, заявил вице-премьер Украины Сергей Тигипко журналистам на 14-ой ежегодной конференции инвесторов в Москве.

"Россия и Украина вернутся к вопросу Таможенного союза сразу после того, как Россия вступит в ВТО и как Украина получит соглашение об ассоциации (с ЕС). После вступления в ВТО Россия пройдет огромный путь, который Украина уже проходила, и мы получим лучшую базу для зоны свободной торговли и, возможно, для более глубоких проектов", - отметил он.

Договор о Таможенном кодексе таможенного союза был подписан в Минске 27 ноября 2009 года. Подписание договора было обусловлено необходимостью формирования правовой базы Таможенного союза в рамках ЕврАзЭС с учетом углубления интеграции между РФ, Белоруссией и Казахстаном.

Целью договора является обеспечение таможенного регулирования на единой таможенной территории Таможенного союза.

Формально Таможенный союз России, Белоруссии и Казахстана начал действовать с 1 января этого года. Однако де-факто говорить о полноценном союзе и единой таможенной территории трех стран можно будет лишь после вступления в силу общего Таможенного кодекса, который должен заработать с 1 июля.

Россия и Казахстан ратифицировали договор о Таможенном кодексе ТС. Минск до сих пор этого не сделал.
http://ua.rian.ru/politics/20100628/78437622.html

Der Vizepremier der Ukraine hat auf einer Investor Konferenz "Russland und die GUS" angemerkt das sobald Russland der WTO beitritt und die Ukraine das Assoziationsabkommen (inkl. Freihandelsabkommen) mit der EU beschließt, sich die beiden Länder der Frage eines Beitritts der Zollunion seitens der Ukraine widmen würden. Er merkte aber an das Russland nach seinem Beitritt zur WTO noch einen langen Weg zurück zu legen habe, ehe man wirklich von einem gemeinsamen Wirtschaftsraum BY-UA-RUS-KAZ sprechen könne.

Russland scheint zumindest einem WTO Beitritt nahe zu kommen:
Kreml tauscht WTO gegen Hühnerfleisch

Moskau. Russland hofft auf einen Durchbruch bei den WTO-Verhandlungen mit den USA: Im September würden die Verhandlungen abgeschlossen, erklärte Präsident Dmitri Medwedew in Washington. Im kommenden Jahr soll der Beitritt nach Moskaus Vorstellungen dann erfolgen.

"90 bis 95 Prozent" der Fragen zu Russlands WTO-Beitritt seien geklärt, teilte USPräsident Barack Obama den versammelten Journalisten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Präsidenten mit. Es handle sich lediglich um einige technische Punkte, fügte Medwedew hinzu. Diese sollen so schnell wie möglich abgeschlossen werden.

Die USA waren bislang das größte Hindernis der Russen auf dem Weg in die WTO, in die das Land seit 1993 strebt. Sollte Washington seinen Widerstand aufgeben, so hofft Moskau, die übrigen WTO-Verhandlungen schnell abzuschließen.

...
weiter geht es hier: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/426854/index.do

und bekanntlich sehen viele aus EU und UA das Assoziationsabkommen schon in diesem Jahr als möglich an. Daher sollte man sich wirklich fragen, ob solch ein Beitritt realistisch sei und ob UA nicht letzlich doch zweigleisig fahren würde was auch schief gehen könnte da:
В Европе считают, что Украине придется выбирать между Таможенным союзом и ЗСТ
09.04.10 07:11

Создание газового консорциума с Россией может помешать сближению Украины и ЕС.
Об этом заявил глава Еврокомиссии, ответственный за переговоры с Украиной о новом соглашении об ассоциации, Хьюг Мингарелли, пишет Українська правда, ссылаясь на материалы ВВС.
Он считает, что создание газового консорциума существенно усилит влияние российского «Газпрома» на украинский газовый рынок.
Кроме того, представитель Еврокомиссии отметил, что вступление Украины в Таможенный союз с Россией, Беларусью и Казахстаном невозможно одновременно с созданием зоны свободной торговли с ЕС.
«Если Украина должна будет присоединиться к этому Таможенному союзу, станет чрезвычайно сложно для этой страны сформировать зону свободной торговли с ЕС», - сказал Мингарелли.

«Формирование Таможенного союза будет означать, что Украина присоединится к общим внешним тарифам с тремя странами, торговля которых с ЕС очень мало либерализована и, боюсь, мы окажемся в тупике», - заявил он.
Одновременно в Брюсселе заявляют, что не имеют оснований не доверять президенту Виктору Януковичу, когда тот заявляет о приоритетности европейской интеграции.
«В Еврокомисиии обращают внимание на тот факт, что Янукович свой первый визит совершил в Брюссель, где пообещал приложить максимум усилий для скорейшего завершения переговоров по новому соглашению об ассоциации», - говорится в сообщении.
По словам представителя Еврокомиссии, эти речи были поддержаны назначениями на ключевые должности лиц, преданных продвижению Украины в ЕС.
К ним Мингарелли отнес премьера Николая Азарова, вице-премьера Сергея Тигипко и министра иностранных дел Константина Грищенко.
По словам еврочиновника, если Украина и дальше будет работать так, как в течение последних трех лет, то переговоры можно будет завершить в течение 12 - ти месяцев.
http://www.glavred.info/print/news/278525.prn

