PolitikUkrainisches Integrations-Dilemma: Kiew vor einem Jahr der Entscheidung

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Ukrainisches Integrations-Dilemma: Kiew vor einem Jahr der Entscheidung

#1 Beitrag von Handrij » Montag 4. Februar 2013, 13:35

Russland hat sich in den letzten Monaten verstärkt bemüht, die Ukraine in den eurasischen Wirtschaftsraum zu lotsen. Kiew, bisher lavierend zwischen Brüssel und Moskau, wird sich bald entscheiden müssen.
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Re: Ukrainisches Integrations-Dilemma: Kiew vor einem Jahr der Entscheidung

#2 Beitrag von UkraineInteressierter » Montag 4. Februar 2013, 15:13

Die Ukraine als eine potenzielle wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die sich seit Jahren abzeichnet
Naja... wenn man in der Ukraine ist, sieht man davon jedenfalls noch nicht so viel.
Bei der Bevölkerung kommt das jedenfalls auch nicht wirklich an, und auch eine Aufbruchsstimmung konnte ich in UA leider auch noch nicht feststellen und die Einschätzung der Ukraine durch Ratingagenturen hat sich seit der Wirtschaftskrise ab '08 leider ebenfalls verschlechtert... die Wirtschaft ist unglaublich rohstofforientiert und damit massiv von Konjunkturperioden abhängig. In dem Artikel wird suggeriert, die Ukraine sei ein Boomstaat

Ich verstehe einfach nicht, warum sich die Ukraine zwangsweise zwischen Europa und Eurasien eindeutig entscheiden muss. Sowohl historisch als auch kulturell bestehen starke Beziehungen in beide Kultur- und Wirtschaftsräume. Die Ukraine könnte ein sehr interessanter Brückenstaat zwischen den Polen Moskau und Brüssel werden - und sie braucht, alleine durch ihre geografische Lage beide Wirtschaftsräume. Man sollte nicht vergessen: Auch wenn die Ukraine in (Ost-)Europa liegt: Von Lugansk sind es keine 600 Kilometer nach Kasachstan (übrigens einer der wichtigsten Handelspartner der UA).

Rein aus wirtschaftlicher Sicht wäre die Eurasische Wirtschaftsintegration sogar interessanter - die Handelsbeziehungen zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan sind jedenfalls bedeutend höher als diejenigen mit der EU. Natürlich besteht hier das Problem der Vereinnahmung durch Russland - ABER der Versuch, eine komplette wirtschaftliche Umorientierung Richtung Europa durchzuführen, würde der Ukraine mehr schaden als nutzen. Ich halte außerdem eine baldige Integration der Ukraine in den europäischen Wirtschaftsraum kurzfristig für unrealistisch. Die EU wird, wenn jetzt schon über den Austritt Großbritanniens spekuliert wird, sicherlich kein 46-Millionen-Einwohner-Land in seine Wirtschaftsgemeinschaft aufnehmen, dessen Kreditwürdigkeit obendrein laut Ratingagenturen (meiner Meinung nach unbegründet) nur geringfügig höher als die von Griechenland eingeschätzt wird. Schon bei Serbien ist man da vorsichtig. Ich glaube nicht, dass die Ukraine vor 2020, wenn überhaupt, der EU beitreten könnte.

Sicherlich, eine eurasische Integration birgt Risiken und ich bin selbst nicht überzeugt, ob sie das richtige für die Ukraine ist - aber man kann sie nicht, wie in dem Artikel, als etwas fast schon Unmoralisches darstellen, was hauptsächlich ein paar Geschäftsleuten und russischen Großmachtambitionen etwas bringen würde. Es gibt viele rationale Gründe, die dafür sprechen. Eine Eurasische Union wäre - rein auf dem Papier - eine sehr interessante Alternative. Und meiner Meinung nach braucht die Ukraine sowieso gute Beziehungen zu beiden Wirtschaftsräumen.

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Re: Ukrainisches Integrations-Dilemma: Kiew vor einem Jahr der Entscheidung

#3 Beitrag von Kurt Simmchen - galizier » Montag 4. Februar 2013, 18:20

Bedingt durch meine Bindung an die Anwendung alternativer Energiegewinnung und die damit immer notwendiger werdende Energieeffizienz besuchte ich einige Jahre lang die spezifischen Messen in Kiew.
Da werden Elektromotoren einer betimmten Leistung mit denen westeuropäischer Hersteller verglichen.
Wirkungsgrade werden geschönt und über den Materialeinsatz brauchen wir gar nicht reden und alles immer noch brav nach der GOST-Norm.
Klar ist Kasachstan ein großer Partner, aber eben auch weil gleiche Normen und analoge Begünstigungsformeln für die Einkäufer. Aserbaidschan tanzt da schon mehr aus der Reihe.
Lieber UA-Interessierter, früher gabs mal die These, dass im Osten die Sonne aufgeht, aber das war mehr politisch gemeint. Auch heute noch geht die Sonne dort auf, dafür wird es dort auch schneller finster.
Diese Symbolik lebte wirklich nie und wer das Licht der Erkenntnis sucht muss schon westwärts gehen.
Deshalb ist der Weg der UA in Richtung der EU existenziell.

