Kultur, Religion und Geschichte | Welt: Schiffbrüche, lauter Schiffbrüche

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Handrij
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Ukraine

Welt: Schiffbrüche, lauter Schiffbrüche

#1 Beitragvon Handrij » Freitag 2. Oktober 2009, 13:10

Der ukrainische Schriftsteller Tymofiy Havryliv sucht das Haus des Odysseus und verirrt sich dabei

Die ukrainische Literatur ist noch jung, weil das ukrainische Idiom als Kultursprache über lange Zeit unterdrückt und provinzialisiert wurde. Erst nach der Unabhängigkeit durfte sie sich frei entfalten. Kein Wunder, dass der Aufbruch aus der Provinzialität von einer Identitätssuche, von einer nachholenden Auseinandersetzung mit der europäischen Avantgarde und von der Unsicherheit der Zuspätgekommenen begleitet ist. Der ukrainische Übersetzer und Schriftsteller Tymofiy Havryliv hat gerade eine europäische Wanderung abgeschlossen und deren Ergebnis, den Roman "Wo ist dein Haus, Odysseus?", mit einem Fragezeichen versehen. Nach seinem "Haus" will Havryliv zugleich im unendlichen Sprachkosmos und in einem in Bewegung gekommenen Europa suchen.

Der Roman setzt sich aus zahlreichen losen Textfragmenten zusammen, die miteinander durch das Ich des Autors und dessen wechselnde Reise-Situationen lose verbunden sind. Einige Fragmente sind nur ein paar Seiten lang und bestehen aus einem einzigen Satz, in dem Adjektive aneinander gereiht werden, ohne dass zusätzlicher Sinn entsteht. In anderen Stücken werden Situationen beschrieben, in die Havryliv auf seinen Reisen gerät. Das Ich findet sich in verschiedenen, nicht genannten Städten Europas wieder und teilt seine Eindrücke und Erlebnisse mit in einer üppigen metaphorischen Sprache, die vom Übersetzer Harald Fleischmann kongenial wiedergegeben wird. Auf den ersten Seiten bereits zeigt sich das unerschöpfliches Vermögen Havrylivs, eine bunte Bilderwelt zu erzeugen. Jedes Bild für sich genommen mag schön und kunstvoll sein, doch anders als beim Impressionismus vermögen die verschwommenen Pinselstriche kein Ganzes zu erzeugen.

Das Lesen gleicht auf diese Weise einer Kreuzfahrt, bei der das Anlegen durch den Nebel verhindert wird. Die Passagiere sehen die Konturen eines Hafens, glauben, die Stadt erkannt zu haben und möchten aussteigen und das Terrain mit dem Autor erkunden. Stattdessen verschwindet die Skyline wieder wie eine Theater-Bühne hinter Stickstoffwolken, und das Schiff sticht ins seichte Meer, um auf der nächsten Station erneut abgewiesen zu werden. Als Passagier einer solchen Kreuzfahrt möchte man am Ende vom Veranstalter nach einer Entschädigung verlangen.

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