Vertreter der EU darauf hinweisen das ein Freihandelsabkommen der Ukraine mit der EU nicht vereinbar sei mit einem Beitritt zur Zollunion und man UA faktisch vor die Wahl stellt. Faktisch wird auf die Normen und die Gesetze zwischen der EU und den Mitgliedern der kommenden Zollunion verwiesen die fehlen da ein liberalisierter Handel mit diesen Staaten noch lange nicht herrscht. Wahrscheinlich wird das alles auch politische Gründe haben. Wie seht ihr das? Wiederspricht ein Beitritt zur Zollunion der EU Integration von UA? Sicherlich ist Tihipko nur eine Stimme in UA und wahrscheinlich nicht die entscheidende, aber solche Überlegungen sollte man dennoch ernst nehmen. Janukowitsch und Asarow zumindest reden weiterhin von einer EU Integration.

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#2 Beitrag von Handrij » Montag 28. Juni 2010, 22:40

Tihipko hat sich vorige Woche auf der Pressekonferenz zu den einhundert Tagen Regierungszeit Asarow zu diesem Thema geäußert. Dabei war er eindeutig: Ein Beitritt zur Zollunion ist nicht ausgeschlossen, doch darf er das Freihandelsabkommen mit der EU nicht behindern, was im Endeffekt nur bedeutet, dass Russland, Kasachstan und Belarus Standards einführen müssen, die den Bedingungen für den Freihandel mit der EU genügen, um die Ukraine in die Zollunion zu holen. Dabei wäre es sicherlich zielführender gleich über eine Freihandelszone von Wladiwostok bis Gibraltar zu verhandeln, was ein gewisser Herr Jazenjuk in seinem Wahlprogramm vertreten hatte.
Das Gemehre mit Minsk zeigt auch, dass die Integration in die Zollunion den "Einheitlichen Wirtschaftsraum" nicht unproblematisch ist. Minsk hat gerade jedoch nur die Ratifizierung der Zollvereinbarungen als Druckmittel gegenüber Moskau. Allein von der Kaufkraft her ist der EU-Raum auch wesentlich attraktiver für die Ukraine als die alten Absatzmärkte.
Zudem habe ich den Eindruck, dass die derzeitigen ukrainischen Machthaber von dem forschen Auftreten der russischen Seite abgeschreckt sind, soviel Nähe wollte man dann doch nicht.
Kurz: die "Fleischtöpfe" stehen für Janukowytsch und Co. in Brüssel und nicht in Moskau ...

In seinem Büchlein vor der Wahl, wo Tihipko seine (wirtschaftlichen) Vorstellungen von der Entwicklung der Ukraine vorstellte (Украина: Проект Развития), sprach er noch sehr von einer Orientierung der Ukraine auf die Schwellenländer: Brasilien, Indien und China. Bislang konnte er seine/diese Richtung in der Entwicklung der ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen nicht bemerkbar machen. Es dominiert weiterhin der Gegensatz Russland-EU.

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#3 Beitrag von DevilsNeverCry » Mittwoch 30. Juni 2010, 23:12

Handrij hat geschrieben:Tihipko hat sich vorige Woche auf der Pressekonferenz zu den einhundert Tagen Regierungszeit Asarow zu diesem Thema geäußert. Dabei war er eindeutig: Ein Beitritt zur Zollunion ist nicht ausgeschlossen, doch darf er das Freihandelsabkommen mit der EU nicht behindern, was im Endeffekt nur bedeutet, dass Russland, Kasachstan und Belarus Standards einführen müssen, die den Bedingungen für den Freihandel mit der EU genügen, um die Ukraine in die Zollunion zu holen. Dabei wäre es sicherlich zielführender gleich über eine Freihandelszone von Wladiwostok bis Gibraltar zu verhandeln, was ein gewisser Herr Jazenjuk in seinem Wahlprogramm vertreten hatte.
Das Gemehre mit Minsk zeigt auch, dass die Integration in die Zollunion den "Einheitlichen Wirtschaftsraum" nicht unproblematisch ist. Minsk hat gerade jedoch nur die Ratifizierung der Zollvereinbarungen als Druckmittel gegenüber Moskau. Allein von der Kaufkraft her ist der EU-Raum auch wesentlich attraktiver für die Ukraine als die alten Absatzmärkte.
Zudem habe ich den Eindruck, dass die derzeitigen ukrainischen Machthaber von dem forschen Auftreten der russischen Seite abgeschreckt sind, soviel Nähe wollte man dann doch nicht.
Kurz: die "Fleischtöpfe" stehen für Janukowytsch und Co. in Brüssel und nicht in Moskau ...

In seinem Büchlein vor der Wahl, wo Tihipko seine (wirtschaftlichen) Vorstellungen von der Entwicklung der Ukraine vorstellte (Украина: Проект Развития), sprach er noch sehr von einer Orientierung der Ukraine auf die Schwellenländer: Brasilien, Indien und China. Bislang konnte er seine/diese Richtung in der Entwicklung der ukrainischen Wirtschaftsbeziehungen nicht bemerkbar machen. Es dominiert weiterhin der Gegensatz Russland-EU.
Nun, Belarus soll nach inoffiziellen Kreisen heute abend den Vertrag über das Inkrafttreten der Zollunion ratifiziert haben, offiziell gibt es dazu kein Statement und noch am Vormittag knüpfte die Regierung in Belarus dies an die Aufhebung des Exportzolls für Öl aus RUS Richtung EU.

