PolitikBPB: Ukraine - gespalten zwischen Ost und West

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Handrij
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Ukraine

BPB: Ukraine - gespalten zwischen Ost und West

#1 Beitrag von Handrij » Montag 18. Mai 2009, 12:35

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat eine sechsteilige Studie zur Ukraine veröffentlicht. Die Daten sind zwar etwas älter - bis 2006, doch wird hier noch einmal ein kleiner Überblick über die jüngere Geschichte geboten.
Nachfolgend findet sich der erste Teil. Der Rest - einschließlich Grafiken - findet sich hier
---------------------------------------
Einleitung

Gemeinsam mit Russland und Belarus gilt die Ukraine als Nachfolgestaat der Kiewer Rus, eines Großreichs ostslawischer Stämme, das im 9. Jahrhundert sein Zentrum in Kiew hatte und sich seit 988 zum byzantinischen Christentum bekannte. Der Name "Ukraine" wird häufig übersetzt mit "am Rande" oder auch mit "Land" bzw. "Erde" und bezeichnete die südwestlichen Regionen des KiewerGroßreiches. Das Gebiet gehörte seit dem 14. Jahrhundert wechselweise und zu Teilen zu Litauen, Polen, Russland, Österreich und der Türkei. Die am 22. Januar 1918 erstmals erreichte staatliche Unabhängigkeit als Ukrainische Volksrepublik währte nur bis zum März desselben Jahres als die Ukraine im Zuge des Ersten Weltkriegs vorübergehend unter deutschen Einfluss geriet. 1919 wurde die östliche Ukraine zur Sowjetrepublik, 1922 zum Teilstaat der Sowjetunion, während die westlichen Gebiete zu Polen und zur Tschechoslowakei kamen. Nachdem schon die Gewaltherrschaft des sowjetischen Diktators Josef Stalin von 1933 bis 1939 Millionen Ukrainer das Leben gekostet hatte, wurde die Ukraine neben Belarus einer der Hauptschauplätze des Zweiten Weltkriegs - wiederum mit Millionen Todesopfern in der heimischen Bevölkerung.
Heute ist die Ukraine mit 603 700 Quadratkilometern 1,7mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und damit der größte Staat Europas mit rein europäischem Territorium. Die Ukraine grenzt an Russland, Belarus, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Moldowa. Nach der Osterweiterung der EU im Mai 2004 ist sie zum Nachbarn der Europäischen Union geworden. Russland und die EU konkurrieren in der Ukraine um politischen und wirtschaftlichen Einfluss.
Die Ukraine hat mit 46,8 Millionen etwa 60 Prozent der Einwohnerzahl Deutschlands. Die Ukrainer stellen 77,8 Prozent der Bevölkerung, die Russen 17,3 Prozent, und der Bevölkerungsanteil der Weißrussen, Krimtataren, Moldawier-Rumänen, Deutschen, der Juden, die als eigene Nationalität bezeichnet werden, der Polen, Ungarn, Bulgaren und Griechen liegt jeweils unter einem Prozent. Im Osten und Süden des Landes wird überwiegend russisch gesprochen, im Westen hauptsächlich das Ukrainische.
Das Land ist arm an Energieträgern. Es hat nur geringe Gas- und keine Ölvorkommen. Die Kohlevorkommen im östlichen Donbass-Gebiet sind weitgehend erschöpft. Dafür verfügt die Ukraine über fünf Prozent der Weltbestände an Eisenerz, 20 Prozent der Weltvorräte an Mangan sowie über mehr Graphit, Brom, Quecksilber und Schwefel, als das Land selbst benötigt.

Entwicklung nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Tod Stalins 1953 setzte sich zunächst die Unterdrückung der ukrainischen Kultur fort. Das gesamte öffentliche Leben, zum Beispiel in Behörden, Zeitungen, Schulen und Universitäten, fand in Russisch statt. Unter Stalins Nachfolger, KPdSU-Generalsekretär Nikita Chruschtschow, stieg die Ukraine dagegen zum Junior-Partner Russlands auf. Chruschtschows Rede auf dem KPdSU-Parteitag 1956, in der er sich von Stalin distanzierte und dessen Verbrechen anprangerte, löste eine politische Tauwetterperiode aus, in deren Verlauf die Russifizierung in der Ukraine, auch in der politischen Führung in Kiew, in eine Ukrainisierung umgekehrt wurde. In der Amtszeit von KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew, der 1964 Chruschtschow stürzte, wurde dieser Entwicklung allerdings wieder ein Ende gesetzt.
Nach 1985 leitete der neue KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow unter den Stichworten Glasnost (Öffnung) und Perestrojka (Umgestaltung) eine Politik ein, die größere Transparenz und Offenheit gegenüber der Bevölkerung mit einem Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems verband. Diese Neuausrichtung fand auch in der Ukraine Anhänger, kam dort jedoch - im Gegensatz zu anderen Sowjetrepubliken - erst sehr spät zum Tragen. Dies lag am hinhaltenden Widerstand der reformfeindlichen ukrainischen KP-Führung, die erst 1989 abgesetzt wurde.
Die ukrainischen oppositionellen Kräfte erhielten durch die Katastrophe von Tschernobyl 1986 einen wesentlichen Anstoß und formierten sich 1989 zur "Volksbewegung der Ukraine für die Perestrojka" (abgekürzt: Ruch). Sie forderten unter anderem die sprachliche Ukrainisierung und die Aufarbeitung der Verbrechen Stalins sowie - seit Mitte 1990 - die nationalstaatliche Souveränität, die unmittelbar nach dem gescheiterten Putsch in Russland am 24. August 1991 von der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, verkündet wurde.
Am 8. Dezember 1991 gründete die Ukraine gemeinsam mit Russland und Belarus die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten GUS und besiegelte damit das Ende der Sowjetunion. Am 21. Dezember 1991 traten weitere acht Sowjetrepubliken - außer den baltischen Republiken und Georgien, das erst 1993 dazukam - der neuen Staatenorganisation bei.
Der Entschluss zur ukrainischen Unabhängigkeit war das Ergebnis eines "historischen Kompromisses" zwischen sehr heterogenen Gruppen: der von der Intelligenz geführten ukrainischen Nationalbewegung, der Bergarbeiterbewegung und einer vom langjährigen KPdSU-Spitzenfunktionär Leonid Krawtschuk angeführten zu "Nationalkommunisten" mutierten Gruppe der alten Sowjetelite. Leonid Krawtschuk war zunächst Parlamentspräsident, am 1.Dezember 1991 wurde er zum ersten Präsidenten der unabhängigen Ukraine gewählt.

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