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Re: Ukrainisches Integrations-Dilemma: Kiew vor einem Jahr der Entscheidung

#4 Beitrag von Handrij » Dienstag 5. Februar 2013, 12:02

UkraineInteressierter hat geschrieben:
Die Ukraine als eine potenzielle wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die sich seit Jahren abzeichnet
Naja... wenn man in der Ukraine ist, sieht man davon jedenfalls noch nicht so viel.
Bei der Bevölkerung kommt das jedenfalls auch nicht wirklich an, und auch eine Aufbruchsstimmung konnte ich in UA leider auch noch nicht feststellen und die Einschätzung der Ukraine durch Ratingagenturen hat sich seit der Wirtschaftskrise ab '08 leider ebenfalls verschlechtert... die Wirtschaft ist unglaublich rohstofforientiert und damit massiv von Konjunkturperioden abhängig. In dem Artikel wird suggeriert, die Ukraine sei ein Boomstaat
In dem Artikel wird eben nicht "suggeriert", dass die Ukraine ein Boomstaat ist. Sie hätte das Potenzial dazu. Seit Jahren wartet man auf den Moment, wann denn endlich der Knoten platzt, nur passiert halt nichts.
Der Autor suggeriert meines Erachtens nach zu Recht, dass die EU-Assoziierung ein Katalysator für einen Entwicklungsschub sein könnte, ähnlich wie beim Nachbarn Polen.
UkraineInteressierter hat geschrieben: Rein aus wirtschaftlicher Sicht wäre die Eurasische Wirtschaftsintegration sogar interessanter - die Handelsbeziehungen zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan sind jedenfalls bedeutend höher als diejenigen mit der EU.
Unsinn. Erdöl- und Erdgasimport rausgerechnet und schon spielen die Länder der Zollunion nur noch die zweite Geige.
Und da sind wir auch schon beim Hauptpunkt: von Russland, Kasachstan und Belarus kann die Ukraine wenn es um eine Modernisierung der Wirtschaft, des Staates geht nicht profitieren.
Sobald die Rede um mehr als Rohstoffe und Halbfabrikate geht, haben die nordöstlichen Staaten nichts mehr zu bieten. Unterschlagen wir mal dabei die weißrussischen Traktoren... :-)
Zudem besteht bereits eine Freihandelszone mit den GUS-Staaten! Wenn diese ernsthaft umgesetzt würde, was Russland aus bekannten Gründen nicht will, dann bedürfte es keiner Mitgliedschaft in der Zollunion, um Handelsvorteile mit Russland, Kasachstan oder Weißrussland zu bekommen.
Das einzige Argument für die Zollunion ist ein kurzfristiges Absinken der Gasimportpreise und das Argument ist einfach zu schwach.
In der ganzen Betrachtung Zollunion vs. EU-Assoziierung sollte man auch nicht vergessen, dass es hier nicht um die Interessen von Staaten geht. Wenn man die Angelegenheit als Interessenskonflikt zwischen dem Putin-Clan und dem Janukowitsch-Clan betrachtet, sollte klar werden, warum auch für Janukowitsch die Zollunion keine Perspektive darstellt. Einzig die totale Pleite des Geschäfts mit dem Markennamen Ukraine würde Janukowitsch in die Zollunion treiben und die Verwalter des Geschäfts mit dem Markennamen Russland warten nur auf diesen Moment, um dann den kleineren Laden komplett zu übernehmen. IMHO wird es also keine Fusion geben, sondern allenfalls eine feindliche Übernahme.
Das heißt auch nicht, dass das Geschäft mit dem Markennamen Russland modern und mächtig ist. Die Übernahme des Ladens mit dem Insignium Ukraine nach einem Kotau Janukowitschs würde nur die Übernahme des einen Pleitekandidaten durch den nächsten bedeuten.
UkraineInteressierter hat geschrieben: Ich glaube nicht, dass die Ukraine vor 2020, wenn überhaupt, der EU beitreten könnte.
Das steht eh nicht zur Debatte.

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