Wenn dem so seien sollte so wäre ein Beitritt zur Zollunion eher unwahrscheinlich. Selbst wenn Russland der WTO beitreten sollte so blieben immer noch Kasachstan und Belarus übrig. Vorher wäre ein Beitritt nicht denkbar und selbst Russland müsste bei einem Beitritt der noch nicht mal in den trockenen Tüchern ist zu sehen Richtlinien einzuführen die den Freihandel zwischen UA und EU nicht bremsen.
Allerdings kann man nie wissen was einen langfristig erwartet und man man sollte sich nicht zu sehr auf die Quelereien zwischen Minsk und Moskau stützen. Das Handelsvolumen zwischen Russland und der Ukraine ist enorm gestiegen und das unterstreicht das ein Zollunion Beitritt gar nicht so schlecht wäre den seien wir mal ehrlich, dass Verfahren für einen EU Beitritt der Ukraine wird sehr lange dauern und so lange der sich hinzieht muss UA sich nach anderen Absatzmärkten umsehen. UA kann nicht ewig vor der Haustür Brüssels stehen, eine Integration in die GUS Strukturen kann auch positive Wirkungen haben die wir an Kasachstan beobachten können.

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#4 Beitrag von Handrij » Donnerstag 1. Juli 2010, 14:03

DevilsNeverCry hat geschrieben: Allerdings kann man nie wissen was einen langfristig erwartet und man man sollte sich nicht zu sehr auf die Quelereien zwischen Minsk und Moskau stützen. Das Handelsvolumen zwischen Russland und der Ukraine ist enorm gestiegen und das unterstreicht das ein Zollunion Beitritt gar nicht so schlecht wäre den seien wir mal ehrlich, dass Verfahren für einen EU Beitritt der Ukraine wird sehr lange dauern und so lange der sich hinzieht muss UA sich nach anderen Absatzmärkten umsehen. UA kann nicht ewig vor der Haustür Brüssels stehen, eine Integration in die GUS Strukturen kann auch positive Wirkungen haben die wir an Kasachstan beobachten können.
Es geht hier nicht um den EU-Beitritt, sondern um das Freihandelsabkommen mit der EU, welches Teil des Assoziierungsabkommens ist und dieses stand im letzten Jahr schon kurz vorm Abschluss. Haupthindernis waren gewisse markenrechtliche Bedenken, vor allem von polnischer Seite.
Ob die Abkommen zur Zollunion kompatibel zum EU-Freihandel sind, bezweifle ich, jedoch ließen sich diese anpassen, wenn es gewünscht ist - siehe Schutz von Handelsmarken. Bei der Zollunion geht es Russland aber auch um die Festigung des politischen Einflusses über eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen, demzufolge sollten die Bedingungen EU-inkompatibel gestaltet werden. Jedoch kann ich mich irren, denn letztendlich müssen die Russen ihren Schrott ja auch irgendwohin verkaufen und sind am billigeren Zugang zu europäischen Märkten interessiert. Andererseits will man ja die Konkurrenz draußenhalten. Russland wird also kein großes Interesse am freien Zugang europäischer Unternehmen zu russischen, kasachischen, weißrussischen und ukrainischen Märkten haben.

Ein interessanter Punkt in der Gemengelage ist, dass die Ukraine mit über den WTO-Beitritt Russlands entscheidet.

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#5 Beitrag von DevilsNeverCry » Donnerstag 1. Juli 2010, 23:21

Handrij hat geschrieben:
DevilsNeverCry hat geschrieben: Allerdings kann man nie wissen was einen langfristig erwartet und man man sollte sich nicht zu sehr auf die Quelereien zwischen Minsk und Moskau stützen. Das Handelsvolumen zwischen Russland und der Ukraine ist enorm gestiegen und das unterstreicht das ein Zollunion Beitritt gar nicht so schlecht wäre den seien wir mal ehrlich, dass Verfahren für einen EU Beitritt der Ukraine wird sehr lange dauern und so lange der sich hinzieht muss UA sich nach anderen Absatzmärkten umsehen. UA kann nicht ewig vor der Haustür Brüssels stehen, eine Integration in die GUS Strukturen kann auch positive Wirkungen haben die wir an Kasachstan beobachten können.
Es geht hier nicht um den EU-Beitritt, sondern um das Freihandelsabkommen mit der EU, welches Teil des Assoziierungsabkommens ist und dieses stand im letzten Jahr schon kurz vorm Abschluss. Haupthindernis waren gewisse markenrechtliche Bedenken, vor allem von polnischer Seite.

