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toto66
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Wer versteht den Schurken?

#1 Beitrag von toto66 » Freitag 31. Juli 2015, 15:08

Die zwei bedeutenden Osteuropa-Historiker Karl Schlögel und Jörg Baberowski haben sich in der Ukrainekrise entzweit: Schlögel gilt als scharfer Kritiker von Putins Politik, Baberowski als Russlandversteher. Hier reden sie miteinander über die Ukraine und die Mission Russlands

DIE ZEIT: Die Ukraine hat die Öffentlichkeit gespalten. Wir wissen nun: Zwei Drittel der Deutschen trauen der Berichterstattung nicht. Woran liegt das?

Karl Schlögel: Dieses Misstrauen geht weit über die Berichte zur Ukraine hinaus, es hat mit dem endlosen Bombardement an Bildern und Nachrichten zu tun, jeder lebt zudem in einem Privatkosmos an Informationen im Netz. Ich selbst fand die Berichterstattung zur Ukraine ausgezeichnet, habe sie möglichst quellenkritisch verfolgt und habe dann doch beschlossen, mich auf eigene Faust vor Ort zu informieren, weil ich den Bildern, den ewig gleichen Standaufnahmen der Hotspots nicht traute. So habe ich es nach dem 11. September gehalten. Als ich nun durch die ukrainischen Städte reiste, hat sich in mir die Zuversicht gebildet, dass die Ukraine dem Hijacking standhalten würde. Eine Stadt wie Charkiw schafft es, einfach 140.000 Flüchtlinge aufzunehmen. Mein Zugang ist derjenige, mir selbst ein Bild zu machen.

ZEIT: Ihnen, Herr Baberowski, kam die Berichterstattung klaustrophobisch vor, Sie haben einen öffentlichen Konsenszwang beklagt und gefordert, die russische Perspektive verständlich zu machen.

Jörg Baberowski: Ich meine wie Karl Schlögel, dass dieses Misstrauen gegenüber den Medien mit der Ukraine nichts zu tun hat, sondern damit, dass die Moral die einzige Ressource ist, aus der die Begründungen kommen. Der Leser soll zwischen Analyse und Moral nicht unterscheiden. Gerade in Ostdeutschland habe ich oft erlebt, dass man über die Ukraine zwar wenig weiß, sich als Bürger aber vor aller Information schon umso sicherer war, die eigenen Erfahrungen mit der Sowjetunion würden ohnehin nicht gehört. Dass wieder keiner hören will, was man erlebt hatte, und dafür selbst ernannte Experten vom Schreibtisch aus die öffentliche Meinung beherrschen, die nie in Russland oder der Ukraine gewesen sind. Mir liegt es nicht, mit dem Strom zu schwimmen. Wenn sich alle einig sind, wer der Schurke ist, neige ich dazu, mich für den Schurken zu interessieren und seine Motive verstehen zu wollen. Wenn alle eine Situation für alternativlos halten, interessieren mich die Alternativen, auch auf die Gefahr hin, eine Position einzunehmen, die einem selbst gar nicht gefällt.
.....
http://www.zeit.de/2015/29/ukraine-kris ... imir-putin

Nicht ganz brandneu, aber sehr lesenswert.

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