Da gab es rechtsstreit wegen Namensrechten einiger Lebensmittel im Hinblick auf die Sprachverwandschaft des ukrainischen mit dem polnischen, oder? Allerdings denke ich das diese Verschiebung auch einen politischen Grund hatte, da man wohl damals die zukünftige Regierung (wie man nun heute wunderbar erkennen kann) an der Angel halten wollte.
Sicherl. geht es hier an erster Stelle um die Freihandelszone, ja. Aber sollte die UA Regierung wirklich eine Integration in die EU anstreben (und Janukowitsch hat sich das Ziel für eine Mitgliedschaft zum langfristigen Ziel gemacht) so wird das langfristig unvereinbar mit einer Zollunion sein, dass gilt schon für die Freihandelszone aber dazu gleich weiter unten. . .
Ob die Abkommen zur Zollunion kompatibel zum EU-Freihandel sind, bezweifle ich, jedoch ließen sich diese anpassen, wenn es gewünscht ist - siehe Schutz von Handelsmarken.
Damit diese kompitabel zur EU ist müsste die Zollunion ähnliche Richtlinien vertreten wie sie die UA und die EU im Hinblick auf die WTO haben, den darauf basiert dieses Freihandelsabkommen. UA musste erst die Normen der WTO seiner Gesetzgebung anpassen damit man über ein Freihandelsabkommen überhaupt erst diskutieren konnte. Wenn Länder wie Kasachstan und (besonders) Belarus nicht gewillt sind solche Standarts (in Hinblick auf die WTO und auf die sich EU und UA beziehen) zu akzeptieren, wie soll da ein Freihandelsabkommen mit der Zollunion vereinbar sein? Alternativ könnte Russland einen seperaten Wirtschaftsverbund nur mit UA anstreben, aber dass erscheint doch unwahrscheinlich.
Bei der Zollunion geht es Russland aber auch um die Festigung des politischen Einflusses über eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen, demzufolge sollten die Bedingungen EU-inkompatibel gestaltet werden. Jedoch kann ich mich irren, denn letztendlich müssen die Russen ihren Schrott ja auch irgendwohin verkaufen und sind am billigeren Zugang zu europäischen Märkten interessiert. Andererseits will man ja die Konkurrenz draußenhalten. Russland wird also kein großes Interesse am freien Zugang europäischer Unternehmen zu russischen, kasachischen, weißrussischen und ukrainischen Märkten haben.
Die Zollunion und die OVKS sind Instrumente des Kremls um sich die geopolitische Vorherrschaft in den GUS Ländern zu sichern. Das schlimmste was den Russen passieren könnte, wäre eine EU die mit Druck gegen Osten expandiert, ein Iran das sich im asiatischen Raum als regionale Groß- und Atommacht etablieren würde und ein China das sich stärker seinen Interessen in Zentralasien widmet. Ohne Zweifel sind alle 3 (besonders erster und letzter) schon jetzt recht aktiv im GUS Raum und für manche im Kreml wohl zu aktiv (man siehe die Reaktionen der Russen über die EU Ostpartnerschaft, Nabucco, die Pipeline Ost-West die von Turkmenistan nach China führen soll und sich bereits im Bau befindet, sowie die Pipeline Nord-Süd die von Turkm. nach Iran führt usw.). Dennoch spielt Russland in vielen dieser Länder die erste Geige (z. B. Belarus, Kirgistan, Kasachstan) oder es hat immer noch großen Einfluss (siehe die "GUAM" Länder), daher erhofft es sich nun (mit viel Nachdruck) sich so etwas besser zu etablieren. Zeit haben sie jedenfalls genug vergeudet, es ist eig. ein Armutszeugnis für die Regierung Putins und der von Medwedew das man nach den 90'ern so lange brauchte um so etwas wie eine Zollunion auf die Beine zu kriegen.

Ein interessanter Punkt in der Gemengelage ist, dass die Ukraine mit über den WTO-Beitritt Russlands entscheidet.
Denkst du UA würde hier Zugeständnisse erzwingen und wenn ja, in welchen Bereichen?

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#6 Beitrag von Handrij » Sonntag 4. Juli 2010, 13:50

DevilsNeverCry hat geschrieben: Da gab es rechtsstreit wegen Namensrechten einiger Lebensmittel im Hinblick auf die Sprachverwandschaft des ukrainischen mit dem polnischen, oder?
Ja, das einzige Beispiel was bei mir im Kopf hängen blieb ist "Szynka".
DevilsNeverCry hat geschrieben: Allerdings denke ich das diese Verschiebung auch einen politischen Grund hatte, da man wohl damals die zukünftige Regierung (wie man nun heute wunderbar erkennen kann) an der Angel halten wollte.
Sicherl. geht es hier an erster Stelle um die Freihandelszone, ja. Aber sollte die UA Regierung wirklich eine Integration in die EU anstreben (und Janukowitsch hat sich das Ziel für eine Mitgliedschaft zum langfristigen Ziel gemacht) so wird das langfristig unvereinbar mit einer Zollunion sein, dass gilt schon für die Freihandelszone aber dazu gleich weiter unten. . .
Muss nicht unvereinbar sein. Russland und Kasachstan könnten perspektivisch ebenfalls Freihandel mit der EU einrichten. Mit der Türkei hat die EU seit 1996 eine Zollunion und aus der Mittelmeerunion kann sich ähnliches entwickeln. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es in 15-20 Jahren (jaja, der Kaffeesatz lässt grüßen) eine Zollunion bis Wladiwostok gibt.
DevilsNeverCry hat geschrieben: Damit diese kompitabel zur EU ist müsste die Zollunion ähnliche Richtlinien vertreten wie sie die UA und die EU im Hinblick auf die WTO haben, den darauf basiert dieses Freihandelsabkommen. UA musste erst die Normen der WTO seiner Gesetzgebung anpassen damit man über ein Freihandelsabkommen überhaupt erst diskutieren konnte. Wenn Länder wie Kasachstan und (besonders) Belarus nicht gewillt sind solche Standarts (in Hinblick auf die WTO und auf die sich EU und UA beziehen) zu akzeptieren, wie soll da ein Freihandelsabkommen mit der Zollunion vereinbar sein? Alternativ könnte Russland einen seperaten Wirtschaftsverbund nur mit UA anstreben, aber dass erscheint doch unwahrscheinlich.
Dinge können sich ändern. In der jetzigen Regierungsperiode von Janukowitsch ist maximal der Freihandel mit der EU drin und die Sache mit der Zollunion mit Russland ist entweder wahltechnisch zu betrachten oder um Russland "bei der Stange zu halten", wenn man davon überhaupt reden kann. Priorität hat in allen Aussagen der EU-Freihandel und das liegt auch im Interesse der Finanziers der Regionalen, wenn wir einmal von Firtasch/Bojko absehen.
DevilsNeverCry hat geschrieben: Die Zollunion und die OVKS sind Instrumente des Kremls um sich die geopolitische Vorherrschaft in den GUS Ländern zu sichern. Das schlimmste was den Russen passieren könnte, wäre eine EU die mit Druck gegen Osten expandiert, ein Iran das sich im asiatischen Raum als regionale Groß- und Atommacht etablieren würde und ein China das sich stärker seinen Interessen in Zentralasien widmet. Ohne Zweifel sind alle 3 (besonders erster und letzter) schon jetzt recht aktiv im GUS Raum und für manche im Kreml wohl zu aktiv (man siehe die Reaktionen der Russen über die EU Ostpartnerschaft, Nabucco, die Pipeline Ost-West die von Turkmenistan nach China führen soll und sich bereits im Bau befindet, sowie die Pipeline Nord-Süd die von Turkm. nach Iran führt usw.). Dennoch spielt Russland in vielen dieser Länder die erste Geige (z. B. Belarus, Kirgistan, Kasachstan) oder es hat immer noch großen Einfluss (siehe die "GUAM" Länder), daher erhofft es sich nun (mit viel Nachdruck) sich so etwas besser zu etablieren. Zeit haben sie jedenfalls genug vergeudet, es ist eig. ein Armutszeugnis für die Regierung Putins und der von Medwedew das man nach den 90'ern so lange brauchte um so etwas wie eine Zollunion auf die Beine zu kriegen.
Geopolitik ist 19. Jahrhundert :-D. Zbigniew B. hat nicht immer recht ...
Aber mal im Ernst, die russische Führung denkt wohl noch so und dabei wird vor allem China bzw. der chinesische Einfluss gefürchtet und das nicht nur in Zentralasien, sondern auch in Ostsibirien.

Dennoch denke ich, dass insbesondere Kirgisistan gezeigt hat, dass man sich in Russland eine direkte Einmischung verkneift und mehr indirekt Einfluss sichern will. So richtig lohnt es sich in bestimmten Gegenden wie Tadschikistan und Kirgisistan nicht, da man selbst genügend arme Schlucker hat. Da geht es maximal noch um Eindämmung von Zusammenbruchszonen. Irgendwie eine Staatsfassade aufrecht erhalten.

Was die Pipelines betrifft: Bei Erdöl zeichnet sich so eine Entwicklung noch nicht ab, aber wenn sich die Schiefergas-Technologie weltweit durchsetzt, dann bedarf es keiner Riesenpipelines mehr, da Europa und China große Gebiete mit dann verwertbaren Gasvorkommen haben und sich selbst versorgen können. Dann hätten die zentralasiatischen Gasförderer und auch Russland ein Finanzierungsproblem und mittelfristig ein Stabilitätsproblem. Die USA sind durch diese Technologie innerhalb von ca. zehn Jahren wieder zum größten Gasproduzenten der Welt geworden und versorgen sich jetzt wieder selbst. Auch Gasprom macht jetzt in diese Technologie ...

Zum Iran: da hat Russland auch nicht unbedingt gezeigt, dass man da eine Regionalmacht aufziehen sieht. Zur Erinnerung: Russland ist der Hauptlieferant für atomare Ausrüstungen und auch für Waffen. Der Iran ist momentan eine gescheiterte Modernisierungsdiktatur die kurz vor dem Zusammenbruch steht und darin besteht wohl das Hauptinteresse Russlands und auch der USA. Der Staat darf nicht auseinanderfallen, so wie Afghanistan oder Pakistan, was kurz davor steht.

Noch einmal zurück zum Begriff Geopolitik. Ich bin immer wieder verblüfft, wie tief verwurzelt dieses Denken vor allem im postsowjetischen Raum ist. Ständig wird auf der Basis von Machtblöcken und Einflusszonen argumentiert, auch wenn die Realien dem kaum gerecht werden. Andernfalls hätte Russland doch niemals mit den USA bei Afghanistan kooperiert, auch wenn es zeitweise Unstimmigkeiten bezüglich von Militärbasen in Usbekistan und Kirgisistan gab und gibt.
Im März hatte ich beispielsweise die Gelegenheit Kasparow zuzuhören, der auch "geopolitisch" argumentierte - verständlich, das mit dem Schachbrett lässt einen nicht mehr los. Nichtsdestotrotz lassen sich aus diesem Denkschema interessante Ansätze und Überlegungen entnehmen. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass die Zeit der Kolonien vorbei ist.
DevilsNeverCry hat geschrieben:
Ein interessanter Punkt in der Gemengelage ist, dass die Ukraine mit über den WTO-Beitritt Russlands entscheidet.
Denkst du UA würde hier Zugeständnisse erzwingen und wenn ja, in welchen Bereichen?
Keinen blassen Schimmer. Oder doch: in Bereichen, welche die WTO nicht betreffen. Da sind z.B. die Auslandsvermögenswerte der UdSSR zu nennen, wo Russland einen alleinigen Anspruch erhebt, da man ja die Auslandsverbindlichkeiten der UdSSR übernommen hatte. Vorstellbar ist auch, dass dies als Druckmittel bei einem möglichen Joint Venture von Naftogas und Gasprom verwendet wird.

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#7 Beitrag von paracelsus » Montag 5. Juli 2010, 14:00

Handrij hat geschrieben:Geopolitik ist 19. Jahrhundert :-D. Zbigniew B. hat nicht immer recht ...
..................langsam wächst diese Erkenntnis, sogar bei den Geopolitikern in "Gottes eigenem Land". War das doch schön, als man nur schwarz und weiß denken musste........... :-) ? Wenn auch das 21. Jahrhunder m.E. ein wenig nach Kolonialpolitik, wenn auch ohne Kolonien und Imperialstaaten schmeckt....... :-(

Der WTO-Beitritt der Zollunionsstaaten wird letztlich eine Frage der näheren Zukunft sein. Die Frage ist nur, was man sich von der WTA verspricht. Deutschland beispielsweise. als ein Exportgigant, ist da ganz einfach gestrickt: offene Märkte und natürlich die erleichterte, billigere Einfuhr von "Werkbankprodukten" aus Schwellen- oder Entwicklungsländern.

China ist doch auch WTO, und das obwohl gerade China Markenrechte und Patente mehr schätzt als achtet........ B-) . Wobei ich mir letztlich nicht sicher bin, worin die Erwägungen der industriellen Schwergewichtsstaaten lagen: verlängerte Werkbank oder Absatzmarkt [smilie=dntknw.gif]

Auch ein Assoziationsabkommen bzw. Freihandelsabkommen zwischen EU und dem Wirtschaftsraum irgendeiner Zollunion ist doch nicht ausgeschlossen, wenn natürlich auch der gesamte Wirtschaftsraum einbezogen werden muss. Nur eine Mitgliedschaft in der EU müsste sich ein Kanditat einer fremden Wirtschaftsunion wohl abschminken. Aber wer weiss schon, welche Zukunft die EU noch vor sich hat [smilie=blush.gif]

Wenn man kurz- bis mittelfristig denkt, muss sich ein möglicher Beitrittskandidat fragen, was seine Ziele und vor allem, wo seine Märkte liegen. Dann kann man den Nutzen besser errechnen......... .
Dosis sola facit venenum (Allein die Dosis macht das Gift).
Die es gut meinen, das sind die schlimmsten.
Paracelsus (Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim) 1493 - 1541

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Re: Tihipko: Beitritt der Ukraine zur Zollunion möglich

#8 Beitrag von DevilsNeverCry » Montag 5. Juli 2010, 23:36

Handrij hat geschrieben: Muss nicht unvereinbar sein. Russland und Kasachstan könnten perspektivisch ebenfalls Freihandel mit der EU einrichten. Mit der Türkei hat die EU seit 1996 eine Zollunion und aus der Mittelmeerunion kann sich ähnliches entwickeln. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es in 15-20 Jahren (jaja, der Kaffeesatz lässt grüßen) eine Zollunion bis Wladiwostok gibt.

Um die Türkei geht es mir an dieser Stelle eig. nicht, den diese strebt ja auch nicht in die EU und will gleichzeitig Mitglied der Zollunion werden. Eine Zollunion wie sie momentan existiert kann der WTO nicht beitreten, Russland hat sich nicht umsonst von seiner damaligen Position distanziert das es mit KAZ und BY beitreten wollte. Die Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen der WTO-RUS, WTO-KAZ und WTO-BY sind relativ unterschiedlich und es ist stark zu bezweifeln das selbst in 5 oder 10 Jahren alle 3 der WTO beigetreten sind (man bedenke nur wie lange alle 3 Staaten mittlerweile mit der WTO verhandeln). Damit dieses Szenario eintritt müssten schon große politische Umwälzungen in Ländern wie BY, USA etc. vorkommen damit sich das wirtschaftspolitische Verhältnis zwischen den einzelnen Staaten ändert.
Was eine Zollunion von Lissabon nach Wladiwostok angeht so steht dies in den Sternen. Vieles wird hier von den politischen Verhältnissen zwischen den EU Ländern und den einzelnen GUS Ländern abhängen (besonders die mitteleuropäischen Länder wie Polen werden hier ein großes Gewicht haben).
Was eine Zollunion von Lissabon nach Wladiwostok angeht so steht dies in den Sternen. Vieles wird hier von den politischen Verhältnissen zwischen den EU Ländern und den einzelnen GUS Ländern abhängen (besonders die mitteleuropäischen Länder wie Polen werden hier ein großes Gewicht haben).

Dinge können sich ändern. In der jetzigen Regierungsperiode von Janukowitsch ist maximal der Freihandel mit der EU drin und die Sache mit der Zollunion mit Russland ist entweder wahltechnisch zu betrachten oder um Russland "bei der Stange zu halten", wenn man davon überhaupt reden kann. Priorität hat in allen Aussagen der EU-Freihandel und das liegt auch im Interesse der Finanziers der Regionalen, wenn wir einmal von Firtasch/Bojko absehen.
Da wäre ich mir diesbezüglich nicht ganz so sicher. Wenn wir mal die Verhandlungen über ein VISA Abkommen beiseite schieben so ist es nicht auszuschließen das man über den Freihandel hinausgeht. Zur Erweiterung der Europäischen Union reicht die Finanzkraft Brüssels allemal noch aus. Das fängt schon damit an das man neben Kroatien kurz-mittelfristig auch Island in der EU haben möchte was unter anderem auf Fossile Energieträger wie Öl und Gas zurück zu führen die sich in der 200 M. Zone befinden, sowie Fischfang. UA hat in diesen Bereichen auch viel zu bieten und noch vieles mehr (von der Agrarwirtschaft erst gar nicht zu sprechen). Grund hierfür wird wohl die schiere größe des Landes mit dem entsprechenden Gewicht in den EU Gremien sein wenn es zum Beitritt von UA kommen würde. Allerdings (und dessen sind sich selbst UA Skeptiker in Berlin bewusst) kann man eine EU Integration der Ukraine nicht auf die lange Bank schieben da Brüssel und Moskau sowohl Partner als auch Konkurrenten im postsowjetischen Raum sind.

Geopolitik ist 19. Jahrhundert :-D. Zbigniew B. hat nicht immer recht ...
Aber mal im Ernst, die russische Führung denkt wohl noch so und dabei wird vor allem China bzw. der chinesische Einfluss gefürchtet und das nicht nur in Zentralasien, sondern auch in Ostsibirien.

Dennoch denke ich, dass insbesondere Kirgisistan gezeigt hat, dass man sich in Russland eine direkte Einmischung verkneift und mehr indirekt Einfluss sichern will. So richtig lohnt es sich in bestimmten Gegenden wie Tadschikistan und Kirgisistan nicht, da man selbst genügend arme Schlucker hat. Da geht es maximal noch um Eindämmung von Zusammenbruchszonen. Irgendwie eine Staatsfassade aufrecht erhalten.

Was die Pipelines betrifft: Bei Erdöl zeichnet sich so eine Entwicklung noch nicht ab, aber wenn sich die Schiefergas-Technologie weltweit durchsetzt, dann bedarf es keiner Riesenpipelines mehr, da Europa und China große Gebiete mit dann verwertbaren Gasvorkommen haben und sich selbst versorgen können. Dann hätten die zentralasiatischen Gasförderer und auch Russland ein Finanzierungsproblem und mittelfristig ein Stabilitätsproblem. Die USA sind durch diese Technologie innerhalb von ca. zehn Jahren wieder zum größten Gasproduzenten der Welt geworden und versorgen sich jetzt wieder selbst. Auch Gasprom macht jetzt in diese Technologie ...

Zum Iran: da hat Russland auch nicht unbedingt gezeigt, dass man da eine Regionalmacht aufziehen sieht. Zur Erinnerung: Russland ist der Hauptlieferant für atomare Ausrüstungen und auch für Waffen. Der Iran ist momentan eine gescheiterte Modernisierungsdiktatur die kurz vor dem Zusammenbruch steht und darin besteht wohl das Hauptinteresse Russlands und auch der USA. Der Staat darf nicht auseinanderfallen, so wie Afghanistan oder Pakistan, was kurz davor steht.

Noch einmal zurück zum Begriff Geopolitik. Ich bin immer wieder verblüfft, wie tief verwurzelt dieses Denken vor allem im postsowjetischen Raum ist. Ständig wird auf der Basis von Machtblöcken und Einflusszonen argumentiert, auch wenn die Realien dem kaum gerecht werden. Andernfalls hätte Russland doch niemals mit den USA bei Afghanistan kooperiert, auch wenn es zeitweise Unstimmigkeiten bezüglich von Militärbasen in Usbekistan und Kirgisistan gab und gibt.
Im März hatte ich beispielsweise die Gelegenheit Kasparow zuzuhören, der auch "geopolitisch" argumentierte - verständlich, das mit dem Schachbrett lässt einen nicht mehr los. Nichtsdestotrotz lassen sich aus diesem Denkschema interessante Ansätze und Überlegungen entnehmen. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass die Zeit der Kolonien vorbei ist.

Brezinski ist eher einer von der alten Schule aber hey, seine Thesen widerspiegeln zum Teil die aktuelle Situation. :D
Allerdings bin ich eher ein Fan von Autoren wie Gustav Kempf. Er hat ein ganzes Buch über Chinas Außenpolitik geschrieben und sich dabei allen unmittelbaren Interessenzonen Chinas gewidmet. Da du auch die Angst der Russen auf Chinas erwähnst ist hier eine Stelle aus dem Buch besonders interessant. Der Autor konnte mehrere Gespräche mit Chinesen führen, auch mit einem der für ein chinesisch wissenschaftliches Magazin arbeitet und sich Jin nennt. Dieser stand auch im Kontakt mit der alten Beijing Schule aus China.
Der Ansicht dieses Mannes hat China 3 Interessen in Zentralasien: Erstens wäre da das Öl, wo man sich in Konkurrenz zu den USA und Russland befindet (dem sollte wohl angemerkt werden das es im Gas Bereich neben Russland nun die EU ist) und da Chinas Hunger nach Energieträger groß ist, muss es sich gegen seine Konkurrenz durchsetzen was es auch immer wieder schafft. Zweitens wäre da der Islam (ich komme hier auch noch auf den Iran zurück) der laut Jin die Territorialhoheit aller Staaten in dieser Zone gefährdet und den wirtschaftlichen Handel bremst. Drittens wäre da Russland, China geht es darum eine russische Herrschaft über diese Staaten zu verhindern und es hat Glück da Russland nach wie vor wirtschaftlich und politisch zu schwach ist als das es ihnen seinen Willen gegenüber den Zentralasiaten aufzwingen könnte (man sieht das am besten bei Turkmenistan) und andererseits haben Staaten wie Kasachstan, Usbekistan oder Turkmenistan selbst kein Interesse sich an jemandem langfristig zu binden. Der Pipelinebau der Kasachen und Turkmenen Richtung China im Öl und Gas Sektor sowie die Integration Kasachstan (und wohl möglich weiterer GUS Staaten in Zentralasien) in eine Zollunion zeigen das man eher nach Rückhalt vor dem Wirtschaftsdruck Chinas sucht, den eine wirtschaftliche Integration innerhalb der Shanghai 5 wurde eben von diesen Ländern abgelehnt, zu groß ist die Angst vor einer Abhängigkeit Chinas (man bedenke nur die immensen Investitionen im Atombereich, Gasbereich und anderen Bereichen der Energiewirtschaft)
Was den Iran angeht so hat es bereits begonnen Raketenabwehrsysteme auf eigene Hand produzieren zu wollen und es kann auch schon mindestens auf 20% selbst angereichertes Uran zurückgreifen (das wird wohl steigen). Ich denke es ist nur eine Frage der Zeit bis dieses Land eine Atommacht wird. Das wird sowohl die USA, Russland, EU als auch China schaden da dies zu einem Sicherheitsdilemma führen kann und der Iran sich unmittelbar in der Nähe Zentralasiens und dem Nahen Osten befindet und dies Zonen der nationalen Interessen Brüssels, Washingtons, Moskaus und Beijings sind.
Für Russland und China kann der Iran auch deshalb ein Problemfall werden weil eine regionale Großmacht Iran sich nicht scheuen wird sich in die inneren Angelegenheiten Moskaus und Beijings einzumischen. Bekloppt würde man nun denken, aber dass ist es nicht wenn man sich nur anschaut zu wem der Iran politische Beziehungen unterhält (da wäre z. B. die Hisbollah was Israel tierisch verärgert) oder inwiefern es sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischt (sei es vor kurzem wegen Gaza-Israel gewesen oder den teils terroristischen Aktivitäten einiger Fundamentalisten in Aserbaidschan). Natürlich wäre Teheran nicht so blöd und würde es sich einfach so mit Moskau oder Beijing anfeinden nur um seinen politischen Willen durchzusetzen. Dennoch kann es in Krisenzeiten auf solch (bewährtes Mittel) zurückgreifen da diese Länder aufgrund kultureller und religiöser Nähe zu den Staaten Zentralasiens und des Kaukasus wesentlich mehr mit Iran verbindet als mit Russland und China. Dafür spricht alleine die Geschichte (das riesen Reich unter Seldschuk und später dem Choresm Reich). Der Iran unterhält nicht nur enge Beziehungen zu den islamischen Staaten sondern auch teils zu Untergrundorganisationen.

Keinen blassen Schimmer. Oder doch: in Bereichen, welche die WTO nicht betreffen. Da sind z.B. die Auslandsvermögenswerte der UdSSR zu nennen, wo Russland einen alleinigen Anspruch erhebt, da man ja die Auslandsverbindlichkeiten der UdSSR übernommen hatte. Vorstellbar ist auch, dass dies als Druckmittel bei einem möglichen Joint Venture von Naftogas und Gasprom verwendet wird.
Ich denke bei der Aufteilung der Vermögensverteilung wird Moskau nicht locker lassen und außerdem ist die jetzige Regierung nicht so streng wie die vorige Regierung.

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